Die Brandenburger Dorf-Mumien

In der Nähe von Cottbus in Brandenburg liegt ein kleines Örtchen namens Illmersdorf. Im Jahr 1738 kaufte der Obristwachtmeister Caspar Ernst von Normann das Gut Illmersdorf. Die Familie von Normann war ein altes Adelsgeschlecht, das erstmals im 13. Jahrhundert im Fürstentum Rügen erwähnt wurde. Vier Jahre nach dem Kauf baute er 1742 eine neue Kirche mit Gruft vor Ort. Die Gruft war ursprünglich für ihn und seine Gattin, Johanna Louise, geborene von Barfus, gedacht.

Die Kirche von Illmersdorf 2012

Die Kirche von Illmersdorf 2012

Die Gruft bereits kurz nach dem Bau in Benutzung

Nur sechs Jahre nach dem Bau der Kirche wurde Caspar Ernst von Normann 1748 in seiner Gruft beigesetzt. Im Zeitraum von 1748 bis 1821 wurden insgesamt acht große und zwei kleine Särge hier bestattet. Darin befinden sich elf Mumien: fünf Frauen, drei Männer, zwei Kinder und ein Säugling. Die Schwiegertochter des Erbauers starb bei der Entbindung ihres Kindes und wurde mit dem Säugling zusammen in einem Sarg bestattet. Alle Leichen wurden auf natürlichem Wege mumifiziert, denn die Gruft war gut belüftet und trocken. Durch eine Maueröffnung konnte der beständige Luftzug die Leichen austrocknen und so mumifizieren, bevor die Fäulnis einsetzte.

Vier Mumien aus Ilmersdorf

Vier der elf Mumien aus Illmersdorf

Die düstere Legende mit einer gefesselten Scheintoten

Es fällt auf, dass die Mumie rechts im Bild anscheinend im Sarg festgeschnallt wurde. Es handelt sich dabei um Caroline Louise von Schoenberg, geborene von Normann, die Tochter des Erbauers. Eine Legende erzählt, dass sie lebendig in den Sarg gelegt wurde. An ihrem angeblichen Sterbetag, dem 17. April 1821, sei sie nur scheintot gewesen. Die Nachkommen hatten aber schon ihren Nachlass unter sich aufgeteilt. Die gierigen Verwandten hatten sie deswegen gefesselt und in den Sarg gelegt. Bei ihrer Beerdigung soll Caroline schließlich von innen an den Sarg geklopft haben.

Eine andere Erklärung ist jedoch, dass Leichen, die erst nach dem Eintreten der Totenstarre in den Sarg gelegt wurden, oft mit Schnüren zusammengebunden werden mussten, damit sie ordentlich da lagen, oder dass sie schlicht zur Transportsicherung dienten, so der ortsansässige Pfarrer.

Zusätzliche Information, die uns ein Gast am 2.2.2017 zugeschickt hat:

Wir haben von einem Gast dazu einen sehr interessanten (und schaurigen) Hinweis bekommen. Die Frage bleibt, warum hat man das Band nicht im Sarg abgemacht, nachdem die Leiche transportiert wurde? Wirklich nur, damit die Tote ordentlich da lag? Die Frage ist berechtigt. Laut unserem Gast, hat man die gefesselte Dame für eine Wiedergängerin gehalten. Eine Vampirin also. Mit Stricken sollte sie gebannt werden, damit sie den Sarg nicht verlässt (Quelle: Franz, Angelika / Nösler, Daniel, Geköpft und gepfählt, Archäologen auf der Jagd nach den Untoten). Diese Erklärung scheint um einiges logischer zu sein. Die Jahrzehnte davor waren in Deutschland durch den Glauben an Vampire, Wiedergänger und Nachzehrer geprägt. Ein Pfarrer würde dies sicherlich nicht gerne bestätigen. Wir danken unserem Gast für diesen Hinweis. Das Buch steht nun auf unserer Leseliste und wird direkt bestellt.

Besuchsmöglichkeiten der Kirche in Illmersdorf

Wegen geringer Nachfrage bleibt die Kirche Illmersdorf mit ihrer Mumiengruft stets geschlossen. Jedoch können Besichtigungen, durch rechtzeitige Voranmeldungen im Pfarramt Madlow, durchgeführt werden.

Quellen: