Der sechsfache Mord von Hinterkaifeck

Das oberbayerische Hinterkaifeck war der Tatort eines bis heute nicht aufgeklärten Mehrfachmordes im Jahr 1922. In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 werden auf einem Einödhof Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäzilia, seine verwitwete Tochter Victoria Gabriel, deren siebenjährige Tochter Cäzilia und der zweieinhalbjährige Sohn Josef sowie die erst vor einigen Stunden angekommene neue Magd Maria Baumgartner bestialisch mit einer Kreuzhacke ermordet.

Hof Hinterkaifeck

Das Aquarell zeigt den Hof in Hinterkaifeck. Es wurde 1923 von Max Binder einen Tag vor dem Beginn der Abrissarbeiten des Hofes fertiggestellt.

Die Geschehnisse vor der Tat in Hinterkaifeck

Schon lange vor der Tat kam es zu seltsamen Ereignissen am Hof vom Bauer Gruber. So kündigt im Herbst 1921 die junge Magd Kreszenz R. ganz überstürzt ihre Stellung am Hof. Angeblich ist ihr die Atmosphäre auf dem Hof zu angespannt und es spukt dort. Ganz unrecht hatte sie nicht. Es war bekannt, dass Andreas Gruber seine Tochter Viktoria vergewaltigt, wofür er ein Jahr ins Zuchthaus musste. Auch Viktoria musste wegen eben dieser Blutschande ins Zuchthaus – aber nur für einen Monat. Einige Tage vor der Tatnacht entdeckte der Bauer Andreas Gruber im Schnee Spuren, die zum Hof hinführten, aber nicht wieder heraus. Ebenso vermissten die Bewohner einen Haustürschlüssel. Außerdem hatte jemand an der Motorhütte des Hofes das Vorhängeschloss aufgebrochen und im Stall ein Rind losgebunden. In der Nacht hörten sie auf dem Dachboden über ihren Schlafräumen Schritte, doch Andreas Gruber fand niemanden, als er das Gebäude durchsuchte. Darüber hinaus bemerkten die Hinterkaifecker, dass das Anwesen vom Wald aus von einem Mann mit Schnauzbart beobachtet wurde.

Tatnacht vom 31. März auf den 1. April 1922

Am Nachmittag des 31. März 1922, einem Freitag, kam die neue Magd Maria Baumgartner auf dem Hof an. Das genaue Tatgeschehen konnte nicht rekonstruiert werden. Man nimmt jedoch an, dass am späten Abend die Eheleute Andreas und Cäzilia Gruber sowie deren Tochter Viktoria Gabriel und Enkelin Cäzilia Gabriel nacheinander durch eine losgebundene, unruhige Kuh in den Stall gelockt wurden. Dort wurden sie einzeln mit einer Hacke erschlagen. Wie die spätere Obduktion ergibt, ist das siebenjährige Mädchen nicht direkt verstorben, sondern musste sich noch in einem circa zweistündigen Todeskampf quälen. Die Schmerzen, welche sie durch den eingeschlagenen Schädel erlitten hat, müssen so stark gewesen sein, dass sie sich büschelweise Haare herausgerissen hat. Nur die Dienstmagd Maria Baumgartner und der zweijährige Josef kamen nicht in die Scheune. Der oder die Täter erschlug(en) beide im Schlaf.

Nach der Tatnacht

Der Mord geschah in der Nacht von Freitag auf Samstag. Es dauerte vier Tage, bis es den Mitbürgern merkwürdig vorkam, dass keiner der Bewohner mehr zu sehen war. In der Schule wurde bemerkt, dass die siebenjährige Cäzilia am Samstag, wie auch Montag und Dienstag unentschuldigt fehlte. Außerdem fiel auf, dass die Einwohner des Hofes am 2. April nicht am Sonntagsgottesdienst teilnahmen. Am Montag, dem 3. April bemerkte der Postschaffner Josef Mayer, als er nach Hinterkaifeck kam, dass sich die Post vom Samstag noch immer dort befand, wo er sie deponiert hatte, und dass anscheinend niemand auf dem Hof war. Schließlich kam noch am 4. April ein Monteur vorbei, der die Futterschneidemaschine reparieren sollte. Er bemerkte zwar, dass niemand auf dem Hof ist, reparierte dennoch fünf Stunden lang die Maschine, ohne ins Haus oder in die Scheune zu gehen. Erst dann drang der Ortsführer Lorenz Schlittenbauer, noch am selben Tag mit zwei anderen Männern, Michael Pöll und Jakob Sigl, in den Gebäudekomplex ein, wo sie die größtenteils abgedeckten Leichen entdeckten. Zunächst wurde von einem Raubmord ausgegangen, jedoch wurde viel Geld im Haus zurückgelassen.

War(en) der oder die Mörder noch nach der Tat im Haus?

Höchstwahrscheinlich hielt(en) sich der oder die Mörder noch nach der Tat auf dem Hof auf. Das Vieh wurde versorgt wurde und Rauch stieg aus dem Kamin des Bauernhauses. Außerdem entdeckte die Polizei, dass der gesamte Brotvorrat aufgebraucht und Fleisch aus der Vorratskammer frisch angeschnitten worden war. Der Monteur, welcher die Futterschneidemaschine repariert hat, sagte aus, er habe zunächst Hundegebell im Haus gehört, als er aber den Hof verließ, war der Hund vor dem Haus angebunden gewesen.

Ohne Köpfe beerdigt

Ein weiteres schreckliches Schicksal widerfuhr der Familie noch nach ihrem Tod. Um die Schädel der Mordopfer genauer zu untersuchen, wurden sie abgetrennt und in das Justizgebäude in Augsburg gebracht. Dieses Gebäude wurde jedoch bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Mordopfer wurden also ohne ihre Köpfe beerdigt und diese konnten nie wieder später mit ins Grab gelegt werden.

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Die Familie war nicht beliebt

In den 1970er Jahren wurde beim Abriss der Sakristei der St.-Vitus-Kirche in Hagelstadt ein Sterbebild der Familie in einem Kirchenbuch gefunden, das die handschriftlichen Vermerke neidisch wucherisch, in ganzer Umgegend verachtet, wg Sittlichkeit 1 Jahr, Blutschande und Strafe Gottes trägt. Wer das Bild vermutlich bereits in den 1920er Jahren beschriftete und wie oder wann es in das etwa 85 Kilometer entfernte Hagelstadt gelangte, ist nicht bekannt.

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Sterbebild mit den Notizen

Die Polizei lässt Hellseherinnen befragen

Die Polizei geht vielen Spuren nach und stellt sogar eine Belohnung von 100.000 Mark aus. Doch es wurde kein Täter gefunden. Deshalb organisiert die ratlose Polizei eine Séance. Zwei weibliche Medien nutzen im Beisein des Ersten Staatsanwalts Ferdinand Renner ihre angebliche übersinnliche Gabe. Dabei haben sie die sechs Köpfe der Ermordeten vor sich liegen. Eines der Medien beschreibt einen der Täter mit den Worten: „Hat etwas Scheues an sich, häßliches Lachen, noch jünger, Furche im Gesicht, im Blick etwas Stechendes, kann sich sehr verstellen.“

Der Hof wurde schließlich 1923 abgerissen.

Wollt ihr mehr über den Mordfall Hinterkaifeck wissen? Wir empfehlen euch diesen wunderbar spannenden und kostenlosen Podcast von Haoxilla.

Quellen: