Der dämonische Graf Orlok bringt die Pest nach Wismar

Wer ist dieser Graf Orlok, der 1838 in Wismar auftaucht und im Schlepptau die Pest mitbringt?

Nosferatu

Graf Orlok ist eine fiktive Gestalt und der Hauptcharakter des deutschen Stummfilms Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens aus dem Jahr 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau. Der Stummfilm ist eine – nicht autorisierte – Adaption von Bram Stokers Roman Dracula und erzählt die Geschichte des Grafen Orlok, eines Vampirs aus den Karpaten. Der Film ist einer der ersten Horrorfilme.

Nosferatu ist der sagenhafte Name einer angeblichen besonderen Spezies von Vampiren in Rumänien. Im tatsächlichen rumänischen Vampirglauben existiert ein solches Wesen nicht. Der Begriff wurde erstmals von der schottischen Reiseschriftstellerin Emily Gerard in ihrem Buch The Land beyond the Forest. Facts and Fancies from Transsylvania (Edinburgh und New York 1888) erwähnt und mit Untoter übersetzt.  Ihre Schilderungen wurden von Bram Stoker für seinen Roman Dracula (1897) als Informationsquelle genutzt.

Graf Orlok im Film „Nosferatu“ – Szene aus dem Stummfilm 1922

Handlung des Stummfilms

Da es sich um eine Kopie von Bram Stokers Werk Dracula handelt, gleichen sich beide Handlungen sehr.

Der Häusermakler Knock bekommt von einem Grafen Orlok aus den Karpaten den schriftlichen Auftrag, für ihn ein Haus in Wisborg zu suchen. Der Makler beauftragt seinen jungen Mitarbeiter Thomas Hutter, zu Orlok zu reisen. Hutters Frau Ellen gefällt dies gar nicht, dennoch reist Hutter in die Karpaten. Die Einheimischen fürchten sich vor Orlok und warnen den jungen Mann, weiterzureisen. Trotz aller Strapazen erreicht er das düstere Schloss des Grafen.

Der Graf bittet den jungen Mann zu verweilen. Nach einer Nacht in schwerem Schlaf erwacht Hutter mit zwei Bissmalen an seinem Hals. Als Graf Orlok am folgenden Abend zufällig das Bildnis von Hutters Frau Ellen in einem Medaillon erblickt, nimmt er sofort Hutters Angebot an und unterschreibt unbesehen den Kaufvertrag. Hutter ahnt, dass er damit das Verhängnis in seine Heimatstadt eingeladen hat.

Der junge Hutter mit dem Grafen Orlok – Szene aus dem Stummfilm 1922

Hutter erforscht tagsüber Orloks Schloss und findet den Grafen in todesähnlichem Schlaf in einem Sarg liegen. Am Abend sieht Hutter, wie der Graf eilends mit Erde gefüllte Särge auf einen Wagen verlädt. Kaum hat sich Orlok in den letzten, leeren, Sarg gelegt und dessen Deckel über sich gezogen, rast der unheimliche Karren davon. Hutter flieht aus dem Schloss. Orlok hat unterdessen veranlasst, dass die Särge auf dem Wasserweg Wisborg erreichen. Das Schiff, welches den Grafen transportiert, läuft schließlich als Geisterschiff im Zielhafen ein. Alle Matrosen sind während der Reise auf unheilvolle Weise verstorben. Der Graf verlässt das Schiff und wandelt durch die nächtliche Stadt. Die Stadt ruft den Notstand aus, doch es ist zu spät: Die Pest breitet sich in Wisborg aus und fordert unzählige Opfer.

Hutter erreicht nun auch wieder seine Heimatstadt und weiß von seiner Reise, wie er den Grafen das Handwerk legen kann. Nur eine Frau reinen Herzens könne „den Vampyr“ aufhalten, indem sie ihm aus freiem Willen ihr Blut zu trinken gibt und ihn so „den Hahnenschrey vergessen“ lässt – also dass der Vampir bis zum Morgengrauen in Ekstase trinkt und ihn die aufgehende Sonne umbringt. Graf Orlok schleicht in Ellens Zimmer, um ihr Blut zu trinken. Als er sich an ihr labt, schreckt er plötzlich hoch: Er hat über seiner Lust die Zeit vergessen; der Morgen naht. Mit dem ersten Hahnenschrei, also im ersten Strahl der Sonne, vergeht der Vampir zu Rauch. Hutter erreicht mit dem Doktor Ellens Zimmer und schließt sie in die Arme, doch es ist zu spät: Ellen ist tot. Wie durch ein Wunder ist jedoch mit dem Ende des Vampirs auch die Pest besiegt.

Drehorte für Nosferatu

Die Drehorte waren neben den Karpaten, vor allem in Deutschland. Im Film erkennt der Zuschauer die Stadt Wismar – welche im Film zu Wisborg wurde. Aber auch Lauenburg, Lübeck, Rostock, Sylt und Berlin dienten als Drehorte.

Filmplakat von „Nosferatu“ – 1922

Quellen: