Beim Heiler – Ein Selbstversuch

Es war der 5.8.2016. Filmstudenten der HTWK in Leipzig drehen eine Sendung über Mythen. Geladen sind verschiedenen Gäste: ein Skeptiker, der den Ursprung von Verschwörungstheorien erklärt und diese aushebelt, wir von der Gruseltour, um über düsteren Legenden und Mythen in Leipzig zu berichten und uns der Frage zu stellen, warum Menschen von düsteren Geschichten begeistert sein können und ein Heiler namens Haitham Tawil, welcher vor laufender Kamera eine Heilung durch Handauflegen vollziehen sollte – unter den kritischen Augen eines Medizinstudenten.

Die Heilung vor der Kamera

Die Patientin hatte Schmerzen im Arm und konnte diesen nicht komplett anheben. Haitham erschien in seinem Heiler-Anzug. Ein schwarzer Umhang mit goldener Stickerei und einem schwarzen Turban. Es wirkte sehr eindrucksvoll und natürlich fremdartig und geheimnisvoll. Die Patientin stand vor einem Stuhl, sollte ihre Augen schließen und tief ein- und ausatmen. Dann fiel sie auf den Stuhl. Haitham führte sie mit seiner Hand auf ihren Schultern. Sie sollte sich nun auf ihre Probleme konzentrieren. Danach stellte sie sich wieder mit geschlossenen Augen vor den Stuhl. Das wurde dreimal hintereinander durchgeführt. Schließlich probierte sie vor laufenden Kamera, ob sie nun den Arm wieder gänzlich anheben kann – und es funktionierte.

Der Medizinstudent sollte sich nun dazu äußern und sagte, dass gerade Verspannungen eine Kopfsache seien können. Wenn nun jemand mit solch einer charismatischen Ausstrahlung, wie der Heiler, jemanden beruhigt und verspricht, dass die Verspannung sich löst, so legt er damit einen Schalter im Kopf des Patienten um.

Wer ist Haitham Tawil?

Haitham ist gebürtiger Syrier und kam 1984 zum Studieren in die DDR, daher kann er perfekt Deutsch. Heute arbeitet er in der Migranten-Beratungsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in seiner Heimatstadt Merseburg, schauspielert nebenbei und ist Heiler. Er hat schon in verschiedenen Serien oder Kinofilmen mitgespielt, unter anderem in der Serie „In aller Freundschaft“ oder beim Kinofilm „Hanni und Nanni“. Vor sechs Jahren bekam am Drehset ein Schauspieler einen Hustenanfall. Haitham ging zu dem Schauspieler und sagte aus Spaß, dass er Heiler sei, legte seine Hand auf und der Hustenanfall verschwand! Er konnte es selbst nicht glauben, dass sein ausgedachter „Hokus Pokus“ funktionieren sollte, aber er schaffte es eben doch den Schauspieler zu beruhigen, so dass der Dreh weitergehen konnte. Seitdem bekommt er stets Anfragen als Heiler. Haitham sagt, dass mittlerweile selbst Ärzte zu seinen Patienten gehören.

Haitham Tawil

Haitham Tawil

Der Selbstversuch

Nachdem die Sendung der HTWK-Filmstudenten über Mythen im Kasten war, hatten wir die Möglichkeit uns hinter den Kulissen besser kennenzulernen. Aufgrund eines kleinen Augenleidens, welches aber nicht sichtbar ist, fragte ich Haitham ebenfalls, ob er nicht auch mal bei mir Hand auflegen könnte. Ich hatte so etwas noch nie gemacht, da ich solchen Methoden eher skeptisch gegenüberstehe, selbst Homöopathie traue ich nicht über den Weg. Jedoch hatte ich auch noch nie einen Heiler persönlich kennengelernt. Haitham war ein sympathischer Mann, der mit allen sofort ins Gespräch kam und so war es mir nicht unangenehm zu fragen. Haitham sagte direkt zu. Wir trugen also einen Stuhl auf die Dachterrasse. Haitham fragte mich nach meinen Beschwerden und dann ging es auch schon los. Ich sollte mich vor den Stuhl stellen, die Augen verschließen und ebenfalls tief ein- und ausatmen. Haithams Hand ruhte währenddessen auf meiner rechten Schulter. Sanft drückte mich die Hand schließlich auf den Stuhl runter. Als ich mich mit geschlossenen Augen hingesetzt hatte, entspannte sich mein Körper vollkommen. Ein Gefühl überkam mich, als ob eine schwere Last abfallen würde. Auf dem Stuhl sollte ich weiter tief ein- und ausatmen, sowie an meine Beschwerden denken. Dann wieder aufstehen, kurz die Augen aufmachen, um zu überprüfen, ob alles gut ist. Diesen Vorgang wiederholten wir dreimal. Alles in allem dauerte die Prozedur vielleicht vier Minuten. Danach war ich tiefenentspannt und etwas benommen. Meine Hände kribbelten noch ungefähr 30 Minuten danach.

Haitham und ich

Haitham und ich nach der Behandlung – Ich bin noch etwas benommen (Foto vom 5.8.2016)

Wurde ich geheilt?

Mein kleines Problem mit den Augen stresst mich schon seit etlichen Wochen und ich mache mir Gedanken darüber, ob meine Augen operiert werden müssen oder nicht, was natürlich mit Angst verbunden ist. Es sind eben die Augen. Die braucht man doch ganz dringend. Am Tag der Heilung fühlten sich meine Augen super an und ich hatte weniger Probleme. Das Beste aber war, dass ich mir den Tag mal gar keine Sorgen um mein Augenleiden gemacht hatte. Es fühlte sich wie eine kleine Befreiung an. Es war also definitiv ein positiver Energieschub. Wenn man sich selber nur noch negative Gedanken macht, benötigt man von irgendwoher Kraft und positive Energie. Diese hat mir Haitham auf jeden Fall mit auf dem Weg gegeben. Ob meine Augen besser geworden sind oder auf dem Weg der Besserung, das muss dann aber doch der Augenarzt entscheiden (mit dem ich aber erst in einigen Tagen einen Termin habe).

Beeindruckend war auf jeden Fall, wie Haitham es schafft die Menschen in einen hypnoseartigen Zustand zu versetzen und sie nach der Behandlung bei ihm zufrieden ausgeschaut haben. Nach mir fragten noch andere, ob Haitham nicht auch noch kurz für sie Zeit hätte. Und er hatte. :-)

Die Sendung von den HTWK-Filmstudenten über Mythen werde ich nach Ausstrahlung posten.

Quellen:

Ein Gedanke zu „Beim Heiler – Ein Selbstversuch

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