Der Sandmann – ein Kunstmärchen der Schwarzen Romantik

Es ist eine Angst, die besteht, seit Maschinen erfunden wurden. Maschinen, die zu Automaten wurden und dem Menschen Dienste erweisen. Eine Angst, dass diese Automaten immer mehr menschlichere Züge annehmen und so von einem richtigen Menschen nicht mehr zu unterscheiden sind. Kann man sich dann noch an den Diensten der menschenähnlichen Maschinen erfreuen oder jagt einen die schiere Angst vor diesen Automatenmenschen in den Wahnsinn?

E.T.A. Hoffmann

1816 veröffentlichte der Schriftsteller Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (sein gebürtiger Name war Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann) ein Werk, das unter anderem die oben genannte Angst beschreibt. Es heißt „Der Sandmann“. Hoffmann wurde 1776 in Königsberg geboren. Königsberg lag damals in Preußen und gehört heutzutage zu Russland.

Auf Wunsch seines Vaters studierte Hoffmann zunächst Jura in Königsberg und arbeitete bald auch am Königsberger Gericht. Später zog er aus beruflichen Gründen einige Male um, bis er schließlich in Berlin Fuß fasste. Dort kam er mit vielen Künstlern in Kontakt und versuchte sich erneut künstlerisch zu betätigen – als Komponist, Schriftsteller und Maler. Zu dieser Zeit erkrankte seine Frau schwer und seine Tochter verstarb. Hoffmann erlebt Höhepunkte und Niederschläge.

E.T.A. Hoffmann verstarb am 25. Juni 1822 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde am Mehringdamm in Berlin Kreuzberg.

Der Sandmann

„Der Sandmann“ ist eine Erzählung in der Tradition des Kunstmärchens der Schwarzen Romantik (häufig auch als Schauerroman bezeichnet).

Die Erzählung beginnt mit einem Brief, den der Student Nathanael verfasst hat. Er beschreibt eine ihn plagende Angst. Kindheitserinnerungen kommen in ihm hoch. Erinnerungen an den Sandmann. Als Kind wurde er manchmal früh ins Bett geschickt, weil der Sandmann komme. Ein ominöser Besuch, der seinen Vater aufsucht. Nathanael schleicht sich aus seinem Zimmer, um endlich den „Sandmann“ zu sehen. Der Sandmann entpuppt sich als ein gewisser Coppelius, der mit seinem Vater alchemistische Experimente durchführt. Als Nathanael von ihm entdeckt wird, habe Coppelius ihn misshandelt und gedroht ihm die Augen zu verbrennen. Bei einem weiteren Besuch Coppelius’ kam Nathanaels Vater ums Leben, wahrscheinlich durch eine Explosion im Labor.

Genau diesem Coppelius sei er nun im Erwachsenenalter wieder begegnet. Nathanaels Verlobte Clara versucht ihn zu beruhigen, was ihr nicht gelingt. Nathanael wendet sich sogar von seiner Verlobten ab, da sie ihn nicht versteht. Zu diesem Zeitpunkt beobachtet er von seinem Fenster aus die Tochter Olimpia seines Professors und verliebt sich in sie.

Allen anderen erscheint Olimpia sehr „mechanisch“, leblos und fast zu perfekt. Nathanael dagegen verliert die letzten Zweifel an seiner Liebe zu ihr. Er beginnt sich häufiger mit Olimpia zu treffen, um ihr seine Gedichte und Erzählungen vorzulesen. Anders als die kritische Clara antwortet sie ausschließlich „Ach! Ach!“, was Nathanael als Ausdruck eines sehr poetischen und tiefgründigen Gemütes interpretiert; er sieht sie als die Person an, die ihn ganz versteht. Erst durch einen Zufall erkennt er, was Olimpia wirklich ist: eine automatisierte Holzpuppe. Er bringt Coppelius mit der Holzpuppe in Verbindung, woraufhin er endgültig dem Wahnsinn verfällt. Er versucht Clara, seine Verlobte, umzubringen. Es gelingt ihm aber nicht, weshalb er sich von einem Turm stürzt.

Der Sandmann als Hörbuch und als Film

Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann ist ein bekannter Roman der Schauerromantik. Mittlerweile wurde er sogar verfilmt.

Für alle, die die ganze Geschichte des dem Wahn verfallenen Nathanael hören wollen, gibt es „Der Sandmann“ auch als kostenloses Hörbuch: im Podcast von Black Sweet Stories.

Der Sandmann

Quellen: