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Die letzte öffentliche Hinrichtung in Frankreich – an einem Deutschen

Im Morgengrauen des 17. Juni 1939 um 4:32 Uhr fiel das Fallbeil der Guillotine in Versailles und tötete den 31-jährigen deutschen Eugen Weidmann. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Frankreich. Aber warum wurde Eugen hingerichtet?

Eugen Weidmann

Das Leben des Eugen Weidmann

Eugen Weidmann wird am 5. Februar 1908 in Frankfurt am Main geboren und verbrachte dort größtenteils seine Kindheit. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste er bei seinen Großeltern in Köln leben. Von dieser Zeit wird berichtet, dass die streng katholisch lebenden Großeltern nicht ihrer Aufsichtspflicht nachkamen und Eugen anfing zu stehlen. Für seine Taten kam er als junger Erwachsener für fünf Jahre ins Gefängnis. Dort lernte er Gleichgesinnte kennen, die ebenfalls nichts von einem bürgerlichen Leben hielten. Weidmanns Komplizen waren seit dem Roger Million, Jean Blanc und Fritz Frommer. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis sollen sie beschlossen haben, gemeinsam reiche Touristen, die Frankreich besuchten, zu entführen und zu bestehlen. Sie mieteten für diesen Zweck ein Haus in Saint-Cloud in der Nähe von Paris.

Weidmanns Opfer

Der erste Entführungsversuch scheiterte, weil ihr Opfer sich zur Wehr setzte. Der zweite Versuch, die Entführung einer New Yorker Tänzerin, Jean de Koven, war erfolgreich. Eugen Weidmann tötete und vergrub sie am 21. Juli 1937 im Garten des gemieteten Hauses. Die Gruppe sandte dann die erbeuteten Reiseschecks Millions Geliebter, Collette Tricot, zu, die diese in Bargeld wechseln sollte. Jedoch war ihr Opfer nicht annähernd reich gewesen. Möglich ist aber, dass Weidmann US-Amerikaner nur aus den Medien kannte und dachte, dass jeder von ihnen Millionär sein.

Am 3. September desselben Jahres ließ sich Weidmann vom Chauffeur Joseph Couffy in dessen Wagen an die Côte d’Azur bringen, wo er ihm in den Hinterkopf schoss, um anschließend den Wagen zu stehlen. Auch dieser war nicht wirklich wohlhabend gewesen. Jedoch hatte der Chauffeur wenigstens so viel Geld dabei gehabt, dass Weidmann ein paar Tage über die Runden kam und sein ergaunertes Auto für die Rückfahrt volltanken konnte.

Am 4. Oktober 1937 lockte er mit Million Janine Keller, eine selbständige Krankenschwester, durch ein Arbeitsplatzangebot in eine Höhle im Wald von Fontainebleau, die ein beliebtes Ausflugsziel war. Er tötete sie und stahl ihre Habseligkeiten.

Am 16. Oktober 1937 arrangierten Million und Weidmann ein Treffen mit einem jungen Theaterproduzenten, Roger LeBlond, und versprachen ihm, in seine Vorführungen zu investieren. Stattdessen erschoss Weidmann ihn durch Kopfschuss von hinten und stahl seine Brieftasche.

Zusammen mit Roger Million tötete er am 20. November 1937 den gemeinsamen Komplizen Fritz Frommer.

Sein nächster Schuss traf Raymond Lesobre, einen Immobilienmakler, mit dem er ein Haus besichtigte. Er stahl Lesobres Auto sowie dessen Brieftasche. Es stellte sich aber heraus, dass dieser auch nicht viel Geld dabei gehabt hatte.

Seine Festnahme

Die Polizei konnte Weidmann am 8. Dezember 1937 nach einer Schießerei verhaften, wonach er alle seine Morde gestand. Weidmann und seine Komplizen wurden im März 1939 vor Gericht gestellt. Weidmann und Million erhielten am 31. März die Todesstrafe, während Blanc zu einer Gefängnisstrafe von 20 Monaten verurteilt wurde. Millions Geliebte Collette Tricot wurde zuerst freigesprochen und später zu lebenslanger Haft verurteilt. Staatspräsident Albert Lebrun begnadigte jedoch Roger Million zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und bestätigte das Todesurteil für Weidmann.

Liebesbriefe in der Todeszelle und der Tag der Hinrichtung

Eugen Weidmanns Hinrichtung wurde von volksfestartigen Szenen begleitet. Am Vortag der Vollstreckung waren etwa 10.000 Schaulustige (in manchen Texten ist sogar die Rede von bis zu 40.000) nach Versailles gekommen. Die Gaststätten hatten die ganze Nacht über geöffnet, der Lärm war bis in Weidmanns Zelle im Gefängnis Saint Pierre zu hören. Sogar das Militär musste aufmaschieren, um die Ordnung zu erhalten. Ganz in der Nähe fand sogar eine Hinrichtungsparty statt, deren Teilnehmer sich das Ziel gesetzt hatten, in dem Moment, in dem Weidmanns Kopf fiel, die Champagnerkorken knallen zu lassen. Eugen Weidmann galt auch als der „Schöne Eugen“. Er war ein also „Ladykiller“ – im doppelten Sinne. Noch in der Todeszelle erhielt Weidmann zahlreiche Liebesbriefe. Und es waren vor allem Frauen, die sich um die besten Plätze um das Schafott drängten. Als der Verurteilte vor die Guillotine geführt wurde, reagierten manche geradezu hysterisch. Einige hysterische Frauen sollen zur Guillotine gegangen sein und ihre Taschentücher in Weidmanns Blut getaucht haben. Die Hinrichtung fand auf dem Platz vor dem Gefängnis statt und musste wegen des Ansturms der Schaulustigen um etwa 45 Minuten auf 4:32 Uhr verschoben werden.

Wegen des unwürdigen „hysterischen Verhaltens“ der Öffentlichkeit bei Weidmanns Hinrichtung bestimmte Premierminister Édouard Daladier am 24. Juni 1939 in einer Verordnung, dass alle Exekutionen nichtöffentlich hinter Gefängnismauern zu vollziehen seien.

Eugen Weidmann in der französischen Presse

Quellen:

Warte, warte ein Weilchen – Haarmann kommt mit dem Hackebeilchen

Fröhlich gestimmte Musiker, die über einen grausamen Mörder singen…

Über Fritz Haarmann – Die Bestie von Hannover!

„Warte, warte nur ein Weilchen,
bald kommt Haarmann auch zu dir,
mit dem kleinen Hackebeilchen,
macht er Schabefleisch aus dir.
Aus den Augen macht er Sülze,
aus dem Hintern macht er Speck,
aus den Därmen macht er Würste
und den Rest, den schmeißt er weg.“

In Hannover an der Leine,
Rote Reihe Nummer 8,
wohnt der Massenmörder Haarmann,
der schon manchen umgebracht.
Haarmann hat auch ein’ Gehilfen,
Grans hieß dieser junge Mann.
Dieser lockte mit Behagen
alle kleinen Jungen an.

Fritz Haarmann wurde am 25. Oktober 1879 in Hannover geboren. Er war ein Serienmörder, der wegen Mordes an 24 Jungen und jungen Männern im Alter von 10 bis 22 Jahren am 19. Dezember 1924 zum Tode verurteilt wurde. Er wird auch Der Vampir, Der Schlächter oder Der Werwolf von Hannover genannt.

Wie kam man dieser Bestie von Hannover auf die Spur? Zwischen Mai und Juni 1924 fanden Kinder fünf menschliche Schädel in der Leine. Nach gerichtsmedizinischen Untersuchungen stammten sie von jungen Männern und wurden vermutlich mit einem Messer vom Körper abgetrennt. Beim Fund des vierten Schädels am 13. Juni 1924 kamen die Ermittlungen in Richtung eines Serienmörders ins Rollen. Die Mordkommission der hannoverschen Kriminalpolizei schloss ein Raubmotiv aus und vermutete einen homosexuellen Täter. Der Polizei waren in der Stadt etwa 30 Männer bekannt, die dafür infrage kamen, darunter Haarmann. Schon früher stand Haarmann unter Mordverdacht. Am 22. Juni wurde er wegen Bedrohung eines Jugendlichen verhaftet. Als die Polizei am am darauffolgenden Tag seine Wohnung aufsuchte, fand sie etliche, teilweise blutbefleckte Kleidungsstücke junger Männer. Daraufhin wurde Haarmann weiterhin in Haft gehalten. Schließlich gestand er Tötungen, aber widerrief sie sofort wieder. Um ein Geständnis zu erlangen, wurde Haarmann in einer präparierten Haftzelle angekettet. Unter der Decke waren von der Polizei in jeder Ecke der Zelle Bretter angebracht, auf die Schädel platziert wurden. Ihre Augenhöhlen waren mit rotem Papier ausgekleidet. Die Schädel wurden dann von hinten beleuchtet. Außerhalb der Reichweite der Kette wurde ein Sack mit Gebeinen der Leichen aufgestellt. Die Polizisten sagten Haarmann, dass die Seelen der Verstorbenen ihn jetzt holen würden, wenn er nicht geständig werde. Und er wurde geständig. Haarmann wurde am 15. April 1925 mit dem Fallbeil hingerichtet.

Vielen Dank an unseren Gruseltour-Gast, der im Rahmen einer Firmenfeier mit seinen Kollegen bei der Gruseltour war und uns auf das Leben von Fritz Haarmann aufmerksam gemacht hat. Unser Guide wird nie vergessen, als der Herr plötzlich angefangen hat, ein Gedicht aufzusagen, ganz leise und doch sehr selbstsicher: „Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann mit dem Hackebeilchen…“

Quellen:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Haarmann
  • https://www.youtube.com/watch?v=8vYvzZLRYJQ
  • http://www.klausenkultur.de/hannoversches/„in-hannover-haben-sie-einen-gekriegt-der-hat-vielen-jungen-leuten-die-kehle-durchgebissen-“ (Bild)

Der Schlächter von Berlin

Carl Großmann soll fast 100 Mädchen und Frauen auf dem Gewissen haben. Er hat sie vergewaltigt, zerstückelt und die Leichenteile anschließend verbrannt oder in den Fluss geworfen. Wer war dieser schreckliche Schlächter von Berlin?

Carl Großmann war eines von acht Kindern und wuchs in ärmlichen Verhältnissen unter einem brutalen Vater, der die Mutter stets misshandelte, in Neuruppin auf. Er war ab 1876 Lehrling in der Fleischerei Ferdinand Kliefoth. Seine blutrünstigen Gedanken und Äußerungen erschreckten sogar seinen Bruder Franz. 1879 wurde er wegen einer sexuellen Annäherung an Frau Kliefoth entlassen.

Von 1880 bis 1895 lebte er in Berlin. Seine erste Arbeitsstelle war die Fleischerei Naujocks nahe dem Alexanderplatz. Später zog er als Bettler, Hausierer und Kleinkrimineller durch Süddeutschland. Er machte sich mehrfach strafbar, u. a. wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Sexualdelikten, und verbüßte mehrere Gefängnisstrafen. Zuletzt wurde er am 4. Oktober 1899 in Bayreuth wegen Sittlichkeitsverbrechen zu 15 Jahre Zuchthaus verurteilt. Er hatte an einem Tag ein zehn- sowie ein vierjähriges Mädchen sexuell missbraucht. Die Vierjährige starb später an den Folgen der Tat. 1913 wurde Großmann aus der Haft entlassen und kehrte nach Berlin zurück, wo er schließlich eine Wohnküche im Haus Lange Straße 88/89 bezog.

Großmann sprach seine Opfer, die meist Prostituierte oder alleinreisende Frauen waren, häufig in der Gegend um den Andreasplatz an und lud sie zu sich nach Hause ein. In der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges herrschte hohe Arbeitslosigkeit. Er bot den obdachlosen Frauen an, in seinem Haushalt als „Wirtschafterin“ tätig zu werden.

Das Stadtviertel Berlin-Friedrichshain war damals eine der ärmsten und verruchtesten Gegenden. In den Jahren 1918 bis 1921 wurden im Engelbecken und im Luisenstädtischen Kanal in der Gegend um den Schlesischen Bahnhof (heute Ostbahnhof) 23 zerstückelte Frauenleichen gefunden.

Carl Großmann wurde am 21. August 1921 in seinem Haus neben seinem letzten Opfer Marie Nitsche auf frischer Tat gefasst. Nachbarn hörten Schreie und riefen die Polizei. Polizeibeamte klopften und brachen schließlich die Tür auf. Sie hinderten Großmann daran, Selbstmord zu begehen. In seinem Küchenofen wurden die verkohlten Überreste menschlicher Hände gefunden. Lediglich drei Morde gestand Großmann in den späteren Vernehmungen. Es wird vermutet, er könnte für das Verschwinden von etwa 100 Mädchen verantwortlich gewesen sein. In jenem Sommer war die Berliner Kriminalpolizei aufs äußerste beunruhigt durch die Leichenfunde im Luisenstädtischen Kanal. In der Nähe von Großmanns Wohnung, waren seit Mai im Kanal beinahe täglich Teile weiblicher Körper gefunden worden.

Es gibt Vermutungen, nach welchen Großmann seine Opfer zu Wurst- und Dosenfleisch verarbeitet habe, da er am Schlesischen Bahnhof einen Wurststand besaß. Ebenso wird spekuliert, er habe Teile seiner Opfer selbst verspeist. Diese Vermutungen konnten jedoch nie nachgewiesen werden.

Bei den Verhehmungen stellte sich heraus, dass Großmanns meiste Hingabe seinem Zeisig Hänseken galt. Er war ein tierlieber Serienmörder.

Der 58-jährige Großmann tötete sich am 5. Juli 1922 vor dem Ende der Hauptverhandlung in seiner Zelle selbst. Er hatte sich aus seinem Bettzeug einen Strick gedreht und sich an einem Nagel seiner Zellentür erhängt.

Ein schrecklicher Mann…

Quellen: