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Der Geisterbaron aus München

Wer war der Geisterbaron?

Nur im Volksmund wurde er der Geisterbaron genannt. Eigentlich hieß er aber Albert Freiherr von Schrenck-Notzing und wurde am 18. Mai 1862 in Oldenburg geboren. Er starb am 12. Februar 1929 in München. Er wurde als reicher und fanatischer Außenseiter beschrieben, der sich für das Okkulte interessierte. Schrenck-Notzing studierte in München Medizin und promovierte 1888 mit dem Thema „Ein Beitrag zur therapeutischen Verwerthung des Hypnotismus“. Schon im darauffolgenden Jahr arbeitete er in München als praktischer Arzt. Ferner widmete er sich der medizinischen Psychologie und wurde der erste Psychotherapeut im süddeutschen Raum. Er wurde unter anderem dadurch bekannt, weil er behauptete „sexuelle Dysfunktionen“, wie Homosexualität, Betroffenen „absuggerieren“ zu können. Vor allem interessierte er sich für die Gebiete der Hypnose und Parapsychologie. 1886 war er Mitbegründer der „Psychologische Gesellschaft“, wo parapsychologische Versuche stattfanden.

Steigendes Interesse für das Okkulte

Durch seine Heirat wurde Schrenck-Notzing finanziell noch unabhängiger und verlagerte seine Forschung auf das Studium „okkulter“ psychophysischer Vorgänge. In seinem Palais richtete er ein okkultistisches Labor ein. Dort veranstaltete er Séancen. Die dabei präsentierten Medien, also Menschen mit angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten, konnten unter anderem mit „psychischer Energie“ Erscheinungen formen und folglich materialisieren. Seine Séancen mit dem Materialisationsmedium „Eva C.“, welche eigentlich Marthe Béraud hieß, erregten starkes öffentliches Interesse. Vor allem die Fotographien des „Ekto-“ oder „Teleplasmas“, einer quasi-biologischen Substanz, erzeugten Faszination und Abscheu. Das waren Fotographien von Medien,  die aus Körperöffnungen diese Substanz ausschieden. Schrenck-Notzing deutete dies als „ideoplastische“ Vorgänge, die von angeblichen unbewußten Vorstellungen des Mediums geformt wurden. Einer seiner berühmtesten Besucher und Zuschauer der Séancen war der Schriftsteller Thomas Mann. In Berichten von Thomas Mann wird deutlich, dass dieser keinen Zweifel an der Echtheit der Geisterbeschwörungen des Schrenck-Notzing hatte. In der Weimarer Republik wurde Schrenck-Notzing auch als der „Geisterbaron“ betitelt. Bis heute ist jedoch fraglich, inwieweit es sich bei seinen Séancen um Betrug handelte und wie Schrenck-Notzing die Täuschung aufbaute.

Schrenck-Notzing

Schrenck-Notzing bei einer Séance um 1894

Schrenck-Notzing Medium

Das Foto, um 1920 entstanden, zeigt das Medium Stanislawa P. bei einer Sitzung von Schrenck-Notzing. Aus ihrem Mund tritt sogenanntes „Ektoplasma“ aus. Schrenck-Notzing beschreibt dies als Materialisationsphänomen.

Quellen:

Der mysteriöse Sechsfachmord von Hinterkaifeck

Das oberbayerische Hinterkaifeck war der Tatort eines bis heute nicht aufgeklärten Mehrfachmordes im Jahr 1922. In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 werden auf einem Einödhof Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäzilia, seine verwitwete Tochter Victoria Gabriel, deren siebenjährige Tochter Cäzilia und der zweieinhalbjährige Sohn Josef sowie die erst vor einigen Stunden angekommene neue Magd Maria Baumgartner bestialisch mit einer Kreuzhacke ermordet.

Hof Hinterkaifeck

Das Aquarell zeigt den Hof in Hinterkaifeck. Es wurde 1923 von Max Binder einen Tag vor dem Beginn der Abrissarbeiten des Hofes fertiggestellt.

Die Geschehnisse vor der Tat in Hinterkaifeck

Schon lange vor der Tat kam es zu seltsamen Ereignissen am Hof vom Bauer Gruber. So kündigt im Herbst 1921 die junge Magd Kreszenz R. ganz überstürzt ihre Stellung am Hof. Angeblich ist ihr die Atmosphäre auf dem Hof zu angespannt und es spukt dort. Ganz unrecht hatte sie nicht. Es war bekannt, dass Andreas Gruber seine Tochter Viktoria vergewaltigt, wofür er ein Jahr ins Zuchthaus musste. Auch Viktoria musste wegen eben dieser Blutschande ins Zuchthaus – aber nur für einen Monat. Einige Tage vor der Tatnacht entdeckte der Bauer Andreas Gruber im Schnee Spuren, die zum Hof hinführten, aber nicht wieder heraus. Ebenso vermissten die Bewohner einen Haustürschlüssel. Außerdem hatte jemand an der Motorhütte des Hofes das Vorhängeschloss aufgebrochen und im Stall ein Rind losgebunden. In der Nacht hörten sie auf dem Dachboden über ihren Schlafräumen Schritte, doch Andreas Gruber fand niemanden, als er das Gebäude durchsuchte. Darüber hinaus bemerkten die Hinterkaifecker, dass das Anwesen vom Wald aus von einem Mann mit Schnauzbart beobachtet wurde.

Tatnacht vom 31. März auf den 1. April 1922

Am Nachmittag des 31. März 1922, einem Freitag, kam die neue Magd Maria Baumgartner auf dem Hof an. Das genaue Tatgeschehen konnte nicht rekonstruiert werden. Man nimmt jedoch an, dass am späten Abend die Eheleute Andreas und Cäzilia Gruber sowie deren Tochter Viktoria Gabriel und Enkelin Cäzilia Gabriel nacheinander durch eine losgebundene, unruhige Kuh in den Stall gelockt wurden. Dort wurden sie einzeln mit einer Hacke erschlagen. Wie die spätere Obduktion ergibt, ist das siebenjährige Mädchen nicht direkt verstorben, sondern musste sich noch in einem circa zweistündigen Todeskampf quälen. Die Schmerzen, welche sie durch den eingeschlagenen Schädel erlitten hat, müssen so stark gewesen sein, dass sie sich büschelweise Haare herausgerissen hat. Nur die Dienstmagd Maria Baumgartner und der zweijährige Josef kamen nicht in die Scheune. Der oder die Täter erschlug(en) beide im Schlaf.

Nach der Tatnacht

Der Mord geschah in der Nacht von Freitag auf Samstag. Es dauerte vier Tage, bis es den Mitbürgern merkwürdig vorkam, dass keiner der Bewohner mehr zu sehen war. In der Schule wurde bemerkt, dass die siebenjährige Cäzilia am Samstag, wie auch Montag und Dienstag unentschuldigt fehlte. Außerdem fiel auf, dass die Einwohner des Hofes am 2. April nicht am Sonntagsgottesdienst teilnahmen. Am Montag, dem 3. April bemerkte der Postschaffner Josef Mayer, als er nach Hinterkaifeck kam, dass sich die Post vom Samstag noch immer dort befand, wo er sie deponiert hatte, und dass anscheinend niemand auf dem Hof war. Schließlich kam noch am 4. April ein Monteur vorbei, der die Futterschneidemaschine reparieren sollte. Er bemerkte zwar, dass niemand auf dem Hof ist, reparierte dennoch fünf Stunden lang die Maschine, ohne ins Haus oder in die Scheune zu gehen. Erst dann drang der Ortsführer Lorenz Schlittenbauer, noch am selben Tag mit zwei anderen Männern, Michael Pöll und Jakob Sigl, in den Gebäudekomplex ein, wo sie die größtenteils abgedeckten Leichen entdeckten. Zunächst wurde von einem Raubmord ausgegangen, jedoch wurde viel Geld im Haus zurückgelassen.

War(en) der oder die Mörder noch nach der Tat im Haus?

Höchstwahrscheinlich hielt(en) sich der oder die Mörder noch nach der Tat auf dem Hof auf. Das Vieh wurde versorgt wurde und Rauch stieg aus dem Kamin des Bauernhauses. Außerdem entdeckte die Polizei, dass der gesamte Brotvorrat aufgebraucht und Fleisch aus der Vorratskammer frisch angeschnitten worden war. Der Monteur, welcher die Futterschneidemaschine repariert hat, sagte aus, er habe zunächst Hundegebell im Haus gehört, als er aber den Hof verließ, war der Hund vor dem Haus angebunden gewesen.

Ohne Köpfe beerdigt

Ein weiteres schreckliches Schicksal widerfuhr der Familie noch nach ihrem Tod. Um die Schädel der Mordopfer genauer zu untersuchen, wurden sie abgetrennt und in das Justizgebäude in Augsburg gebracht. Dieses Gebäude wurde jedoch bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Mordopfer wurden also ohne ihre Köpfe beerdigt und diese konnten nie wieder später mit ins Grab gelegt werden.

sarg-rahmen

Die Familie war nicht beliebt

In den 1970er Jahren wurde beim Abriss der Sakristei der St.-Vitus-Kirche in Hagelstadt ein Sterbebild der Familie in einem Kirchenbuch gefunden, das die handschriftlichen Vermerke neidisch wucherisch, in ganzer Umgegend verachtet, wg Sittlichkeit 1 Jahr, Blutschande und Strafe Gottes trägt. Wer das Bild vermutlich bereits in den 1920er Jahren beschriftete und wie oder wann es in das etwa 85 Kilometer entfernte Hagelstadt gelangte, ist nicht bekannt.

sterbebildchen

Sterbebild mit den Notizen

Die Polizei lässt Hellseherinnen befragen

Die Polizei geht vielen Spuren nach und stellt sogar eine Belohnung von 100.000 Mark aus. Doch es wurde kein Täter gefunden. Deshalb organisiert die ratlose Polizei eine Séance. Zwei weibliche Medien nutzen im Beisein des Ersten Staatsanwalts Ferdinand Renner ihre angebliche übersinnliche Gabe. Dabei haben sie die sechs Köpfe der Ermordeten vor sich liegen. Eines der Medien beschreibt einen der Täter mit den Worten: „Hat etwas Scheues an sich, häßliches Lachen, noch jünger, Furche im Gesicht, im Blick etwas Stechendes, kann sich sehr verstellen.“

Der Hof wurde schließlich 1923 abgerissen.

Wollt ihr mehr über den Mordfall Hinterkaifeck wissen? Wir empfehlen euch diesen wunderbar spannenden und kostenlosen Podcast von Hoaxilla.

Quellen:

Zwei Brüder mit angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten – Willi und Rudi Schneider

Rudi (* 27. Juli 1908 in Braunau am Inn; † 28. April 1957) und Willi Schneider (1903 – 1971) waren zwei von sechs österreichische Brüder. Vieren der sechs Söhne, Willi, Rudi, Hans und Karl wurde nachgesagt, übersinnliche, insbesondere telekinetische Kräfte zu haben, den letzteren zwei jedoch nur im geringen Maße. Rudis Geschichte wird meist als die interessanteste von all seinen Brüdern angesehen.

Eltern Schneider und die Söhne Willi und Rudi

Die Familie Schneider: Das Bild zeigt die Mutter, den Vater und die beiden Söhne Willi und Rudi. Das Entstehungsjahr des Fotos ist unbekannt.

Wann begann ihre okkulte Karriere?

Rudi Schneider begann im Alter von 11 Jahren mit seinem älteren Bruder Willi an Séancen, also an Geisterbeschwörungen, teilzunehmen. Der in München ansässige Mediziner und Parapsychologe Albert von Schrenck-Notzing interessierte sich für die beiden Brüder und lehrte sie, ihre Fähigkeiten auszubauen. In darauffolgenden Séancen behaupteten beide Brüder mit einem Geist namens „Olga“ Kontakt aufnehmen zu können. Angeblich soll der Geist namens Olga den Brüdern mitgeteilt haben, dass ihre richtige Identität als noch lebender Mensch Eliza Eosanna Gilbert (1821-1861) war. Eliza Eosanna Gilbert war zu Lebzeiten eine Geliebte König Ludwigs I. von Bayern. Rudi Schneider hielt 1909 auch seine erste alleinige Séance ab. Er soll unter anderem eine geisterhafte Erscheinung von einer menschlichen Hand heraufbeschwört haben. Die Schneider Brüder wurden schlagartig berühmt.

Rudi Schneider mit Schrenk-Notzing

Das Foto zeigt den jungen Rudi Schneider in einer Séance mit Albert Schrenck-Notzing. Rudis Kopf ist nach unten geneigt. Seine Hände werden festgehalten und somit kontrolliert, so dass er sie nicht heimlich benutzt. Das Entstehungsjahr des Fotos ist unbekannt.

Experimente an den Schneider Brüdern

Ihre Berühmtheit lockte viele Gäste und Neugierige an, aber auch viele Zweifler. So wurden die Schneider Brüder offiziell auf ihre Fähigkeiten an einem Institut in Wien getestet. Die Untersuchungen an Rudi Schneider fingen 1923 an. Dort wurde Rudi Schneider das erste Mal der Betrügerei bezichtigt. Schließlich untersuchte 1926 ein amerikanischer Journalist die Familie und beobachtete deren Fähigkeiten. Er fand heraus, dass keiner der Familienmitglieder telekinetische Fähigkeiten besitzt – also dass niemand mit seinen Gedanken, Gegenstände bewegen kann. Die Gegenstände würden sich nur bewegen, weil alle Familienmitglieder an der Betrügerei beteiligt seien und die Gegenstände heimlich bewegen. Auch weitere Untersuchungen bestätigten, dass die Schneider Brüder versteckte Komplizen hatten.

Doch die Anschuldigungen, die Schneider Brüder seien Betrüger, wurden nicht überall geteilt. In anderen Experimenten konnten verschiedene Prüfer keine Betrügereien feststellen und waren von den übersinnlichen Fähigkeiten der Brüder überzeugt.

Der damals berühmte Parapsychologe Harry Price, welcher sich vor allem widmete, Betrüger zu entlarven, untersuchte 1929 in München ebenfalls Rudi Schneider. Bei diesen Untersuchungen wurden Schneiders Arme und Beine an Geräten befestigt, die bei jeder Bewegung Alarm geschlagen hätten. Harry Price bestätigte, dass während der Experimente mehrere übersinnliche Phänomene aufgetreten wären, wie zum Beispiel dass sich Objekte im Raum bewegt hätten oder eine geisterhafte Hand auf einmal zu sehen gewesen sei. Die Untersuchungen wurden fotografiert, um alle Schritte nachvollziehen zu können. Erst 1932 wurde auf einem Foto sichtbar, dass Schneider einen Arm aus den Gerätschaften befreien konnte und so ein Taschentuch auf dem Tisch bewegen konnte.

Das Foto zeigt Rudi Schneider, wie er an einem kontrollierten Experiment teilnimmt. Rechts neben ihm sitzt Harry Price. Das Foto wurde 1930 aufgenommen.

Das Foto zeigt Rudi Schneider, wie er an einem kontrollierten Experiment teilnimmt. Rechts neben ihm sitzt Harry Price. Das Foto wurde 1930 aufgenommen.

Rudi Schneider wurde von weiteren Parapsychologen und Interessierten untersucht und genausten bei seinen Séancen beobachtet. Die Beobachter konnten jedoch in den allermeisten Fällen keine Betrügerei feststellen. Dennoch galt er später allgemein als Betrüger. Willi Schneider wurde ebenfalls als ein solcher entlarvt. Die Schneider Brüder reisten trotz allem mit ihren Séancen durch viele Länder, u.a. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und trafen stehts auf begeistertes Publikum.

Okkultismus und Sexualität

In nicht wenigen Berichten über Séancen und Okkultismus wird von einer sexuellen Erregung des Mediums berichtet. Dies trifft wohl auch auf Rudi Schneider zu. Der Parapsychologe Peter Underwood berichtet darüber, dass Rudi während einiger der Séancen einen Orgasmus hatte.

Quellen:

Der sechsfache Mord von Hinterkaifeck

Das oberbayerische Hinterkaifeck war der Tatort eines bis heute nicht aufgeklärten Mehrfachmordes im Jahr 1922. In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 werden auf einem Einödhof Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäzilia, seine verwitwete Tochter Victoria Gabriel, deren siebenjährige Tochter Cäzilia und der zweieinhalbjährige Sohn Josef sowie die erst vor einigen Stunden angekommene neue Magd Maria Baumgartner bestialisch mit einer Kreuzhacke ermordet.

Hof Hinterkaifeck

Das Aquarell zeigt den Hof in Hinterkaifeck. Es wurde 1923 von Max Binder einen Tag vor dem Beginn der Abrissarbeiten des Hofes fertiggestellt.

Die Geschehnisse vor der Tat in Hinterkaifeck

Schon lange vor der Tat kam es zu seltsamen Ereignissen am Hof vom Bauer Gruber. So kündigt im Herbst 1921 die junge Magd Kreszenz R. ganz überstürzt ihre Stellung am Hof. Angeblich ist ihr die Atmosphäre auf dem Hof zu angespannt und es spukt dort. Ganz unrecht hatte sie nicht. Es war bekannt, dass Andreas Gruber seine Tochter Viktoria vergewaltigt, wofür er ein Jahr ins Zuchthaus musste. Auch Viktoria musste wegen eben dieser Blutschande ins Zuchthaus – aber nur für einen Monat. Einige Tage vor der Tatnacht entdeckte der Bauer Andreas Gruber im Schnee Spuren, die zum Hof hinführten, aber nicht wieder heraus. Ebenso vermissten die Bewohner einen Haustürschlüssel. Außerdem hatte jemand an der Motorhütte des Hofes das Vorhängeschloss aufgebrochen und im Stall ein Rind losgebunden. In der Nacht hörten sie auf dem Dachboden über ihren Schlafräumen Schritte, doch Andreas Gruber fand niemanden, als er das Gebäude durchsuchte. Darüber hinaus bemerkten die Hinterkaifecker, dass das Anwesen vom Wald aus von einem Mann mit Schnauzbart beobachtet wurde.

Tatnacht vom 31. März auf den 1. April 1922

Am Nachmittag des 31. März 1922, einem Freitag, kam die neue Magd Maria Baumgartner auf dem Hof an. Das genaue Tatgeschehen konnte nicht rekonstruiert werden. Man nimmt jedoch an, dass am späten Abend die Eheleute Andreas und Cäzilia Gruber sowie deren Tochter Viktoria Gabriel und Enkelin Cäzilia Gabriel nacheinander durch eine losgebundene, unruhige Kuh in den Stall gelockt wurden. Dort wurden sie einzeln mit einer Hacke erschlagen. Wie die spätere Obduktion ergibt, ist das siebenjährige Mädchen nicht direkt verstorben, sondern musste sich noch in einem circa zweistündigen Todeskampf quälen. Die Schmerzen, welche sie durch den eingeschlagenen Schädel erlitten hat, müssen so stark gewesen sein, dass sie sich büschelweise Haare herausgerissen hat. Nur die Dienstmagd Maria Baumgartner und der zweijährige Josef kamen nicht in die Scheune. Der oder die Täter erschlug(en) beide im Schlaf.

Nach der Tatnacht

Der Mord geschah in der Nacht von Freitag auf Samstag. Es dauerte vier Tage, bis es den Mitbürgern merkwürdig vorkam, dass keiner der Bewohner mehr zu sehen war. In der Schule wurde bemerkt, dass die siebenjährige Cäzilia am Samstag, wie auch Montag und Dienstag unentschuldigt fehlte. Außerdem fiel auf, dass die Einwohner des Hofes am 2. April nicht am Sonntagsgottesdienst teilnahmen. Am Montag, dem 3. April bemerkte der Postschaffner Josef Mayer, als er nach Hinterkaifeck kam, dass sich die Post vom Samstag noch immer dort befand, wo er sie deponiert hatte, und dass anscheinend niemand auf dem Hof war. Schließlich kam noch am 4. April ein Monteur vorbei, der die Futterschneidemaschine reparieren sollte. Er bemerkte zwar, dass niemand auf dem Hof ist, reparierte dennoch fünf Stunden lang die Maschine, ohne ins Haus oder in die Scheune zu gehen. Erst dann drang der Ortsführer Lorenz Schlittenbauer, noch am selben Tag mit zwei anderen Männern, Michael Pöll und Jakob Sigl, in den Gebäudekomplex ein, wo sie die größtenteils abgedeckten Leichen entdeckten. Zunächst wurde von einem Raubmord ausgegangen, jedoch wurde viel Geld im Haus zurückgelassen.

War(en) der oder die Mörder noch nach der Tat im Haus?

Höchstwahrscheinlich hielt(en) sich der oder die Mörder noch nach der Tat auf dem Hof auf. Das Vieh wurde versorgt wurde und Rauch stieg aus dem Kamin des Bauernhauses. Außerdem entdeckte die Polizei, dass der gesamte Brotvorrat aufgebraucht und Fleisch aus der Vorratskammer frisch angeschnitten worden war. Der Monteur, welcher die Futterschneidemaschine repariert hat, sagte aus, er habe zunächst Hundegebell im Haus gehört, als er aber den Hof verließ, war der Hund vor dem Haus angebunden gewesen.

Ohne Köpfe beerdigt

Ein weiteres schreckliches Schicksal widerfuhr der Familie noch nach ihrem Tod. Um die Schädel der Mordopfer genauer zu untersuchen, wurden sie abgetrennt und in das Justizgebäude in Augsburg gebracht. Dieses Gebäude wurde jedoch bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Mordopfer wurden also ohne ihre Köpfe beerdigt und diese konnten nie wieder später mit ins Grab gelegt werden.

sarg-rahmen

Die Familie war nicht beliebt

In den 1970er Jahren wurde beim Abriss der Sakristei der St.-Vitus-Kirche in Hagelstadt ein Sterbebild der Familie in einem Kirchenbuch gefunden, das die handschriftlichen Vermerke neidisch wucherisch, in ganzer Umgegend verachtet, wg Sittlichkeit 1 Jahr, Blutschande und Strafe Gottes trägt. Wer das Bild vermutlich bereits in den 1920er Jahren beschriftete und wie oder wann es in das etwa 85 Kilometer entfernte Hagelstadt gelangte, ist nicht bekannt.

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Sterbebild mit den Notizen

Die Polizei lässt Hellseherinnen befragen

Die Polizei geht vielen Spuren nach und stellt sogar eine Belohnung von 100.000 Mark aus. Doch es wurde kein Täter gefunden. Deshalb organisiert die ratlose Polizei eine Séance. Zwei weibliche Medien nutzen im Beisein des Ersten Staatsanwalts Ferdinand Renner ihre angebliche übersinnliche Gabe. Dabei haben sie die sechs Köpfe der Ermordeten vor sich liegen. Eines der Medien beschreibt einen der Täter mit den Worten: „Hat etwas Scheues an sich, häßliches Lachen, noch jünger, Furche im Gesicht, im Blick etwas Stechendes, kann sich sehr verstellen.“

Der Hof wurde schließlich 1923 abgerissen.

Wollt ihr mehr über den Mordfall Hinterkaifeck wissen? Wir empfehlen euch diesen wunderbar spannenden und kostenlosen Podcast von Hoaxilla.

Quellen:

Der Geisterbaron Albert von Schrenck-Notzing

Albert Freiherr von Schrenck-Notzing wurde am 18. Mai 1862 in Oldenburg geboren und starb am 12. Februar 1929 in München. Er wurde als reicher und fanatischer Außenseiter beschrieben, der sich für das Okkulte interessierte. Schrenck-Notzing studierte in München Medizin und promovierte 1888 mit dem Thema „Ein Beitrag zur therapeutischen Verwerthung des Hypnotismus“. Schon im darauffolgenden Jahr arbeitete er in München als praktischer Arzt. Ferner widmete er sich der medizinischen Psychologie und wurde der erste Psychotherapeut im süddeutschen Raum. Er wurde unter anderem dadurch bekannt, weil er behauptete „sexuelle Dysfunktionen“, wie Homosexualität, Betroffenen „absuggerieren“ zu können. Vor allem interessierte er sich für die Gebiete der Hypnose und Parapsychologie. 1886 war er Mitbegründer der „Psychologische Gesellschaft“, wo parapsychologische Versuche stattfanden.

Steigendes Interesse für das Okkulte

Durch seine Heirat wurde Schrenck-Notzing finanziell noch unabhängiger und verlagerte seine Forschung auf das Studium „okkulter“ psychophysischer Vorgänge. In seinem Palais richtete er ein okkultistisches Labor ein. Dort veranstaltete er Séancen. Die dabei präsentierten Medien, also Menschen mit angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten, konnten unter anderem mit „psychischer Energie“ Erscheinungen formen und folglich materialisieren. Seine Séancen mit dem Materialisationsmedium „Eva C.“, welche eigentlich Marthe Béraud hieß, erregten starkes öffentliches Interesse. Vor allem die Fotographien des „Ekto-“ oder „Teleplasmas“, einer quasi-biologischen Substanz, erzeugten Faszination und Abscheu. Das waren Fotographien von Medien,  die aus Körperöffnungen diese Substanz ausschieden. Schrenck-Notzing deutete dies als „ideoplastische“ Vorgänge, die von angeblichen unbewußten Vorstellungen des Mediums geformt wurden. Einer seiner berühmtesten Besucher und Zuschauer der Séancen war der Schriftsteller Thomas Mann. In Berichten von Thomas Mann wird deutlich, dass dieser keinen Zweifel an der Echtheit der Geisterbeschwörungen des Schrenck-Notzing hatte. In der Weimarer Republik wurde Schrenck-Notzing auch als der „Geisterbaron“ betitelt. Bis heute ist jedoch fraglich, inwieweit es sich bei seinen Séancen um Betrug handelte und wie Schrenck-Notzing die Täuschung aufbaute.

Schrenck-Notzing

Schrenck-Notzing bei einer Séance um 1894

Schrenck-Notzing Medium

Das Foto, um 1920 entstanden, zeigt das Medium Stanislawa P. bei einer Sitzung von Schrenck-Notzing. Aus ihrem Mund tritt sogenanntes „Ektoplasma“ aus. Schrenck-Notzing beschreibt dies als Materialisationsphänomen.

Quellen: