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Ein lebendiges Kind muss in die Werrabrücke eingemauert werden!

Die Werrabrücke verbindet Thüringen und Hessen. Sie ist eine 225 Meter lange Steinbogenbrücke aus dem Mittelalter, die das thüringische Vacha mit dem hessischen Philippsthal verbindet und die Werra überspannt. Um diese Brücke ranken sich besonders grausame düstere Sagen.

Die Werrabrücke

Der Siechenhund überfällt dich bei Nacht

Nahe der Werrabrücke befand sich einst das Siechenhaus, in welchem im Mittelalter viele Pestkranke ihre letzten Tage verbrachten. Der Sage nach lauerte dort einst der Siechenhund nächtlichen Wanderern auf. Das Spukwesen soll die Größe eines Kalbes gehabt haben. Es hatte feurige Telleraugen und sprang Vorübergehenden auf den Rücken, biss sich fest und ließ sich dann über die Brücke tragen.

Eine Wandzeichnung im Rathaus Vacha zeigt den Siechenhund.

Ein lebendiges Kind muss eingemauert werden!

Die Brücke zu Vacha war im Jahre 1342 durch die Werra zerstört worden, und da beim Neubau die Bogen immer wieder einstürzten, entschloss man sich auch da zu einem Kindesopfer.

Während der Steinmetz das Kind einmauerte, aß es ruhig von einer Semmel und bat um ein Gucklöchelchen. Und seiner herzlosen Mutter habe es nacheinander zugerufen: „Mütterchen, jetzt seh ich dich noch!“- „Mütterchen, nun seh ich dich noch ein klein wenig!“- „Ach, Mütterchen, jetzt seh ich dich gar nicht mehr“

Ein kopfähnlicher Stein an der Ostseite der Brücke zwischen dem vierten und fünften Bogen soll darauf verweisen, dass beim Bau der Brücke ein lebendiges Kind eingemauert worden sei. Diese Brückenbauopferszene ist in der Diele des Rathauses neben anderen historischen Begebenheiten dargestellt.

Wir bedanken uns bei unserem Gast Jürgen S. aus Vacha, dass er uns in diese düsteren Sagen seiner Heimat eingeweiht hat. Vielen Dank auch für die Fotos!

Quellen:

Das Geisterschiff vor Emden

Emden ist eine Stadt im Nordwesten von Niedersachsen und die größte Stadt Ostfrieslands mit ca. 50.000 Einwohnern. Die Stadt ist als friesischer Handelsort um das Jahr 800 entstanden und bis heute wesentlich durch ihren Seehafen geprägt.

Wie in jede Hafenstadt gibt es auch in Emden schaurige Geschichten über tote Seemänner. Wir möchten euch die Sage über das Emdener Geisterschiff vorstellen.

Das Geisterschiff

Einst gab es einen gewaltigen Nordweststurm, der über Emden losbrach. Bei diesem Wetter wurde ein großes Schiff, das lange auf fremden Meeren war, sehnlichst zurückerwartet. Bei der Einfahrt in die Ems war es bereits gesichtet und gemeldet worden und erschien des Nachts mit vollen Segeln vor der Stadt. Bald schon war es dem schützenden Hafen nahe. Man sah bei dem trüben Lampenschein die Seeleute sich tummeln, um die Landung vorzubereiten. Die Kommandorufe des Kapitäns übertönten den Sturm. Plötzlich wurde das Schiff von einer enormen Sturmböe erfaßt. Mit einem Ruck wurde es emporgehoben, niedergetaucht, wieder aufgehoben, herumgewirbelt und dann in die Tiefe hinabgestampft. Vierzig brave Emdener Seeleute riefen durch die Nacht um Hilfe, und die Leute am Ufer erfaßte Grauen und Mitleid mit ihren Vätern und Brüdern, die im Angesicht ihrer Vaterstadt so jämmerlich zugrunde gehen sollten. Man verlangte vom Hafenschließer das Wachtboot, um die Seeleute zu retten, unter denen sein eigener Sohn war; aber er weigerte sich, es herzugeben, weil er den Schiffskapitän auf den Tod haßte, und sprach: »Die Barke bleibt hier! Es wäre nutzlos, sie ausgehen zu lassen, auch hat der Kapitän es nicht besser verdient, als es ihm jetzt da draußen geschenkt wird!« Endlich zwang man ihn den Schlüssel herzugeben, aber da war es längst zu spät, das Schiff war mit Mann und Maus versunken.

Gemälde von Claude Joseph Vernet (1714-1789) – Englischer Titel: Seascape – Tempest

Noch heute…

Was bei dieser Sage nicht fehlen darf, ist die Verbindung zur Gegenwart. So wird der Sage hinzugefügt, dass noch heute, wenn von Nordwesten ein Sturm aufzieht, um Mitternacht ein Geisterschiff auftaucht. Das Schiff sei dann in blaues Licht gehüllt. Die Befehle des Kapitäns und die Angstschreie der Matrosen wären zu hören, wenn man ganz genau lauscht.

Quellen:

Der geile Mönch und das tote Mädchen

Die Gruseltour war dieses Wochenende im sächsischen Görlitz unterwegs. Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands mit rund 55.000 Einwohnern und schon fast 950 Jahre alt. Deshalb ist es auch eine Stadt voller Sagen und Legenden.

Wir haben euch die Sage vom mordenden Klötzelmönchen mitgebracht. Heute erinnert noch das Hotel „Klötzelmönch“ in der Fleischerstraße an die schreckliche Mordtat des Mönches. Denn für manch einen steckt hinter der Sage eine wahre Begebenheit.

Der Klötzelmönch

In der Fleischerstraße wohnte eine Witwe, welche voller Sorgen war. Ihre Tochter war von der Kirchmesse nicht zurückgekehrt. Sie suchte sie überall und fand sie nirgends. Ein junger Wandersbursche hörte von der Suche und eilte zur Witwe. Er hatte nachts in der Klosterkirche eine merkwürdige Szene beobachtet, welche er berichtete:

Er kam von außerhalb und ging als erstes in die Görlitzer Klosterkirche, um dort zu beten. Aufgrund seiner langen Wanderung war er sehr müde und schlief nach seinem Gebet auf einer der hinteren Bänke ein. Niemand hatte ihn dort liegen sehen. Als er in der Nacht aufwachte, überkam ihm die Angst vor der Stille in der Kirche. Doch die Stille sollte nicht lange währen. Er hörte wie sich knarrend die Tür öffnete und schlürfende Holzpantoffel sich dem Altar näherten. Die Holzklötzer der Pantoffeln klapperten unheimlich in der nächtlichen Stille. Er versteckte sich hinter seiner Bank und beobachtete von dort aus, dass ein gebückter Mönch in die Kirchenhalle eintrat. Doch der Mönch war nicht alleine. Er schleifte ein junges Mädchen hinter sich her. Sie war tot! Der Mönch schritt mit seinen klackenden Pantoffeln auf den Altar zu, wo eine Grabplatte war. Diese öffnete er und warf das tote Mädchen in das Grab hinein. Mit dem Geräusch seiner grässlichen hölzernen Pantoffel verließ er die Halle.

Der Bursche rührte sich bis zum nächsten Morgen, als die ersten Gläubigen die Kirche betraten, nicht. Danach stürmte er hinaus und wusste nicht mehr, ob er all das nur geträumt hatte. Als er nun von dem vermissten Mädchen hörte, erzählte er der Witwe alles was er beobachtet hatte.

Die Bürger eilten zur Kirche, öffneten die Grabplatte und fanden das tote Mädchen. Die Mönche wurden herbeigerufen und der Junge erkannte den Mörder sofort. Der Klötzelmönch leugnete nichts. Er gestand, dass Mädchen zunächst in seine Zelle gelockt und sie dort geschändet zu haben. Aus Angst, sie sage gegen ihn aus, wurde er zum Mörder.

Man erzählt sich, dass der geile Mönch daraufhin aus Strafe lebendig eingemauert wurde. Jedoch soll er als Geist weiterhin sein Unwesen in der Dreifaltigkeitskirche treiben. Es seien bis heute immer noch hölzern klingende Schritte in der Kirche zu vernehmen…

Zeichnung von Günter Hain „Der Klötzelmönch“

Quellen:

 

Von den Toten auferstanden – Die Richmodis-Sage

Die Richmodis-Sage ist eine alte Kölner Sage, die auf eine Begebenheit aus dem 14. Jahrhundert beruht, als die Pest in der Stadt wüstete. Im Jahre 1357 raffte die Pest in Köln so viele Opfer hinweg, dass es nicht möglich war, alle Leichen auf die gewöhnliche Weise zu beerdigen. Allein in Köln sollen 20.000 Personen an der Pest gestorben sein, die man massenweise in große Gruben warf.

Die Richmodis-Sage

Auch die Ehefrau des damaligen Kölner Bürgermeisters Mengis von Aducht starb an der Pest. Sie hieß Richmodis und wurde schnellstmöglich beerdigt. Zur Beerdigung schmückte man die tote Ehefrau mit den besten Leichenkleidern und beließ ihr ihren Schmuck.

Dass der teure Schmuck mit der Verstorbenen beerdigt wurde, fiel auch den Totengräbern auf. In der Nacht machten sie sich auf den Weg, die Frau Richmodis wieder auszugraben, um sie ihres Schmuckes zu entledigen. Doch als die Totengräber das frische Grab öffneten, erschraken sie selbst fast zu Tode. Die tot geglaubte Ehefrau stieg selbstständig aus der Gruft und lief zu ihrem Haus.

Zu Hause angekommen, soll sie an die Tür geklopft und um Einlass gebeten haben. Die Mägde dachten, ein Gespenst stehe vor der Tür, bis sie erkannten, dass die Frau wieder lebendig war. Sie rannten zum Bürgermeister und teilten ihm dies mit.

Auch der konnte erst nicht glauben, dass seine Frau wieder lebendig sein sollte und antwortete: „Das ist unmöglich. Eher würden meine Schimmel oben auf dem Heuboden stehen.“ Schon trampelten sechs Schimmel die Treppe hinauf und schauten hinaus aus dem Dach. Frau Richmodis wurde wieder gesund und brachte noch drei Kinder zur Welt.

Die Richmodis-Sage (Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604)

Zur Erinnerung schauen noch heute zwei Pferdeköpfe aus dem Richmodisturm an der nach ihr benannten Straße in Köln.

Richmodisturm in Köln mit zwei weißen Schimmeln

1582 wies der Bremer Arzt Johann Ewich in seiner Pestilenzordnung ausdrücklich auf die Geschichte der Richmodis von Aducht hin – als Warnung vor einer allzu schnellen Bestattung von Pestleichen.

Quellen:

Ein Schweineknochen als Reliquie in Lüneburg

Die Hansestadt Lüneburg ist eine Stadt in Niedersachsen. Sie liegt ungefähr 50 Kilometer südöstlich von Hamburg am Rande der Lüneburger Heide. Die erste Erwähnung Lüneburgs im Mittelalter findet sich in einer Urkunde vom 13. August 956.

Seltsame Reliquie im Lüneburger Rathaus

Im Lüneburger Rathaus können Gäste eine gar merkwürdige Reliquie bewundern. In der Alten Kanzlei unter der Decke hängt ein Schweineknochen in einem Glaskasten.

Foto von https://www.lueneburger-heide.de/stadt/artikel/6691/lueneburg-rathaus-schwein.html

Foto von: https://www.lueneburger-heide.de/stadt/artikel/6691/lueneburg-rathaus-schwein.html

In der Sage von Lüneburg wird erklärt, wie es zu diesem besonderen Ausstellungsstück kam.

Vor über 1000 Jahren sollen Jäger durch die Lüneburger Heide gezogen sein. Sie folgten einem Wildschwein. Die Gegend war sumpfig, aber die Jäger erlegten das Tier. Als sie die Beute untersuchten, sahen sie, dass das Fell des Wildschweines mit weißen Körnchen bedeckt war. Mit Erstaunen bemerkten die Jäger, dass es sich dabei um Salz handelte. Salz war zur damaligen Zeit ein kostbares Gut. Die Jäger beobachteten daraufhin, an welchen Stellen sich die anderen Wildschweine wälzten. Bald fanden sie die Stelle, in der sich auch die erlegte Wildsau gesuhlt hatte: Ein Tümpel, der kein gewöhnliches Wasser enthielt, sondern mit Salz gefüllt war.

Nach sehr vielen Jahren ist aus dieser Entdeckung das Lüneburger Salzwerk entstanden, dem die Stadt über lange Zeit großen Wohlstand verdankte.
Aus Dank hangen die Lüneburger Bürger ein Knochen des erlegten Wildschweines, welches heute nur noch Salzsau genannt wird, in ihr Rathaus.

Quellen: