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Anna und ihr leeres Grab

Wir schildern euch heute die schreckliche und tragische Lebensgeschichte von Anna Spreckels. Über Annas Geburt ist nicht viel bekannt. Sie wurde wahrscheinlich am 24. November 1808 (nach manchen Angaben auch 1809) im niedersächsischen Blumenthal geboren. Ihr Tod ist dagegen in tiefer Erinnerung der Gemeinde geblieben.

2008 erschien ein historischer Roman über die Lebensgeschichte von Anna

Annas kurzes Leben – geprägt von Schlägen und Mord

Anna und Claus Meyer sind ein junges Liebespaar. Sie wollen heiraten, aber Claus wird zum Militärdienst eingezogen. Annas Mutter und Annas Vormund arrangieren eine neue Ehe für die damals 24-Jährige. Sie soll den Vater von Claus heiraten. Er heißt Cord Meyer und ist 31 Jahre älter als Anna. Die verwitwete Mutter von Anna ist zu diesem Zeitpunkt bereits sehr krank und sie hofft auf einen gesicherten Lebensabend auf dem Hof des neuen Schwiegersohnes Cord.

Natürlich ist Anna keine glückliche Braut. Es stellt sich auch heraus, dass Cord Meyer sadistisch veranlagt ist und schon etliche Verbrechen begangen hat. Er geht mit Härte gegen seine junge Ehefrau vor, da sie sich ihm verweigert. Demütigungen und Schläge bekommt Anna fast täglich zu spüren. Auch soll er Annas Mutter misshandeln. Bald kehrt Claus vom Militär zurück und sieht seine Geliebte mit seinem Vater. Auch Claus leidet unter den Anfeindungen und Schlägen seines Vaters.

Claus und Anna beschließen Cord Meyer umzubringen, um aus der heimischen Hölle zu entfliehen. Anna ist zusätzlich auch noch von Claus schwanger. Sie und ihr ungeborenes Kind sind nun akut bedroht – nicht nur durch die ständigen Misshandlungen. Der Alte will seine Frau anzeigen und seinem Sohn die in Aussicht stehenden Hofübernahme verweigern. Auf „blutschänderischen“ Umgang und unehelichen Beischlaf steht Gefängnis. Anna versucht ihren Ehemann zu vergiften, aber es gelingt nicht. Am 11. März 1833 schafften sie es aber, ihren Peiniger los zu werden. Claus und Anna erdrosseln ihn.

Die Verhaftung des Liebespaares

Die Mörder von Cord Meyer sind schnell gefasst. Für die schwangere Anna und Claus beginnt nun ein Martyrium in einem Kerker in Himmelpforten. Vor allem Anna wird als „liederliche Schlampe mit dem Hang zum männlichen Geschlecht“ und „sündhaften Begierden“ von den Anklägern in den Akten dargestellt. Beiden wird unter anderem Verwandtenmord vorgeworfen. Nach fünf Monaten im Kerker erhalten sie ihr Urteil:

In Untersuchungssachen des öffentlichen Anklägers wider der verwitweten Anna Sophie Meyer, geb. Spreckels, aus Blumenthal, Kriminalamt Himmelpforten. Angeklagt wegen Verwandtenmordes, Ehebruchs und versuchter Vergiftung, wurd von uns, Wilhelm, dem Vierten, von Gottes Gnaden, König des vereinigten Reichs Großbritannien und Irland, auch König von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, nach den ergangenen Akten für Recht erkannt: Das die Angeklagte, weil sie geständig und rechtlich überführt zu halten ist, gemeinschaftlich mit ihrem Stiefsohn, dem Mitangeklagten Claus Friedrich Meyer ihren Ehegatten Cord Meyer in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1833 vorsätzlich und mit Überlegung getötet, außerdem nebst ihren genannten Stiefsohn das Verbrechen der versuchten Vergiftung des Cord Meyer wie auch des Ehebruchs und der Blutschande sich schuldig gemacht zu haben, sich selbst zur wohlverdienten Strafe, anderen aber zum abschreckenden Beispiel, nach vorgängiger Ausschleifung zum Richtplatze, mit dem Rad durch Zerstoßung ihrer Glieder mit eisernen Keulen von oben herab, vom Leben zum Tode zu bringen und nach vollbrachter Hinrichtung die Leiche öffentlich auf das Rad zu legen, ihr Vermögen auch so weit solches reicht, zur Erstattung der Untersuchungskosten zu verwenden.

Die Wahrheit über den ermordeten Cord Meyer

Aufgrund ihrer Schwangerschaft wird Anna Hafterleichterung gewährt. Sie kann sich in Himmelpforten relativ frei bewegen, geht sogar zur Kirche. So kann sie erzählen, was sie zum Mord getrieben hat. Cord Meyer hat anscheinend seinem Sohn mit Absicht die Braut genommen. Als auch noch bekannt wird, dass der Ermordete selbst mehrere Morde und Raubzüge auf dem Gewissen hatte, schlägt die anfängliche Abscheu der Himmelpforter Bevölkerung gegen Anna in Mitleid um.

Die örtliche Justiz bittet die hannoverische Regierung daher, die beiden Täter nicht der Knochenmühle des Räderns auszusetzen, sondern sie vom Scharfrichter mit dem Schwert enthaupten zu lassen. Und Ihre Majestät zeigt sich „gnädig“.

Anna bekommt ihr Kind in der Haft. Sie entbindet eine Tochter, welche in ein Waisenhaus in Hannover gegeben wurde.

Die Hinrichtung und das leere Grab

Schließlich ist es am 24. Juli 1835 in Himmelpfort soweit. Die Hinrichtung der beiden steht an. Schulkinder singen, während Anna und Claus zum Richtplatz transportiert werden. Es heißt, der Henker gewährte den Verliebten noch einen letzten Kuss. Dann schwingt er zunächst sein Schwert gegen Claus. Zu der Hinrichtung versammeln sich tausende Schaulustige. Die beiden Hingerichteten werden schließlich an der Richtstätte in ungeweihter Erde beerdigt. Doch an diesem Platz ist nach kurzer Zeit nur ein leeres Grab vorzufinden. Die Leichen müssen heimlich exhumiert und nach christlichem Ritual erneut bestattet worden sein. Wahrscheinlich mit einer stillschweigenden Duldung der Kirche.

Quellen:

Gerädert! Das Ende der Giftmörderin Susanne Hoyer

Von Susanne Hoyers Leben ist nicht viel überliefert. Es gibt leider kein Bild von ihr. Bekannt ist aber, dass sie in Waldkirchen im Erzgebirge, als Tochter des Müllers Caspar Hoyer, um die Jahrhundertwende vom 16./17. Jahrhundert geboren wurde. Ihr Bruder war der Königliche Polnischen Hofmaler David Hoyer.

Die drei Ehen der Susanne Hoyer

Susanne Hoyer heiratete. Jedoch starb ihr Ehemann. Ein neuer Mann fand sich. Doch auch dieser segnete schon bald das Zeitliche. Nun war sie bereits zweifach verwitwet. Außenstehende betrauerten die arme Susanne, der das Schicksal so böse mitspielt. Ihr wurde Johann Georg Zimmermann vorgestellt. Er war ebenfalls zweifacher Witwer, welcher drei Söhne hatte. Johann Georg Zimmermann wurde am 18. Juni 1680 in Wittenberg geboren. Er war ein sächsisch-deutscher Postkommissar. Seine Söhne hießen Johann August (geboren am 21. Juli 1718), Karl Ludwig (geboren am 16. Dezember 1719) und Johann Balthasar Gottlieb (geboren am 30. Mai 1722). Susanne Hoyer heiratete Johann Georg Zimmermann am 18. Februar 1727 in Wittenberg.

Das Sterben beginnt von Neuem

Johann Georg Zimmermann fährt kurz nach der Hochzeit auf Dienstreise und kehrt nach einigen Tagen zurück. Nach seiner Rückkehr leidet sein jüngster Sohn Balthasar an Erbrechen und Leibschmerzen und liegt im Bett. Nach zwei Tagen werden die Schmerzen schlimmer. Balthasar kämpft nun mit Krämpfen, bis er am 4. März stirbt.

Nach einer Reise bringt Susanne Hoyer Maultaschen mit. Sie übergibt dem ältesten Sohn August eine. August aß diese aber nicht, sondern schenkte sie dem Kindermädchen, das kurz darauf starb. Johann Georg Zimmermann hat neben den Söhnen noch eine Stieftochter. Bei der bald auch schon Vergiftungserscheinungen auftreten. Nach 17 Tagen stirbt sie ebenfalls. Susanne Hoyer widmet sich nun wieder August. Am 24. Juli 1727 verabreichte sie ihm einen vergifteten Tee, woran der Junge bis Mittag verstarb. Jetzt wurde der Hausarzt misstrauisch. Jedoch konnte Susanne Hoyer durch ihr Treiben jegliche Untersuchungen an dem Leichnam des Jungen verhindern. Am 12. August traten dann auch Vergiftungserscheinungen bei dem letzten verbliebenen Sohn, Carl Ludwig, auf. Zimmermann zog nun seinen Schwager, einen Mediziner namens Abraham Vater, hinzu. Nach einigen Besprechungen wurden die Sachen der Frau auf Anraten des Hausarztes durchsucht und ein arsenhaltiges Pulver gefunden. Obwohl es offensichtlich war, dass die Frau über giftige Mittel verfügte, nahm man die Ursachenklärung nicht mit aller Konsequenz wahr. Dem letzten verbliebenen Sohn von Zimmermann ging es immer schlechter, so dass er am 5. September, nach dreiwöchigem Krankenbett, ebenfalls starb. Bei der anschließenden Sezierung durch Abraham Vater wurde einwandfrei der Tod durch Vergiftung bestätigt.

Die Giftmörderin wird verurteilt

Daraufhin wird eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Bei dieser stellte man fest, dass Susanne Hoyer ihre beiden ersten Ehemänner umgebracht hatte und gedachte, auch Johann Georg Zimmermann zu vergiften. Außerdem soll sie gestanden haben, ihren Bruder David Hoyer, den Königlichen Polnischen Hofmaler, aus Habsucht vergiftet zu haben. Im Gerichtsurteil vom 5. Januar 1728 des Schöppenstuhls zu Leipzig, dem damaligen Gericht, wurde sie dazu verurteilt, geschleift und gerädert zu werden. Am 26. Oktober 1728 wurde das Urteil vor dem Wittenberger Rathaus vollzogen. Bei der Hinrichtung ist der Giftmörderin die linke Hand abgefallen. Diese abgefallene Hand der Giftmischerin verweste nicht. Die Hand befindet sich noch heute in den städtischen Sammlungen der Lutherstadt Wittenberg und kann im Riemer-Museum, auf einem roten Kissen liegend, betrachtet werden.

Darstellung des Räderns. Holzschnitt aus der Schweizer Chronik des Johann Stumpf (Ausgabe Augsburg 1586)

Darstellung des Räderns. Holzschnitt aus der Schweizer Chronik des Johann Stumpf (Ausgabe Augsburg 1586)

Johann Georg Zimmermann spendet sein Vermögen den Waisen

Innerlich ein einsamer Mann geworden, dessen Leben durch die Schande, die seine Frau über das Haus gebracht hatte, verwirkt schien, verfasste er am 30. Januar 1733 sein Testament in Belzig. Darin legte er fest, dass sein ganzes Vermögen für die Erziehung und Versorgung unbemittelter Waisen eingesetzt werden solle und beauftragte die Stadt Wittenberg mit der Durchführung. Die Stadt legte das Geld der Stiftung in Grundstücken an und konnte von den Erträgen der Zimmermannschen Breite viele Jahre die Bedürfnisse der Fürsorge armer Waisen über das gesetzliche Maß hinaus bestreiten. Auch eine Straße wurde nach ihm benannt: Die Zimmermannstraße in Wittenberg. Als gebrochener Mann starb Johann Georg Zimmermann am 16. August 1734 in Wittenberg. Die Stadt Wittenberg errichtete auf dem Friedhof links der Dresdner Straße einen Grabstein zum Gedenken an ihn.

Johann Georg Zimmermann, Jahr und Maler unbekannt

Gedenktafel, Johann Georg Zimmermann, Markt 18, Lutherstadt Wittenberg, Deutschland

Quellen:

Skelett eines geräderten Mannes gefunden

In Brandenburg wurde erstmalig das Skelett eines Mannes gefunden, der zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert gerädert wurde. Beim Rädern wurden mit einem Wagenrad zunächst alle Knochen gebrochen, so dass die Verurteilten schließlich in dieses geflochten werden konnten. Das Töten stand dabei nicht im Vordergrund, sondern ein tagelanges Leiden war das Ziel der Richter und Henker.

Zum Weiterlesen, hier klicken: http://www.sueddeutsche.de/wissen/fund-in-brandenburg-qualvoller-tod-mit-dem-rad-1.1960556

Darstellung vom Rädern mit Rad (Schweizer Chronik des Johannes Stumpf, Ausg. Augsburg 1586):