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Dezember 2017 – LE – Leipzig and the English-speaking World

Diesen Monat ist ein Buch publiziert worden, an dem Clarissa, als Spezialistin für die düsteren Seiten von Leipzig, mitgeschrieben habe: LE – Leipzig and the English-speaking World.

Das Buch ist im Verlag Edition Hamouda erschienen und wurde von Elmar Schenkel und Kati Voigt herausgegeben.

In dem Buch stellen die beiden Herausgeber und die Co-Autoren dar, welche Verbindungen Leipzig zur englischsprachigen Welt hat. Ich beschreibe in meinem Artikel wie Leipzigs okkulte Geschichte durch US-Amerikaner und Briten beeinflusst wurde. Außerdem berichte ich von der Vampirforschung an der Universität Leipzig Anfang des 18. Jahrhunderts und erkläre was Bram Stokers Dracula damit zu tun hat. Es ist komplett auf Englisch.

Wollt ihr es wagen und in die dunklen Geheimnisse Leipzigs eintauchen? Dann seid beim Lesen gewarnt: „It is not for the faint-hearted!“

Quellen:

Anna Rothe – ein sächsisches Medium

Anna Rothe, geborene Johl, wurde auch das „sächsische Blumenmedium“ genannt. Sie wurde 1850 in Altenburg geboren und starb 1907. Sie war mit einem Kesselschmied verheiratet und hatte mehrere Kinder, von denen einige jung gestorben sein müssen. Anna Rothe lebte viele Jahre in Chemnitz und wurde aber in Berlin-Schöneberg sesshaft. Sie wird als eine große, schlanke Frau mit stechenden Augen beschrieben.

Anna Rothe entdeckt ihre Fähigkeiten

Anna Rothe behauptete schon im Kindesalter von zehn Jahren entdeckt zu haben, dass sie übersinnliche Fähigkeiten hat. Sie habe Verstorbene gesehen und mit diesen gesprochen. Auch habe sie das Aussehen der Verstorbenen beschreiben können. Ihre Bekannten hätten daraufhin die Verstorbenen wieder erkannt. Später habe sie ihren verstorbenen Ehemann auf dem Sofa sitzen sehen und sich mit ihm unterhalten können.

Sie macht ihre Fähigkeiten zum Beruf

Ab Herbst 1900 hielt sie in ihrer Wohnung vor zahlenden Gästen die ersten Séancen, also spiritistischen Sitzungen, ab. Dafür nahm sie Eintrittsgeld in Höhe von 2 bis 3 Mark pro Person. Vor den Augen der Gäste sei sie in einen Trancezustand verfallen. Aus ihrem Mund sollen nun unter anderem die Verstorbenen Paul Fleming (Dichter des 17. Jahrhunderts) und Ulrich Zwingli (Reformator des 16. Jahrhunderts) gesprochen haben, außerdem ein verstorbenes Kind namens Friedchen. Alle Personen sollen mit einem sächsischen Dialekt gesprochen haben sollen – wie Anna Rothe selbst auch. Bei den Séancen soll sie laut Zeugenaussagen Blumen und Früchte, wie Apfelsinen und Orangen, „herbei gezaubert“ haben, was ihr den Spitznamen „Blumenmedium“ einbrachte. Ihre Auftritte verschafften ihr einen vorzüglichen Ruf als Medium. Dadurch erhielt sie viele Einladungen in Deutschland, aber auch in Paris, Brüssel und Zürich, um ihre Fähigkeiten zu präsentieren.

Zeichnung einer Séance - Künstler und Entstehungsjahr unbekannt

Zeichnung einer Séance – Künstler und Entstehungsjahr unbekannt

Entlarvung der Anna Rothe

Unter den unzähligen Gästen von Anna Rothes Séancen mischte sich am 19. November 1901 ein Kriminalkommissar. Durch einen Bekannten habe er eine Eintrittskarte erhalten und im dienstlichen Auftrag Anna Rothe während der ganzen Séance scharf beobachtet. Ihm sei aufgefallen, dass sie verdächtige Handbewegungen unter dem Tisch macht, wodurch sie möglicherweise die Früchte bewegt. Der Kriminalkommissar war bereits nach einer Sitzung überzeugt, einer Schwindlerin begegnet zu sein. Bei einer weiteren Sitzung griffen die Beamten schließlich ein. Sie hielten Anna Rothe fest und fanden unter ihrem Rock eine große Tasche voller Blumen. Daraufhin kam es zur Anklage wegen Betruges und Schwindel.

Anklage

Im März 1903 wurde ihr Fall beim Landgericht Berlin vor der Zweiten Berliner Strafkammer verhandelt. Die Zuschauerkarten für den Gerichtssaal waren schon Wochen zuvor ausverkauft. Unter den Zuschauern befanden sich viele Spiritisten, die weiterhin an Anna Rothes Fähigkeiten glaubten.

Während des Prozesses beharrte sie darauf, im Trancezustand nichts davon bemerkt zu haben, welcher Verstorbene durch ihren Mund redete. Es kamen etliche Gleichgesinnte zu Wort, die Anna Rothes Fähigkeiten bezeugten. Aber es traten als Zeuginnen auch die Blumenverkäuferinnen auf, bei denen Anna die Blumen für die spiritistischen Sitzungen bezog.

Nach Abzug einer schon abgesessenen Untersuchungshaft von acht Monaten wurde sie am 23. März wegen Betrugs zu weiteren zehn Monaten Gefängnis verurteilt und trat die Strafe sofort an.

Eine typische Séance, wie sie vor über 100 Jahren stattgefunden haben könnte - Fotograf und Entstehungsjahr unbekannt

Eine typische Séance, wie sie vor über 100 Jahren stattgefunden haben könnte – Fotograf und Entstehungsjahr unbekannt

Quellen:

Der Geisterbaron Albert von Schrenck-Notzing

Albert Freiherr von Schrenck-Notzing wurde am 18. Mai 1862 in Oldenburg geboren und starb am 12. Februar 1929 in München. Er wurde als reicher und fanatischer Außenseiter beschrieben, der sich für das Okkulte interessierte. Schrenck-Notzing studierte in München Medizin und promovierte 1888 mit dem Thema „Ein Beitrag zur therapeutischen Verwerthung des Hypnotismus“. Schon im darauffolgenden Jahr arbeitete er in München als praktischer Arzt. Ferner widmete er sich der medizinischen Psychologie und wurde der erste Psychotherapeut im süddeutschen Raum. Er wurde unter anderem dadurch bekannt, weil er behauptete „sexuelle Dysfunktionen“, wie Homosexualität, Betroffenen „absuggerieren“ zu können. Vor allem interessierte er sich für die Gebiete der Hypnose und Parapsychologie. 1886 war er Mitbegründer der „Psychologische Gesellschaft“, wo parapsychologische Versuche stattfanden.

Steigendes Interesse für das Okkulte

Durch seine Heirat wurde Schrenck-Notzing finanziell noch unabhängiger und verlagerte seine Forschung auf das Studium „okkulter“ psychophysischer Vorgänge. In seinem Palais richtete er ein okkultistisches Labor ein. Dort veranstaltete er Séancen. Die dabei präsentierten Medien, also Menschen mit angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten, konnten unter anderem mit „psychischer Energie“ Erscheinungen formen und folglich materialisieren. Seine Séancen mit dem Materialisationsmedium „Eva C.“, welche eigentlich Marthe Béraud hieß, erregten starkes öffentliches Interesse. Vor allem die Fotographien des „Ekto-“ oder „Teleplasmas“, einer quasi-biologischen Substanz, erzeugten Faszination und Abscheu. Das waren Fotographien von Medien,  die aus Körperöffnungen diese Substanz ausschieden. Schrenck-Notzing deutete dies als „ideoplastische“ Vorgänge, die von angeblichen unbewußten Vorstellungen des Mediums geformt wurden. Einer seiner berühmtesten Besucher und Zuschauer der Séancen war der Schriftsteller Thomas Mann. In Berichten von Thomas Mann wird deutlich, dass dieser keinen Zweifel an der Echtheit der Geisterbeschwörungen des Schrenck-Notzing hatte. In der Weimarer Republik wurde Schrenck-Notzing auch als der „Geisterbaron“ betitelt. Bis heute ist jedoch fraglich, inwieweit es sich bei seinen Séancen um Betrug handelte und wie Schrenck-Notzing die Täuschung aufbaute.

Schrenck-Notzing

Schrenck-Notzing bei einer Séance um 1894

Schrenck-Notzing Medium

Das Foto, um 1920 entstanden, zeigt das Medium Stanislawa P. bei einer Sitzung von Schrenck-Notzing. Aus ihrem Mund tritt sogenanntes „Ektoplasma“ aus. Schrenck-Notzing beschreibt dies als Materialisationsphänomen.

Quellen:

Magische Schriften?

In unserer Gruseltour berichten wir von einer Spiritis- und Okkultismuswelle, die seit den 1850er Jahren Deutschland erfasste. Die damaligen Spiritisten und Okkultisten sind in einigen Ansichten und Gepflogenheiten sicherlich mit den heutigen Esoterikern zu vergleichen. In Leipzig blühte das okkulte Verlagswesen zu dieser Zeit richtig auf. Spiritistische, okkulte Bücher und Zeitschriften wurden veröffentlicht. Heute möchten wir euch eine dieser magische Schriften vorstellen. Diese titelt:

„Zentralblatt für Okkultismus

Monatszeitschrift zur Erforschung der gesamten Geheimwissenschaften“

In der Ausgabe der Monatszeitschrift, die wir euch an dieser Stelle zeigen, wurden beispielsweise Themen wie Wünschelruten, Zahlenmagie, jüdische Mystik oder die okkulte Kraft von Steinen und Metallen dargestellt und beschrieben. Diese Schriften wurden digitalisiert und sind offen für jeden zum Nachlesen auf der Homepage der Universität Freiburg.

Zentralblatt für Okkultismus Titel Zentralblatt für Okkultismus InhaltsverzeichnisQuellen: