Schlagwort-Archive: Okkultismus und Sexualität

Liebeszauber und seine praktische Anwendung im 16. Jahrhundert

Die Liebe veranlasste Menschen von jeher dazu an ihre Grenzen zu gehen und an übernatürliche Wunder zu glauben. So auch an Liebeszauber.

Was ist ein Liebeszauber?

Ganz klar: Ein Liebeszauber soll einen Menschen dazu bringen, sich in jemanden zu verlieben. Im magischen Kontext ist dabei die Rede von schwarze Magie, da bei einem Liebeszauber ein Mensch gegen seinen Willen beeinflusst wird. Dieses kann auf dreierlei Wegen geschehen:

  1. Die Wirkung eines Liebeszaubers trete aufgrund von Suggestion ein. Also über die Beeinflussung eines Menschen, mit dem Ziel, ihn zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen. Die häufigste Art, wie Liebeszauber angewandt wird.
  2. Organische Substanzen werden verwendet, um eine Verbindung zum Okkulten zu schaffen, so dass anscheinend folglich eine okkulte Beeinflussung stattfindet.
    Organische Substanzen können tierisches und pflanzliches Material, sowie menschliche Substanzen sein, wie zum Beispiel Blut, Ohrenschmalz oder Speichel.
  3. Erregende Stimulanzien jeden Genres werden verwendet, denen eine sexuell erregende Wirkung nachgesagt wird, wie beispielsweise Pflanzen.

Beim Liebeszauber können sich aber auch einzelne Punkte überschneiden. So können auch organische Substanzen benutzt werden, um die Suggestion zu steigern.

Das Nestelknüpfen – ein alter Liebeszauber

Substanzen, die verwendet wurden, um einen Liebeszauber auszulösen, können beispielsweise Bänder verschiedenartiger Stoffe gewesen sein. Diese wurden beim „Nestelknüpfen“ benutzt. Für diesen Zauber wurden Knoten aus diversen Stoffen benötigt. Die Knoten wurden gesegnet, verhüllt, vergraben und somit versteckt. Das Versteck musste in der Nähe des „Gebundenen“ sein, also desjenigen, der verzaubert werden sollte.
Hatte ein Mann eine Frau umworben, sich aber schließlich für eine andere entschieden, so konnte die Verschmähte dem Herrn nun aus Eifersucht ein Nestel knüpfen. Dieser Zauber soll zur Folge haben, dass der junge Bräutigam in der Hochzeitsnacht impotent wird. Meist soll der Bräutigam sofort wissen, wem er seine Impotenz zu verdanken hat. Wenn es nicht eine verlassene Geliebte ist, so ist es ein enttäuschter Freier seiner Frau.
Doch auch die Braut kann vom Nestelknüpfen betroffen sein. Ein ehemaliger Verehrer kann ihr ebenfalls ein Nestel knüpfen, so dass die Braut unter seinen Rachegelüsten leiden muss. Das Nestel soll die Braut dazu bringen, sich gegen die Liebkosungen des Bräutigams zu wehren, da sie ihr physischen Schmerz bereiten.
Viele dieser Wirkungen waren jedoch möglicherweise nichts weiter als Suggestivhemmungen eines nicht ganz so reinen Gewissens. Probleme in der Hochzeitsnacht oder der Ehe konnten so auf das Nestelknüpfen eines Dritten geschoben werden.

Angewandter Liebeszauber

Wie ein -unter Suggestion herbeigeführter- Liebeszauber ausgesehen hat, zeigen wir euch nun anhand eines Beispieles, wie es sich in Sachsen 1529 zugetragen haben soll. Das Geständnis der Anna Röberin, die 1529 auf dem Schellenberg, unweit von Chemnitz, wegen Zauberei gefangen genommenen wurde, zeigt dies deutlich. So soll Anna Röberin zugegeben haben, Liebeszauber angewandt zu haben, um ihren entlaufenen Mann zurückzugewinnen.

„Sie wehr über die fliessende Bach vor irer Mutter Hause zu Onderau getreten, und hatt mit einer hant auf die andere Wasser gegossen, und darzu gesagt, ich Anna giß diesen fluß auf meine hende, schöner Boten drey ich dir Hansen sende, der erst ist mein Name Anna, der andere Marie, die Mutter Gottes, die wird dir senden den dritten Boten in der freundlichen Lust und göttlichen Liebe hynheym, das du Hans nach mir Anna wirst laufen und wüthen als das fliessende Wasser in der fluth, als der Fohle der der Stut, als der Bär nach dem Blut, als die Hennen nach der Brut und als zusam lief der Hirsch und die Hinde, das du hynheym mußt eilen über Berg und über thal, über stock und stein in der freundlichen lieben seensucht: darnach habe sie genommen widderthon (Widerthon polytrichium commune) und hat denselben in ein wagengleise gelegt und gesagt, ich Anna rufe dir eyle hynheym über berg und thal, über stock und über stein in freundlicher liebe und gunst und hat durch ein wagen nabe geruft und gesagt, hans kom auch wider anheym.“

„Hexenspuk“ aus Nicolas Remigii „Daemonolatria“, Kupferstich, Hamburg 1693

Quellen:

 

Das Schlagen der Frauen zu Weihnachten seit 1599 polizeilich in Sachsen verboten
Alter Aberglaube aus der Region

Der Autor des 1909 erschienenen Werkes „Okkultismus und Sexualität“ Hans Freimark beschreibt in seinem Buch erotische Bräuche, die tief in die Vorzeit zurückführen sollen. So nennt er unter anderem das Schlagen mit der Lebensrute. Dabei zählt er auf, dass Frauen oder weibliches Hausvieh, vor allem Kühe und Stuten, zu einer festen Jahreszeit mit einer grünen Rute bestimmter Bäume geschlagen wurden, um fruchtbar zu werden. Symbolisch soll dabei die Rute das Zeugungsglied des Baumdämons gewesen sein. Und wenn nun damit auf die Geschlechtsteile der Ehefrauen geschlagen wurde, so sollte es diese fruchtbar machen. Die schlagenden Männer selbst sahen sich dabei wohl als Dämonen der Bäume, deren Rute sie tragen. Dabei ist die Rute ein uraltes Symbol für das männliche Zeugungsglied. Freimark zitiert: „[…] 1599 wurde in der Herrschaft Lauenstein in Sachsen eine Polizeiverordnung erlassen, die das Schlagen der Frauen zu Weihnachten verbietet: das Kindlen oder Dinglen das zu Weynachten getrieben wird, da die großen starken knecht den Leuten in die Heusser laufen, die Mägde und Weiber entblösen und mit Gerten oder Ruten hauen.“

Gut, dass wir diesen Aberglauben nicht beibehalten haben. Also bitte nicht nachmachen!

Nachzulesen in: Hans Freimark, Okkultismus und Sexualität: Beiträge zur Kulturgeschichte der Vergangenheit und Gegenwart, 1909, Leipziger Verlag, Seiten 395-398.