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Totenbretter – stille Botschafter des Sensemanns

Es kann schon passieren, dass der ein oder andere Wanderer in Bayern auf ganz sonderbare längliche Holztafeln stößt, die gar merkwürdige Inschriften und Namen von vor über 100 Jahren tragen. Das sind Totenbretter.

Totenbrettgruppe in der bayrischen Stadt Regen – Foto aus dem Jahr 2006

Was ist ein Totenbrett?

Als Totenbretter (Leichenbretter, Reebretter oder Rechbretter) werden Holzbretter bezeichnet, auf denen Tote bis zum Begräbnis aufgebahrt und die zur Erinnerung an den Verstorbenen am Wegrand aufgestellt wurden. Dieser Brauch war im 19. Jahrhundert im gesamten bairischen und alemannischen Raum verbreitet. Die Totenbretter stammen aus einer Zeit, in der es üblich war die Verstorbenen auf Brettern im eigenen Hause aufzubahren. Die Totenbretter dienten dazu als Unterlage für den Leichnam. Der Tote wurde danach in ein Leichentuch gewickelt und zum Friedhof getragen. Am noch leeren Grab angekommen, wurde das Brett schräg gehalten, so dass der Leichnam hinab ins Grab rutschte. Das wurde in der Gegend auch als „Brettlrutsch’n“ bezeichnet. Manchmal wurde das Totenbrett mit ins Grab gelegt. Es kam aber auch vor, dass es als Erinnerungszeichen für die Lebenden aufgestellt wurde.

Aberglaube um die Totenbretter

Diese doch für manch einen recht schaurig anmutenden Totenbretter, welche bevorzugt an Wegesrändern standen, riefen allerlei Aberglauben hervor. Den Totenbrettern schrieb man Zauberkräfte zu und ihre Standorte galten als Spukplätze. Der Volksglauben besagte auch, dass die Seele des Toten erst Erlösung findet, wenn sein Totenbrett verfallen war. Um eine möglichst kurze Zeit im Fegefeuer zu erzielen, wurden die älteren Totenbretter daher aus Weichholz gefertigt und ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Vereinzelt wird auch von Totenbrettern berichtet, die als Trittplanken oder Stege über Bäche und Sümpfe genutzt wurden, da sie dort besonders schnell verwittern und zerfallen. Sollte jemand das Holz eines Totenbrettes gestohlen haben, um dies zum Beispiel zu verfeuern oder weiter zu verarbeiten, dann bricht großes Unglück über ihn herein.

Totengedenkbretter

Neben den „echten“ Totenbrettern mit bis zu 2 m Länge und 40 cm Breite hat sich – vor allem in Oberbayern – der Brauch entwickelt, kürzere, schmalere Gedenkbretter aufzustellen. Diese selten mehr als 150 cm langen und 30 cm breiten Bretter werden ebenfalls an Wegrändern aufgestellt. Auf ihnen finden sich Sinn- und Gedenksprüche, die jedoch nicht an eine bestimmte Person erinnern, sondern allgemein zum Totengedenken auffordern.

Totengedenkbrett – Foto aus dem Jahr 2005

Das Foto zeigt ein Totengedenkbrett bei Grafrath. Die Inschrift:
„Die Toten rufen uns zu:
‚Das was ihr seid,
das waren wir.
Und das was wir sind,
das werdet ihr noch sein.’“

Quellen:

Der Larvenkult in Österreich: Klaubauf

Wir werden auch immer wieder von Gästen aus Österreich beehrt und deswegen wollen wir diese Woche ein Auge auf einen wahrlich schaurigen Brauch in Österreich legen: Den Brauch des Klaubauf.

Was ist ein Klaubauf?

In vielen Gemeinden in Osttirol zieht am Vorabend des Nikolaustags (6. Dezember) der Heilige Nikolaus durch die Straßen. Er hat dabei stets seine bösen Begleiter bei sich. Der Name dieser Begleiter ist regional unterschiedlich: Krampus, Kramperl, Spitzbartl oder Klaubauf sind die bekanntesten. Die Bezeichnung „Klaubauf“ war noch im 19. Jahrhundert in weiten Teilen Süddeutschlands und Österreichs üblich. Heute findet sich die Bezeichnung fast ausschließlich in Osttirol, sowie teilweise in Oberkärnten und im Vinschgau (Südtirol).

Ein Klaubauf trägt ein weises, schwarzes oder braunes Fell, eine grob geschnitzten Holzmaske, die „Larve“ genannt wird oder eine grob wirkende Larve aus Aluminium. Auf seinen Rücken finden sich mehrere größere Glocken.

Die Masken und Kostüme der Klaubaufläufer – – Foto aus dem Matreier Klaubaufmuseum 2016

Seit wann gibt es die Klaubaufläufe?

Die Gemeinde Matrei in Osttirol ist Hauptort des Brauchs. Am Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich hier der Brauch in die heute typische Erscheinungsform gewandelt. Vermummten sich früher die Maskierten üblicherweise mit Fellen bzw. Stoffen mit ausgeschnittenen Augenpartien, so verbreiteten sich ab den 20er Jahren große, grob geschnitzte Holzlarven.

Erste Belege für das Klaubaufgehen in Matrei finden sich erst relativ spät. 1736 bzw. 1744 berichtet ein Beauftragter des Bischofs von Salzburg, daß sich in Matrei „die Unsitte Platz gegriffen [hätte], daß man die Faschingstage auf die Feiertage vor Weihnachten, Neujahr und Heilig Dreikönig verlege, wo man mit Narrengewändern oder sonst schamlosen Kleidern in alle Häuser eindrang, ganze Scharen von Knaben und Mädchen mit sich fortriß und überall sich übermäßigen Fraß hingab“.

Heute erfreut sich der Brauch einer ungeahnten Beliebtheit. Im Matrei beteiligen sich ungefähr 200 Personen am Klaubaufgehen. In einigen Gemeinden wurde der Brauch sogar neu eingeführt (Oberdrauburg, Oberkärnten).

Den Brauch gibt es in ähnlicher Form auch in Süddeutschland. Dort nennen sich die Begleiter Krampusse. Jedes Jahr gibt es beispielsweise einen Krampuslauf durch München.

Kostüm für den Klaubauflauf – Foto aus dem Matreier Klaubaufmuseum 2016

Schwere Holzmaske für den Klaubauflauf – Foto aus dem Matreier Klaubaufmuseum 2016

Nicht ganz ungefährlich

Der Klaubauf ist der böse Begleiter des Heiligen Nikolaus und zeigt sich deshalb besonders von seiner grausamen Seite. So treten auch die Personen in ihren Klaubaufmasken auf. Sie springen wütend dem Heiligen Nikolaus hinterher und erschrecken die Zuschauer. Dabei kam es bereits zu Schlägereien zwischen den Zuschauern und den maskierten Männern. Die kleinezeitung.at berichtete 2014, dass dieser Brauch bis zu 100 Opfer im Jahr findet. Manchmal kann eine Auseinandersetzung mit einem Klaubauf auf Seiten der Zuschauer mit Knochenbrüchen enden.

Mehrere Masken für den Klaubauflauf – Foto aus dem Matreier Klaubaufmuseum 2016

Quellen: