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Das Geheimnis hinter der Eisernen Jungfrau

Die Eiserne Jungfrau – wer kennt sie nicht?

Es ist eines der bekanntesten Folterinstrumente, ein aufrecht stehender Sarkophag mit Dornen in der Mitte, welcher angeblich zur Tötung eines Menschen eingesetzt wurde. Und da sind wir schon beim Punkt – angeblich!

Was ist die Eiserne Jungfrau?

Die Eiserne Jungfrau ist ein Gerät, das zur Folterung und Hinrichtung von Menschen benutzt worden sein soll. Es handelt sich um einen hölzernen oder metallenen Hohlkörper, meist in Frauengestalt, der mit nach innen stehenden Nägeln oder Dornen beschlagen war.

Links: Zeichnung einer Eisernen Jungfrau – Rechts: Die Eiserne Jungfrau von Nürnberg im Kriminalmuseum in Rothenburg o.d.T.

Ist sie ein Mythos?

Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts häufen sich Berichte über Eiserne Jungfrauen. Literatur und Zeitungen nehmen sich ihrer an. Museen zeigen ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisernen Jungfrauen in großen Ausstellungen. Die Menschen sind abgestoßen von der Grausamkeit der Folter- und Hinrichtungsmethoden des Mittelalters und zahlenden Gäste kommen in Scharen.

Doch die Geschichte schreibt ein anderes Bild von der Eisernen Jungfrau. Wäre die Eiserne Jungfrau ein Folterinstrument gewesen, müsste es dafür schriftliche Belege geben. Die Folter war seinerzeit ein „Beweisgewinnungsverfahren“ mit dem Ziel eines Geständnisses. Von Gesetzes wegen musste jede Tortur protokolliert werden. Und so finden wir in Archiven unzählige überlieferte Folterprotokolle, allerdings bislang noch kein einziges, das eine Tortur mit der Eisernen Jungfrau belegt. Auch gibt es keine Belege dafür, dass die Eiserne Jungfrau nur zur Hinrichtung eingesetzt wurde.

Die Eiserne Jungfrau wird gründlich untersucht

Das Kriminalmuseum in Rothenburg o.d.T. hatte die Eiserne Jungfrau aus Nürnberg in den 1960er Jahren erworben und sie gründlich untersuchen lassen. Danach ist der Mantel auf das 15./16. Jahrhundert zu datieren (vermutlich aus Böhmen) und wurde als Ehrenstrafvollzugsgerät verwendet, als Schandmantel. Die metallenen Dornen hingegen waren nachträglich angebrachte französische Tüllenbajonette aus den Befreiungskriegen (1813-1815). So spricht derzeit alles dafür, dass die Eiserne Jungfrau von Nürnberg gar kein Folter- oder Hinrichtungsgegenstand war, sondern „nur“ ein Schandmantel. Dieser wurde im 19. Jahrhundert mit metallenen Spitzen bestückt und das Exponat damit verfälscht, um ein gruseliges Ausstellungsstück für zahlende Gäste vorweisen zu können.

Der Schandmantel

Ein Schandmantel, auch Schandtonne und Spanischer Mantel genannt, war ein Strafinstrument ab dem 13. Jahrhundert. Die aus Holz gefertigten Mäntel, die mitunter innen mit Blech ausgelegt waren, wurden zum Vollzug von Ehrenstrafen eingesetzt. Die damit Bestraften hatten sich häufig der Beschädigung des Waldes oder der Prostitution schuldig gemacht. Wer ihn umgelegt bekam, durfte beschimpft, geohrfeigt und mit Unrat beworfen werden. Die Schandtonne enthielt teilweise am unteren Rand sowie an der Halsöffnung Gewichte, um die Pein des Delinquenten zu erhöhen, was jedoch nicht tödlich war.

Schlussendlich… Täuschung ist alles, um zahlenden Kunden anzulocken

Im 19. Jahrhundert wurde der Schandmantel als Tötungsinstrument fehlinterpretiert: Als Eiserne Jungfrau sollen Henker mit den Schandmänteln Hinrichtungen vorgenommen haben. Dazu seien die Schandmäntel innen mit Dornen versehen gewesen. Wie der Rechtshistoriker Wolfgang Schild  von der Universität Bielefeld nachweisen konnte, waren solche Eisernen Jungfrauen aus musealen Fundstücken zusammengesetzte Schaustücke.

Quellen: