Schlagwort-Archive: Köln

Von den Toten auferstanden – Die Richmodis-Sage

Die Richmodis-Sage ist eine alte Kölner Sage, die auf eine Begebenheit aus dem 14. Jahrhundert beruht, als die Pest in der Stadt wüstete. Im Jahre 1357 raffte die Pest in Köln so viele Opfer hinweg, dass es nicht möglich war, alle Leichen auf die gewöhnliche Weise zu beerdigen. Allein in Köln sollen 20.000 Personen an der Pest gestorben sein, die man massenweise in große Gruben warf.

Die Richmodis-Sage

Auch die Ehefrau des damaligen Kölner Bürgermeisters Mengis von Aducht starb an der Pest. Sie hieß Richmodis und wurde schnellstmöglich beerdigt. Zur Beerdigung schmückte man die tote Ehefrau mit den besten Leichenkleidern und beließ ihr ihren Schmuck.

Dass der teure Schmuck mit der Verstorbenen beerdigt wurde, fiel auch den Totengräbern auf. In der Nacht machten sie sich auf den Weg, die Frau Richmodis wieder auszugraben, um sie ihres Schmuckes zu entledigen. Doch als die Totengräber das frische Grab öffneten, erschraken sie selbst fast zu Tode. Die tot geglaubte Ehefrau stieg selbstständig aus der Gruft und lief zu ihrem Haus.

Zu Hause angekommen, soll sie an die Tür geklopft und um Einlass gebeten haben. Die Mägde dachten, ein Gespenst stehe vor der Tür, bis sie erkannten, dass die Frau wieder lebendig war. Sie rannten zum Bürgermeister und teilten ihm dies mit.

Auch der konnte erst nicht glauben, dass seine Frau wieder lebendig sein sollte und antwortete: „Das ist unmöglich. Eher würden meine Schimmel oben auf dem Heuboden stehen.“ Schon trampelten sechs Schimmel die Treppe hinauf und schauten hinaus aus dem Dach. Frau Richmodis wurde wieder gesund und brachte noch drei Kinder zur Welt.

Die Richmodis-Sage (Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604)

Zur Erinnerung schauen noch heute zwei Pferdeköpfe aus dem Richmodisturm an der nach ihr benannten Straße in Köln.

Richmodisturm in Köln mit zwei weißen Schimmeln

1582 wies der Bremer Arzt Johann Ewich in seiner Pestilenzordnung ausdrücklich auf die Geschichte der Richmodis von Aducht hin – als Warnung vor einer allzu schnellen Bestattung von Pestleichen.

Quellen:

Melaten-Friedhof in Köln

In Leipzig gibt es den Alten Johannisfriedhof mitten im Zentrum hinter dem Grassimuseum. Ein Ort der Stille und des Todes. Mittlerweile werden dort keine Beerdigungen mehr durchgeführt und er wurde zu einem Park umgewandelt. Der Alte Johannisfriedhof hat eine fürchterliche Geschichte. Angefangen hat alles mit einem Leprakrankenhaus im 13. Jahrhundert. Bei einer meiner Besichtigungen dieser dunklen Stätte kam ich mit einer Kölner Dame in Kontakt. Sie war schon älter und erzählte mir direkt, dass sie gerne Friedhöfe besichtige. Sie käme aus einer Sargtischlereifamilie. Die Dame sagte, dass es in Köln auch einen alten Friedhof aus dem Mittelalter gibt: Den Melaten-Friedhof. Und er hat eine Gemeinsamkeit mit dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig. Der Melaten-Friedhof wurde auch nur errichtet, weil zunächst ein Heim für Kranke und Aussätzige auf dem Grundstück stand. Als Aussätzige wurden damals die Leprakranken bezeichnet.

Der Sensenmann, „Wahrzeichen“ von Melaten

Namensgebung und Geschichte des Melaten-Friedhofs

Was bedeutet Melaten? Wer denkt, dass es sich anhört wie ein Wort aus einer fremden Sprache, liegt richtig. Der Name „Melaten“ kommt von dem  französischen Begriff für krank sein, „malade“. 1243 wurde der „hoff to Malaten“ (Hof zu Melaten) erstmals urkundlich erwähnt. Beim Bau des Melaten-Friedhofs lag die Stadt Köln noch ungefähr einen Kilometer weiter weg. Aufgrund der Ansteckungsgefahr wurden Krankenhäuser für Leprakranke stets außerhalb der Stadtmauern erbaut. Nachdem Köln mit den Jahrhunderten gewachsen ist, liegt der Melaten-Friedhof nun innerhalb Kölns, im Bezirk Lindenthal und ist der Zentralfriedhof der Stadt.

Ein Grab auf dem Melaten-Friedhof

Melaten – auch ein Ort grausamer Gewaltverbrechen

Im Mittelalter diente ein Areal namens Rabenstein ganz in der Nähe des Melaten-Friedhofs als öffentliche Hinrichtungsstätte. Auf diesem Areal konnte auf verschiedene Art das Leben des Delinquenten genommen werden. Zum einen existierte ein Galgen, zum anderen gab es ein Rondell, das für die so genannten ehrenhaften Hinrichtungen durch das Schwert benutzt wurde. Aufgrund des erhöhten Rondells sollten anwesenden Gäste besser zuschauen können. Die unehrenhaften Hinrichtungen dagegen wurden am Galgen und auf dem Rad durchgeführt. Nahe beim Galgen befand sich auch die so genannte Kesselkuhle, eine Senke im Boden, in der die zum Feuertod Verurteilten öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Einige Hinrichtungen sind noch heute bekannt. So wurden 1529 auf dem Gutsgelände des Friedhofs zwei Protestanten, Peter Fliesteden und Adolf Clarenbach, wegen ihres Glaubens verbrannt. 1588 wurden gleich zwei Männer hingerichtet. Ihnen wurde zur Last gelegt, den Bäcker Philipp Ecks entführt zu haben. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden im Zuge der Hexenverfolgungen über 30 Frauen und Mädchen getötet. Erst 1797 wurde mit dem Kirchenräuber Peter Eick der letzte Mensch auf Melaten am Galgen erhängt. Viele Zuschauer kamen zu seiner Hinrichtung.

Die Hinrichtung der beiden Entführer des Bäckers Philipp Ecks auf dem Rondell zu Melaten 1588; die Täter wurden gerädert und danach geköpft

Führungen über das Friedhofsgelände

Auch heute werden noch Verstorbene auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt. Dennoch wird er auch als Erholungs- und Parkanlage genutzt. Mittlerweile gibt es mehrere Führungen, die über das Friedhofsgelände gehen.

Wir vom Gruseltour-Team fanden unseren Alten Johannisfriedhof in Leipzig auch so spannend, dass wir seiner Geschichte auf den Grund gegangen sind. Und lasst euch sagen, diese ist wirklich düster und schaurig. Es ist einfach eine Geschichte, die erzählt werden muss. Deswegen bieten wir seit vier Wochen ebenfalls Führungen auf dem Alten Johannisfriedhof an. Unser Totenwächter lässt die Verstorbenen nicht ruhen und erzählt euch deren dunkle Geheimnisse.

Traut ihr euch die schaurige Seite des Alten Johannisfriedhof zu erkunden? Dann kommt doch zu einer unserer Führungen.

Kommt zu unserer Friedhofstour und lernt den Totenwächter kennen

Mystische Wege öffnen sich auf dem Alten Johannisfriedhof

Quellen:

Ein Deckengewölbe aus Menschenknochen

Ein Deckengewölbe, welches mit Hunderten von Menschenknochen verziert wurde? Wir hören euch schon sagen: „Ernsthaft? So etwas gibt es doch nicht wirklich! Das wäre ja ganz schrecklich unmenschlich!“

Eine Kirche mitten in Köln

Doch solch ein Gebäude gibt es – mitten in Köln! Die romanische Basilika St. Ursula befindet sich nur wenige Gehminuten vom Kölner Dom entfernt, direkt in der Altstadt. St. Ursula wird auch die „Kirche der heiligen Jungfrauen“ genannt. Das exakte Alter des Gebäudes ist schwer nachzuvollziehen. Archäologischen Ausgrabungen nach gab es die Kirche schon im 6. Jahrhundert. Seitdem wurde die Kirche stets umgebaut und erweitert.

Die Basilika St. Ursula in Köln

Die Goldene Kammer

In der Basilika St. Ursula gibt es die sogenannte „Goldene Kammer“. In der Kammer sind viele Reliquienbüsten aus der Zeit zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert aufgereiht; die Wände sind bis in die Deckengewölbe mit Mustern aus menschlichen Knochen geschmückt. Betrachtet man das Knochenmuster in der Decke genau, sieht man, dass die Knochen Wörter bilden: „S. Ursula pro nobis ora.“ Um die einzelnen Buchstaben deutlicher zu erkennen, wurden sie aus großen Knochen des menschlichen Körpers zusammengestellt: aus den Oberschenkelknochen. Im Hintergrund sind Rippen zu sehen.

Die Goldene Kammer

Die heilige Ursula

Doch wer war die heilige Ursula, der die Basilika mit all den Menschenknochen gewidmet wurde?

Laut einer mittelalterlichen Legenden stammte die Königstochter Ursula aus der Bretagne und lebte im 4. Jahrhundert († angeblich 383). Schon in jungen Jahren soll sie sich dazu entschieden haben, jungfräulich zu sterben. Doch ihr Vater zwang sie zu der Hochzeit mit Aetherius, dem Sohn des heidnischen Königs von England. Ursula musste einwilligen. Sie stellte allerdings drei Bedingungen, die der Bräutigam auch erfüllt: Innerhalb einer Frist von drei Jahren soll Aetherius zum Christentum übertreten; eine Schar von zehn Gefährtinnen und 11.000 weiteren Jungfrauen soll zusammengestellt und eine gemeinsame Pilgerfahrt nach Rom unternommen werden. Die Pilgerfahrt führt per Schiff nach Rom. In einem Traum wird Ursula das Martyrium verkündigt. Ihr wird also verkündet, aufgrund ihres Glaubens einen gewaltsamen Tod erleiden zu müssen. Sie kommt von ihrer Fahrt zurück nach Köln, wo nach ihrer Ankunft alle Pilger von den Hunnen, die die die Stadt belagern, getötet werden. Der Prinz der Hunnen verliebt sich allerdings in Ursula und bietet ihr an, sie zu verschonen und zu heiraten. Als sie ablehnt, tötet er sie durch einen Pfeilschuss. Es soll zu einem schrecklichen Blutbad gekommen sein. Alle 11.000 Jungfrauen ließen laut der Legende ihr Leben.

Das Martyrium der Ursula, im Rheinischen Bildarchiv in Köln

Quellen: