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Kriminaltelepathie: Der Fall des Bernburger Hypnotiseurs

Der 1853 in Bernburg, geborene August Christian Drost erlangte in den 1920er Jahren weit über Sachsen-Anhalt Berühmtheit. Hauptberuflich war er Lehrer an einer katholischen Schule. Darüberhinaus interessierte er sich außerdem für Hypnose. Ab den 20er Jahren half er der Polizei mit seiner besonderen Fähigkeiten als Hypnotiseur Kriminalfälle zu lösen. Er versetzte Menschen, die er als Medien benutzte, in Trance und befragte sie zu polizeilichen Fällen. Auf diese Weise konnte er beispielsweise einen verschwundenen Jungen in der Gegend wieder ausfindig machen. Schließlich führte er circa 20 kriminaltelepathische Fälle jährlich durch. Doch nicht immer stimmten die Aussagen mit der Wahrheit überein. Die katholische Schule, an der Drost angestellt war, missbilligte seine Nebentätigkeit und entließ ihn. Schließlich wurde er sogar am 12. April 1924 verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, seine angeblichen Fähigkeiten in betrügerischer Absicht genutzt zu haben, um Profite zu erwirtschaften. Im Oktober 1925 beginnt der Prozess gegen ihn. Er endet nach nur einer Woche mit einem Freispruch. Er konnte dem Gericht verständlich machen, dass er wirklich an seine Fähigkeiten glaubte. In fünf Tagen wurden 41 Fälle durchgegangen, 120 Zeugen vernommen und drei Sachverständige angehört. Außerdem habe Drost anscheinend kein Geld verlangt, sondern es nur genommen, wenn es ihm von Hilfe suchenden Menschen angeboten wurde.

Buch über Drost von 1925 „Der Bernburger Hellseher-Prozeß und das Problem der Kriminaltelepathie. Mit Bild und Schriftprobe des Lehrers Drost nebst einem Vorwort von Rechtsanwalt Dr. Winterberg“

Bernburger HellseherQuellen:

Die Schlaftänzerin Magdeleine Guipet

1902. Die gebürtige Georgierin Magdeleine Guipet leidet unter starken Kopfschmerzen und unterzieht sich deshalb in Paris bei einem Professor namens Emile Magnin einer Hypnose-Therapie gegen Migräne. Unter Hypnose stellt sich heraus, das Guipet besonders empfänglich für den Klang von Klaviermusik ist und Stimmen hört, die sie dazu bringen, dramatische Bewegungen und Gesten zu machen, obwohl sie beteuerte niemals Tanzunterricht genommen zu haben.

Das enorme kreative Potential des Unterbewusstseins während einer Hypnose im Allgemeinen und im Besonderen das der Magdeleine Guipet erregte die Aufmerksamkeit der europäischen Mediziner zu damaliger Zeit. 1904 reisten Guipet und ihr Arzt nach München, um ihren Schlaftanz dortigen Ärzten, Künstlern, Schriftstellern und Journalisten im Schauspielhaus vorzuführen. Die Begeisterung stieg abermals. Bald folgte für Magdeleine Guipet und Magnin eine sechsmonatige Tour durch Opernhäuser und Theater unter anderem in Wien, Berlin, Paris und London. Dabei kamen sie auch nach Dresden, wo selbst Karl May eine ihrer Vorstellungen besuchte. Nach einer Vorstellung beschrieb Theaterfachmann Freiherr Julius von Werther, früherer Intendant des Stuttgarter Hoftheaters, die Inszenierung und die Hypnose der Guipet folgendermaßen:
„[…] Magdeleine G[uipet], wurde von einem  Magnetiseur, namens Magnin, vorgeführt […] [und] wurde stehend von dem Magnetiseur eingeschläfert und sank in einen Lehnstuhl. Zwei Ärzte bestätigten den eingetretenen somnambulen  [= schlafwandlerischen] Zustand. Da ertönt Musik hinter einem Vorhang […]. Alsbald erhebt sich Magdeleine aus ihrem Lehnstuhle und begleitet mit Armen und Beinen wie mit lebhaften Gesichtsausdrücken diese Töne. […] Augenblicklich erfasst der Körper Magdeleines die gewaltige Tragik der großen Akkorde […]. Mehr und mehr steigert sich die Pantomime des Schmerzes, laute unartikulierte Klagetöne, die indes die Noten Chopins völlig treffen, stößt die Somnambule [= Schlafwandlerin] aus. Sie wirft sich voll unsäglichen Leides, das sich auf  ihren Gesichtszügen malt, auf den Boden und erstarrt plötzlich, als die Musik auf dem Piano abbricht, in ihrer letzen Pantomime wie leblos. […] die Somnambule wird durch den Magnetiseur wieder in ihren wachen Zustand versetzt und abgeführt.“

Viele Künstler waren von der Magdeleine Guipet ergriffen und malten, wie auch fotografierten sie. Auf den Fotos tanzt Magdeleine Guipet unter Hypnose. Manchmal findet man die Tänzerin auch unter dem leicht veränderten Namen Madeleine Guipet. Magdeleine mag01