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Lepra und Hinrichtungen mitten in Köln!

In Leipzig gibt es den Alten Johannisfriedhof mitten im Zentrum hinter dem Grassimuseum. Ein Ort der Stille und des Todes. Mittlerweile werden dort keine Beerdigungen mehr durchgeführt und er wurde zu einem Park umgewandelt. Der Alte Johannisfriedhof hat eine fürchterliche Geschichte. Angefangen hat alles mit einem Leprakrankenhaus im 13. Jahrhundert. Bei einer meiner Besichtigungen dieser dunklen Stätte kam ich mit einer Kölner Dame in Kontakt. Sie war schon älter und erzählte mir direkt, dass sie gerne Friedhöfe besichtige. Sie käme aus einer Sargtischlereifamilie. Die Dame sagte, dass es in Köln auch einen alten Friedhof aus dem Mittelalter gibt: Den Melaten-Friedhof. Und er hat eine Gemeinsamkeit mit dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig. Der Melaten-Friedhof wurde auch nur errichtet, weil zunächst ein Heim für Kranke und Aussätzige auf dem Grundstück stand. Als Aussätzige wurden damals die Leprakranken bezeichnet.

Der Sensenmann, „Wahrzeichen“ von Melaten

Der Sensenmann, „Wahrzeichen“ von Melaten

Namensgebung und Geschichte des Melaten-Friedhofs

Was bedeutet Melaten? Wer denkt, dass es sich anhört wie ein Wort aus einer fremden Sprache, liegt richtig. Der Name „Melaten“ kommt von dem  französischen Begriff für krank sein, „malade“. 1243 wurde der „hoff to Malaten“ (Hof zu Melaten) erstmals urkundlich erwähnt. Beim Bau des Melaten-Friedhofs lag die Stadt Köln noch ungefähr einen Kilometer weiter weg. Aufgrund der Ansteckungsgefahr wurden Krankenhäuser für Leprakranke stets außerhalb der Stadtmauern erbaut. Nachdem Köln mit den Jahrhunderten gewachsen ist, liegt der Melaten-Friedhof nun innerhalb Kölns, im Bezirk Lindenthal und ist der Zentralfriedhof der Stadt.

Engel_am_Friedhof_Melaten,_Köln

Ein Grab auf dem Melaten-Friedhof

Melaten – auch ein Ort grausamer Gewaltverbrechen

Im Mittelalter diente ein Areal namens Rabenstein ganz in der Nähe des Melaten-Friedhofs als öffentliche Hinrichtungsstätte. Auf diesem Areal konnte auf verschiedene Art das Leben des Delinquenten genommen werden. Zum einen existierte ein Galgen, zum anderen gab es ein Rondell, das für die so genannten ehrenhaften Hinrichtungen durch das Schwert benutzt wurde. Aufgrund des erhöhten Rondells sollten anwesenden Gäste besser zuschauen können. Die unehrenhaften Hinrichtungen dagegen wurden am Galgen und auf dem Rad durchgeführt. Nahe beim Galgen befand sich auch die so genannte Kesselkuhle, eine Senke im Boden, in der die zum Feuertod Verurteilten öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Einige Hinrichtungen sind noch heute bekannt. So wurden 1529 auf dem Gutsgelände des Friedhofs zwei Protestanten, Peter Fliesteden und Adolf Clarenbach, wegen ihres Glaubens verbrannt. 1588 wurden gleich zwei Männer hingerichtet. Ihnen wurde zur Last gelegt, den Bäcker Philipp Ecks entführt zu haben. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden im Zuge der Hexenverfolgungen über 30 Frauen und Mädchen getötet. Erst 1797 wurde mit dem Kirchenräuber Peter Eick der letzte Mensch auf Melaten am Galgen erhängt. Viele Zuschauer kamen zu seiner Hinrichtung.

Melaten Hinrichtung 1588

Die Hinrichtung der beiden Entführer des Bäckers Philipp Ecks auf dem Rondell zu Melaten 1588; die Täter wurden gerädert und danach geköpft

Führungen über das Friedhofsgelände

Auch heute werden noch Verstorbene auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt. Dennoch wird er auch als Erholungs- und Parkanlage genutzt. Mittlerweile gibt es mehrere Führungen, die über das Friedhofsgelände gehen.

Wir vom Gruseltour-Team fanden unseren Alten Johannisfriedhof in Leipzig auch so spannend, dass wir seiner Geschichte auf den Grund gegangen sind. Und lasst euch sagen, diese ist wirklich düster und schaurig. Es ist einfach eine Geschichte, die erzählt werden muss. Deswegen bieten wir ebenfalls Führungen auf dem Alten Johannisfriedhof an. Unser Totenwächter lässt die Verstorbenen nicht ruhen und erzählt euch deren dunkle Geheimnisse.

Traut ihr euch die schaurige Seite des Alten Johannisfriedhof zu erkunden? Dann kommt doch zu einer unserer Führungen.

Kommt zu unserer Friedhofstour und lernt den Totenwächter kennen

Kommt zu unserer Friedhofstour und lernt den Totenwächter kennen

Mystische Wege öffnen sich auf dem Alten Johannisfriedhof

Mystische Wege öffnen sich auf dem Alten Johannisfriedhof

Quellen:

Das Geheimnis hinter der Eisernen Jungfrau

Die Eiserne Jungfrau – wer kennt sie nicht?

Es ist eines der bekanntesten Folterinstrumente, ein aufrecht stehender Sarkophag mit Dornen in der Mitte, welcher angeblich zur Tötung eines Menschen eingesetzt wurde. Und da sind wir schon beim Punkt – angeblich!

Was ist die Eiserne Jungfrau?

Die Eiserne Jungfrau ist ein Gerät, das zur Folterung und Hinrichtung von Menschen benutzt worden sein soll. Es handelt sich um einen hölzernen oder metallenen Hohlkörper, meist in Frauengestalt, der mit nach innen stehenden Nägeln oder Dornen beschlagen war.

Links: Zeichnung einer Eisernen Jungfrau – Rechts: Die Eiserne Jungfrau von Nürnberg im Kriminalmuseum in Rothenburg o.d.T.

Ist sie ein Mythos?

Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts häufen sich Berichte über Eiserne Jungfrauen. Literatur und Zeitungen nehmen sich ihrer an. Museen zeigen ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisernen Jungfrauen in großen Ausstellungen. Die Menschen sind abgestoßen von der Grausamkeit der Folter- und Hinrichtungsmethoden des Mittelalters und zahlenden Gäste kommen in Scharen.

Doch die Geschichte schreibt ein anderes Bild von der Eisernen Jungfrau. Wäre die Eiserne Jungfrau ein Folterinstrument gewesen, müsste es dafür schriftliche Belege geben. Die Folter war seinerzeit ein „Beweisgewinnungsverfahren“ mit dem Ziel eines Geständnisses. Von Gesetzes wegen musste jede Tortur protokolliert werden. Und so finden wir in Archiven unzählige überlieferte Folterprotokolle, allerdings bislang noch kein einziges, das eine Tortur mit der Eisernen Jungfrau belegt. Auch gibt es keine Belege dafür, dass die Eiserne Jungfrau nur zur Hinrichtung eingesetzt wurde.

Die Eiserne Jungfrau wird gründlich untersucht

Das Kriminalmuseum in Rothenburg o.d.T. hatte die Eiserne Jungfrau aus Nürnberg in den 1960er Jahren erworben und sie gründlich untersuchen lassen. Danach ist der Mantel auf das 15./16. Jahrhundert zu datieren (vermutlich aus Böhmen) und wurde als Ehrenstrafvollzugsgerät verwendet, als Schandmantel. Die metallenen Dornen hingegen waren nachträglich angebrachte französische Tüllenbajonette aus den Befreiungskriegen (1813-1815). So spricht derzeit alles dafür, dass die Eiserne Jungfrau von Nürnberg gar kein Folter- oder Hinrichtungsgegenstand war, sondern „nur“ ein Schandmantel. Dieser wurde im 19. Jahrhundert mit metallenen Spitzen bestückt und das Exponat damit verfälscht, um ein gruseliges Ausstellungsstück für zahlende Gäste vorweisen zu können.

Der Schandmantel

Ein Schandmantel, auch Schandtonne und Spanischer Mantel genannt, war ein Strafinstrument ab dem 13. Jahrhundert. Die aus Holz gefertigten Mäntel, die mitunter innen mit Blech ausgelegt waren, wurden zum Vollzug von Ehrenstrafen eingesetzt. Die damit Bestraften hatten sich häufig der Beschädigung des Waldes oder der Prostitution schuldig gemacht. Wer ihn umgelegt bekam, durfte beschimpft, geohrfeigt und mit Unrat beworfen werden. Die Schandtonne enthielt teilweise am unteren Rand sowie an der Halsöffnung Gewichte, um die Pein des Delinquenten zu erhöhen, was jedoch nicht tödlich war.

Schlussendlich… Täuschung ist alles, um zahlenden Kunden anzulocken

Im 19. Jahrhundert wurde der Schandmantel als Tötungsinstrument fehlinterpretiert: Als Eiserne Jungfrau sollen Henker mit den Schandmänteln Hinrichtungen vorgenommen haben. Dazu seien die Schandmäntel innen mit Dornen versehen gewesen. Wie der Rechtshistoriker Wolfgang Schild  von der Universität Bielefeld nachweisen konnte, waren solche Eisernen Jungfrauen aus musealen Fundstücken zusammengesetzte Schaustücke.

Quellen:

Der Sonntagsausflug: Auf zur Hinrichtung!

Heute ist der 27. August. Im Jahr 1824 wurde auf den Tag genau mitten in Leipzig Johann Christian Woyzeck hingerichtet. Er hatte seine Geliebte, die Chirurgenwitwe Johanna Christiane Woost, aus dem Hinterhalt ermordet.

Porträt von Johann Christian Woyzeck, Datum unbekannt – Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

Woyzecks Leben und Tod

Woyzeck wurde am 3. Januar 1780 in Leipzig geboren und wuchs auch dort auf. Als er noch ein Kind war, verstarben seine Eltern. In Leipzig begann er eine Lehre als Perückenmacher. Schließlich reiste er viel umher. Mit einer Frau in Stralsund hatte er ein Kind, heiratete sie jedoch nicht. Als er wieder nach Leipzig zurück kehrte, begann er ein Verhältnis mit der Witwe Woost.

Er fing an zu trinken und wurde eifersüchtig, da Woost Kontakte zu anderen Soldaten hatte. Er misshandelte sie häufig, wechselte seine Unterkünfte genauso wie seine Berufe. Woyzeck hörte Stimmen, die ihn aufforderten, seine Geliebte umzubringen. Er ignorierte die Stimmen, misshandelte Woost aber weiterhin. Irgendwann kaufte sich Woyzeck von dem wenigen Geld, das er hatte, eine abgebrochene Degenklinge, welche er mit einem Griff versah.

Am 21. Juni 1821 verabredeten sich Woyzeck und Woost. Sie war jedoch nicht da, sondern traf sich mit einem Soldaten. Woyzeck begegnete ihr am Abend und erstach sie. Er stellte sich noch am selben Abend der Polizei.

Der Prozess gegen Woyzeck zog sich über drei Jahre hin, bis er schließlich auf dem Leipziger Marktplatz vor tausenden von Zuschauern 1824 geköpft wurde.

Darstellung von Woyzecks Hinrichtung – Christian Gottfried Heinrich Geißler (1770–1844) – Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

28. August 2017

Die Schaubühne Lindenfels stellt in einer Soundinstallation Woyzecks Hinrichtung mitten auf dem Markt in der Leipziger Innenstadt nach und die Gruseltour ist mittendrin!

Hier nun einige Impressionen der „Hinrichtung“.

Da es eine Soundinstallation war, wurde ein Hörspiel über Woyzecks Hinrichtung auf dem Marktplatz abgespielt. Theaterschauspieler sind (leider) nicht aufgetreten. Somit ist kein Henker oder Woyzeck zu sehen. Was wir etwas schade fanden. Das Schafott wurde in Form eines weißen Würfels dargestellt. Auf dem Schafott stand ein Stuhl. In Leipzig wurden die Delinquenten im Sitzen geköpft. Der Henker stand hinter ihnen.

Durch diesen Gang ist Woyzeck Richtung Schafott geschritten. Statt den Menschen waren 1824 links und rechts Soldaten, die jeden Schritt Woyzecks beäugten.

Das Schafott wird durch einen weißen Kubus dargestellt. Die Soldaten wurden um das Schafott platziert. Hier von Puppen nachgestellt.

Ein weißer Stuhl steht auf dem Kubus, der das Schafott darstellen soll. Auf solch einem Stuhl setzte sich Woyzeck auch zum letzen Mal. Der Henker stand hinter ihm. Das auf ihn zukommende Schwert konnte er nicht sehen.

Quellen:

Anna und ihr leeres Grab

Wir schildern euch heute die schreckliche und tragische Lebensgeschichte von Anna Spreckels. Über Annas Geburt ist nicht viel bekannt. Sie wurde wahrscheinlich am 24. November 1808 (nach manchen Angaben auch 1809) im niedersächsischen Blumenthal geboren. Ihr Tod ist dagegen in tiefer Erinnerung der Gemeinde geblieben.

2008 erschien ein historischer Roman über die Lebensgeschichte von Anna

Annas kurzes Leben – geprägt von Schlägen und Mord

Anna und Claus Meyer sind ein junges Liebespaar. Sie wollen heiraten, aber Claus wird zum Militärdienst eingezogen. Annas Mutter und Annas Vormund arrangieren eine neue Ehe für die damals 24-Jährige. Sie soll den Vater von Claus heiraten. Er heißt Cord Meyer und ist 31 Jahre älter als Anna. Die verwitwete Mutter von Anna ist zu diesem Zeitpunkt bereits sehr krank und sie hofft auf einen gesicherten Lebensabend auf dem Hof des neuen Schwiegersohnes Cord.

Natürlich ist Anna keine glückliche Braut. Es stellt sich auch heraus, dass Cord Meyer sadistisch veranlagt ist und schon etliche Verbrechen begangen hat. Er geht mit Härte gegen seine junge Ehefrau vor, da sie sich ihm verweigert. Demütigungen und Schläge bekommt Anna fast täglich zu spüren. Auch soll er Annas Mutter misshandeln. Bald kehrt Claus vom Militär zurück und sieht seine Geliebte mit seinem Vater. Auch Claus leidet unter den Anfeindungen und Schlägen seines Vaters.

Claus und Anna beschließen Cord Meyer umzubringen, um aus der heimischen Hölle zu entfliehen. Anna ist zusätzlich auch noch von Claus schwanger. Sie und ihr ungeborenes Kind sind nun akut bedroht – nicht nur durch die ständigen Misshandlungen. Der Alte will seine Frau anzeigen und seinem Sohn die in Aussicht stehenden Hofübernahme verweigern. Auf „blutschänderischen“ Umgang und unehelichen Beischlaf steht Gefängnis. Anna versucht ihren Ehemann zu vergiften, aber es gelingt nicht. Am 11. März 1833 schafften sie es aber, ihren Peiniger los zu werden. Claus und Anna erdrosseln ihn.

Die Verhaftung des Liebespaares

Die Mörder von Cord Meyer sind schnell gefasst. Für die schwangere Anna und Claus beginnt nun ein Martyrium in einem Kerker in Himmelpforten. Vor allem Anna wird als „liederliche Schlampe mit dem Hang zum männlichen Geschlecht“ und „sündhaften Begierden“ von den Anklägern in den Akten dargestellt. Beiden wird unter anderem Verwandtenmord vorgeworfen. Nach fünf Monaten im Kerker erhalten sie ihr Urteil:

In Untersuchungssachen des öffentlichen Anklägers wider der verwitweten Anna Sophie Meyer, geb. Spreckels, aus Blumenthal, Kriminalamt Himmelpforten. Angeklagt wegen Verwandtenmordes, Ehebruchs und versuchter Vergiftung, wurd von uns, Wilhelm, dem Vierten, von Gottes Gnaden, König des vereinigten Reichs Großbritannien und Irland, auch König von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, nach den ergangenen Akten für Recht erkannt: Das die Angeklagte, weil sie geständig und rechtlich überführt zu halten ist, gemeinschaftlich mit ihrem Stiefsohn, dem Mitangeklagten Claus Friedrich Meyer ihren Ehegatten Cord Meyer in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1833 vorsätzlich und mit Überlegung getötet, außerdem nebst ihren genannten Stiefsohn das Verbrechen der versuchten Vergiftung des Cord Meyer wie auch des Ehebruchs und der Blutschande sich schuldig gemacht zu haben, sich selbst zur wohlverdienten Strafe, anderen aber zum abschreckenden Beispiel, nach vorgängiger Ausschleifung zum Richtplatze, mit dem Rad durch Zerstoßung ihrer Glieder mit eisernen Keulen von oben herab, vom Leben zum Tode zu bringen und nach vollbrachter Hinrichtung die Leiche öffentlich auf das Rad zu legen, ihr Vermögen auch so weit solches reicht, zur Erstattung der Untersuchungskosten zu verwenden.

Die Wahrheit über den ermordeten Cord Meyer

Aufgrund ihrer Schwangerschaft wird Anna Hafterleichterung gewährt. Sie kann sich in Himmelpforten relativ frei bewegen, geht sogar zur Kirche. So kann sie erzählen, was sie zum Mord getrieben hat. Cord Meyer hat anscheinend seinem Sohn mit Absicht die Braut genommen. Als auch noch bekannt wird, dass der Ermordete selbst mehrere Morde und Raubzüge auf dem Gewissen hatte, schlägt die anfängliche Abscheu der Himmelpforter Bevölkerung gegen Anna in Mitleid um.

Die örtliche Justiz bittet die hannoverische Regierung daher, die beiden Täter nicht der Knochenmühle des Räderns auszusetzen, sondern sie vom Scharfrichter mit dem Schwert enthaupten zu lassen. Und Ihre Majestät zeigt sich „gnädig“.

Anna bekommt ihr Kind in der Haft. Sie entbindet eine Tochter, welche in ein Waisenhaus in Hannover gegeben wurde.

Die Hinrichtung und das leere Grab

Schließlich ist es am 24. Juli 1835 in Himmelpfort soweit. Die Hinrichtung der beiden steht an. Schulkinder singen, während Anna und Claus zum Richtplatz transportiert werden. Es heißt, der Henker gewährte den Verliebten noch einen letzten Kuss. Dann schwingt er zunächst sein Schwert gegen Claus. Zu der Hinrichtung versammeln sich tausende Schaulustige. Die beiden Hingerichteten werden schließlich an der Richtstätte in ungeweihter Erde beerdigt. Doch an diesem Platz ist nach kurzer Zeit nur ein leeres Grab vorzufinden. Die Leichen müssen heimlich exhumiert und nach christlichem Ritual erneut bestattet worden sein. Wahrscheinlich mit einer stillschweigenden Duldung der Kirche.

Quellen:

Kerker im Zentrum von Leipzig

Gestern war in Halle und Leipzig Museumsnacht. Neben den bekannten Museen hatte auch das Verlies unter dem Alten Rathaus, im Zentrum Leipzigs, seine Pforten für die Gäste geöffnet. Das konnte sich die Gruseltour natürlich nicht entgehen lassen. Wir mussten uns die alten Folterkeller und Kerker genauer anschauen.

Unser Gruseltour-Guide, die schwarze Witwe von Leipzig Friederike, fühlte sich sichtlich heimisch im Verlies unter dem Alten Rathaus – Eigenes Foto vom 6.5.2017

Folterkeller seit dem Mittelalter

Das Alte Rathaus zu Leipzig wurde 1556 von dem kurfürstlichen Baumeister Hieronymus Lotter errichtet. Jedoch existierten die darunter gelegenen Kellergewölbe schon seit dem 13. Jahrhundert. Damals wurden sie vor allem als Verlies und Folterkammer genutzt.

Über einen Eingang auf der Rückseite des Alten Rathauses kommt der Besucher in die Verliese. Es geht einige Stufen herunter und man gelangt in einen Vorraum. Der wurde jedoch nicht als Folterkeller benutzt, erklärt uns die Museumspädagogin Dana Albertus, dennoch befinden sich dort heutzutage Foltergeräte. Diese wurden aber vor einigen Jahren von straffälligen Jugendlichen im Rahmen eines Projektes nachgebaut. Der Gast sieht eine Streckbank, Schandgeigen und einen Stachelstuhl. Den eigentlichen Folterkeller kann man nicht anschauen. Dort steht mittlerweile die Belüftungsanlage für das Restaurant darüber drin. Danach wird der Gast von der Museumspädagogin weiter in die tiefen Gewölbe geführt. Nun sieht es schon so aus, wie man sich ein unterirdisches Verlies vorstellt. An den roten Backsteinwänden hängen weitere Folterinstrumente. Darunter befinden sich Daumenschrauben und Lästersteine. Als Lästerstein bezeichnete man eine Kette mit schweren Steinen, die um den Hals gelegt wurde. Das Gewicht war häufig von der Gerichtsbarkeit vorgeschrieben und es sind Werte zwischen ca. 9 bis 82 kg überliefert. Träger der Kette wurden durch die Stadt geführt oder an einem öffentlichen Platz an den Pranger gestellt. Die Museumspädagogin erklärte, dass die Leipziger Träger der Lästersteine um den Marktplatz laufen mussten.

Daumenschrauben und weitere Folterinstrumente unter dem Alten Rathaus im Verlies – Eigenes Foto vom 6.5.2017

Das Teufelsloch unter der Erde

Von dort aus sind es nur wenige Schritte, bis der Gast die Verliese zu Gesicht bekommt. Es wird davon ausgegangen, dass es fünf Verliese waren. Jedoch sind diese teilweise verschüttet. Der Gast bekommt einen Einblick in zwei Verliese. Die Verliese hatten alle verschiedene Namen und hießen zum Beispiel Teufelsloch oder Schwarzer Rabe. Die Eingekerkerten litten dort unter enormen Platzmangel. Ein ausgewachsener Mann von heute hätte in den Kammern nicht stehen können. Die Gefangenen wurden zusätzlich noch in Ketten gelegt. Eine Strohmatte lag auf dem Boden, ein Krug mit Wasser stand nebenan und ein Fäkalieneimer gab es ebenfalls. Dieser wurde aber nur selten gelehrt, so die Museumspädagogin. Es hat bestialisch gestunken. Die Gefangenen wurden von Mäusen, Ratten und Ungeziefer geplagt. Außerdem war es kalt, dunkel und feucht.

Eine Kerkerzelle unter dem Alten Rathaus – Eigenes Foto vom 6.5.2017

Eine Hinrichtung ist günstiger

Gefangene in den Verliesen waren oft nie länger als sechs Wochen eingekerkert. Für die Stadt wurden solche Gefangenen schlicht und einfach zu teuer. Eine Hinrichtung war günstiger. Manch ein Gefangener konnte aber einer Hinrichtung entgehen, indem er eine Geldstrafe bezahlte.

Die Verliese wurden bis Ende des 17. Jahrhunderts benutzt.

Quellen: