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Das Henkerhaus in Bernau

Bernau ist eine etwa zehn Kilometer nordöstlich der Grenze von Berlin gelegene Stadt in Brandenburg, welche Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet wurde.

Des Henkers Wohnstätte

Mithilfe von alten Chroniken konnte festgestellt werden, dass vom 15. bis 19. Jahrhundert ein Henker in Bernau tätig war. Noch heute kann seine Wohnstätte besucht werden. Das Henkerhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, seit dem wohnte nachweislich auch nur der Henker mit seiner Familie in diesem Haus. Durch Restaurierungsarbeiten konnte das Gebäude wieder so hergestellt werden, wie es vermutlich im 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Mittlerweie befindet sich in dem Gebäude seit 1976 eine Abteilung des Heimatmuseums Bernau. Eine Ausstellung stellt die Geschichte der Scharfrichterei dar.

Rechts im Bild ist das Henkerhaus genau neben der Stadtmauer.

Aufgaben des Henkers von Bernau

Der Henker musste natürlich richten und das Leben von Delinquenten beenden. Doch er hatte noch weitere Aufgaben. Er musste auch foltern. In dem Henkerhaus sind neben dem Richtschwert auch Folterinstrumente ausgestellt. So befinden sich Schandgeigen (Holz, welches um den Hals und die Hände fest angebracht wurde), Schandmasken (metallene Masken, welche von den Verurteilten mehrere Tage getragen wurde) und auch ein Schandstein (schwere Steine, die um den Hals gehängt wurden) im Henkerhaus. Außerdem war der Henker auch der Abdecker für Bernau und 40 umliegenden Gemeinden. „Abdecker“ war jahrhundertelang die Berufsbezeichnung für Personen, die für die Beseitigung von Tierkadavern und die Tierkörperverwertung zuständig waren. Aus der Verwertung ergaben sich Produkte wie Fette, Leim, Knochenmehl, Salmiak, Seife, Bleichmittel und Viehfutter. Die Bauern waren verpflichtet, sämtliche Tierkadaver an den Abdecker zu übergeben. Dieser verwertete die Reste und vergrub oder verbrannte, was nicht mehr verwertet werden konnte. Daher konnte es rund um die Abdeckerei enorm stinken. Niemand wollte die Abdeckerei in iher Nachbarschaft haben.

Abdeckerei, Ölgemälde (1909) von William Orpen

Hexenprozesse in Bernau

Ferner war der Henker auch zuständig um angebliche Hexen und Zauberer zu richten. In der Chronik von Tobias Seiler 1736 sind die Namen von 25 Frauen und 3 Männern verzeichnet, denen zwischen 1536 und 1658 in Bernau der Hexenprozess gemacht wurde. Am 31.10.2005 wurde eine Gedenktafel für die Opfer neben dem Henkerhaus errichtet.

Die 2005 errichtete Gedenktafel für die Opfer der Hexenprozesse in Bernau

Die Namen der Opfer sind an beiden Seiten der Gedenktafel zu lesen.

Besuch im Henkerhaus

Da das Henkerhaus mittlerweile ein Museum ist, sind Besucher erwünscht. Der Eintritt kostet laut der Webseite www.reiseland-brandenburg.de maximal nur einen Euro pro Person. Die Adresse ist: Am Henkerhaus in 16321 Bernau bei Berlin.

Quellen:

Anna Maria Schwegelin – Die letzte „Hexe“ Deutschlands

Anna Maria Schwegelin wurde 1729 im bayrischen Lachen geboren, war eine Dienstmagd und wurde 1775 als Hexe zum Tode verurteilt. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und wurde katholisch erzogen, wechselte aber zum lutherischen Bekenntnis. Aufgrund eines Beinleidens kam sie in ein Leprosenhaus – eine Einrichtung für Leprakranke, welche von der Bevölkerung abgeschnitten war, um die Verbreitung der Krankheit zu vermeiden. Mit Anfang 40 hatte sich in der Schwegelin die Vorstellung verfestigt, dass sie mit dem Teufel ein Bündnis eingegangen sei. Ihre Andeutungen und merkwürdige Vorfälle diesbezüglich führten schließlich dazu, dass eine Mitinsassin die Schwegelin im Februar 1775 bei der örtlichen Obrigkeit anzeigte, worauf sie in das nahegelegenen Gefängnis gebracht wurde. Wie sie später im Verhör angab, habe der Teufel sie kurz nach ihrem Glaubenswechsel missbraucht und sie genötigt, sich ihm zu unterwerfen und Gott abzuschwören. Ohne gefoltert zu werden, gestand die Schwegelin den Teufelspakt ein, bestritt allerdings, jemals einen Schadenzauber ausgeübt zu haben. Dennoch sollte sie mit dem Schwert hingerichtet werden. Das Urteil wurde jedoch nie vollstreckt, da sie noch davor 1781 im Gefängnis verstarb.

Mittlerweile gibt es mehrere Romane zu diesem Thema. Für die Dramatik wird die Schwegelin aber meistens in diesen Büchern hingerichtet.

Anna Schwegelin

Der verfluchte Hexenbürgermeister

Die in Westfalen gelegene Stadt Lemgo erwarb sich zwischen 1580 und 1670 durch eine hohe Zahl an Hexenprozessen den Rufnamen „das Hexennest“. Mitte des 17. Jahrhunderts regierte dort der sogenannte „Hexenbürgermeister“, der unschuldige Menschen verurteilte und sich persönlich daran bereicherte. Insgesamt wurden in Lemgo 220 Menschen gefoltert und verurteilt. Darunter auch eine Frau, deren Mann und Kind kurz hintereinander gestorben waren. Das Gerücht, sie habe beide totgehext, nahm seinen Lauf. Die Witwe wurde öffentlich angeklagt und schließlich gefoltert. Jedoch lieferte sie bei der Folter kein Geständnis ab. Deswegen wurde die „Wasserprobe“ bei ihr durchgeführt. Dabei wurde sie vor Zuschauer gefesselt ins Wasser geworfen. Die Frau ging nicht sofort unter, was für den Ankläger bewies, dass sie mit dem Teufel im Bunde sei. Nun erwartete sie der Tod auf dem Scheiterhaufen. Bevor sie elendig verbrannte, sprach sie einen Fluch über Henker, Richter und Bürgermeister aus. Der Fluch ging wahrhaftig in Erfüllung. Nicht lange darauf wurde der Bürgermeister selber als Hexenmeister angeklagt und vor dem Rathaus in Lemgo enthauptet.

Das Foto zeigt das „Hexenbürgermeisterhaus“ um 1930. Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut und ist heutzutage ein Museum.

Hexenbürgermeisterhaus Lemgo

 

Hexenanklagen stammen nur aus dem Mittelalter?
Wohl kaum!

Höchstwahrscheinlich fand der letzte Hexenprozess in Sachsen im Jahre 1910 in Eilenburg statt. Eine Frau verklagte ein Ehepaar, sie als „Hexe“ bezeichnet zu haben. Der angeklagte Mann behauptete die Frau sei eine Hexe und hätte seinen Kindern Krankheiten angehext. Außerdem sei sie in Gestalt einer schwarzen Katze ins Haus gekommen und hätte dort Brot und Butter gestohlen.

Das Gericht verurteilte das Ehepaar zu 10 Mark Geldstrafe.

Seyfarth, Carly 1913: Aberglaube und Zauberei in der Volksmedizin Sachsens. Leipzig.

Auch heutzutage wird noch in Eilenburg zur Walpurgisnacht ein Hexenfeuer entfacht (Foto vom 30.4.2014):

walpurgisnacht 2014 eilenburg