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Das Geheimnis hinter der Eisernen Jungfrau

Die Eiserne Jungfrau – wer kennt sie nicht?

Es ist eines der bekanntesten Folterinstrumente, ein aufrecht stehender Sarkophag mit Dornen in der Mitte, welcher angeblich zur Tötung eines Menschen eingesetzt wurde. Und da sind wir schon beim Punkt – angeblich!

Was ist die Eiserne Jungfrau?

Die Eiserne Jungfrau ist ein Gerät, das zur Folterung und Hinrichtung von Menschen benutzt worden sein soll. Es handelt sich um einen hölzernen oder metallenen Hohlkörper, meist in Frauengestalt, der mit nach innen stehenden Nägeln oder Dornen beschlagen war.

Links: Zeichnung einer Eisernen Jungfrau – Rechts: Die Eiserne Jungfrau von Nürnberg im Kriminalmuseum in Rothenburg o.d.T.

Ist sie ein Mythos?

Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts häufen sich Berichte über Eiserne Jungfrauen. Literatur und Zeitungen nehmen sich ihrer an. Museen zeigen ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisernen Jungfrauen in großen Ausstellungen. Die Menschen sind abgestoßen von der Grausamkeit der Folter- und Hinrichtungsmethoden des Mittelalters und zahlenden Gäste kommen in Scharen.

Doch die Geschichte schreibt ein anderes Bild von der Eisernen Jungfrau. Wäre die Eiserne Jungfrau ein Folterinstrument gewesen, müsste es dafür schriftliche Belege geben. Die Folter war seinerzeit ein „Beweisgewinnungsverfahren“ mit dem Ziel eines Geständnisses. Von Gesetzes wegen musste jede Tortur protokolliert werden. Und so finden wir in Archiven unzählige überlieferte Folterprotokolle, allerdings bislang noch kein einziges, das eine Tortur mit der Eisernen Jungfrau belegt. Auch gibt es keine Belege dafür, dass die Eiserne Jungfrau nur zur Hinrichtung eingesetzt wurde.

Die Eiserne Jungfrau wird gründlich untersucht

Das Kriminalmuseum in Rothenburg o.d.T. hatte die Eiserne Jungfrau aus Nürnberg in den 1960er Jahren erworben und sie gründlich untersuchen lassen. Danach ist der Mantel auf das 15./16. Jahrhundert zu datieren (vermutlich aus Böhmen) und wurde als Ehrenstrafvollzugsgerät verwendet, als Schandmantel. Die metallenen Dornen hingegen waren nachträglich angebrachte französische Tüllenbajonette aus den Befreiungskriegen (1813-1815). So spricht derzeit alles dafür, dass die Eiserne Jungfrau von Nürnberg gar kein Folter- oder Hinrichtungsgegenstand war, sondern „nur“ ein Schandmantel. Dieser wurde im 19. Jahrhundert mit metallenen Spitzen bestückt und das Exponat damit verfälscht, um ein gruseliges Ausstellungsstück für zahlende Gäste vorweisen zu können.

Der Schandmantel

Ein Schandmantel, auch Schandtonne und Spanischer Mantel genannt, war ein Strafinstrument ab dem 13. Jahrhundert. Die aus Holz gefertigten Mäntel, die mitunter innen mit Blech ausgelegt waren, wurden zum Vollzug von Ehrenstrafen eingesetzt. Die damit Bestraften hatten sich häufig der Beschädigung des Waldes oder der Prostitution schuldig gemacht. Wer ihn umgelegt bekam, durfte beschimpft, geohrfeigt und mit Unrat beworfen werden. Die Schandtonne enthielt teilweise am unteren Rand sowie an der Halsöffnung Gewichte, um die Pein des Delinquenten zu erhöhen, was jedoch nicht tödlich war.

Schlussendlich… Täuschung ist alles, um zahlenden Kunden anzulocken

Im 19. Jahrhundert wurde der Schandmantel als Tötungsinstrument fehlinterpretiert: Als Eiserne Jungfrau sollen Henker mit den Schandmänteln Hinrichtungen vorgenommen haben. Dazu seien die Schandmäntel innen mit Dornen versehen gewesen. Wie der Rechtshistoriker Wolfgang Schild  von der Universität Bielefeld nachweisen konnte, waren solche Eisernen Jungfrauen aus musealen Fundstücken zusammengesetzte Schaustücke.

Quellen:

Post aus der Hölle auf Erden – Der Junius-Brief

Im 17. Jahrhundert wütete die Hexenverfolgung in Bamberg. In Bamberg sterben in der Verfolgungswelle bis 1632 etwa 1.000 vermeintliche Hexen und Hexer. Das ist fast jeder zehnte Bewohner. Es kann davon ausgegangen werden, dass darunter circa 25% Männer waren. Es gab ein eigens erbautes Hexenhaus, wo ein extra dafür angestellter Scharfrichter die angeblichen Teufelsanbeter folterte. Drei Hexenkommissare begutachteten die Gefolterten und notierten deren Aussagen.

In Bamberg war niemand vor der Folter und dem Tod auf dem Scheiterhaufen sicher. Eifersüchtige Nachbarn, abgelehnte Verehrer oder Neider, welche es auf das politische Amt einer Person oder deren Geld abgesehen hatten, denunzierten unschuldige Menschen, um sich zu rächen oder zu bereichern.

Ein Brief aus der Hölle auf Erden

Die Aufzeichnungen von der Folter sind natürlich einseitig – nur die Hexenkommissare beschrieben die Situation. Doch es gelang dem damaligen -als Hexer angeklagten- Bamberger Bürgermeister Johannes Junius einen Brief heimlich aus der Gefangenschaft an seine Tochter zu schicken, während er mehrere Tage lang gefoltert wurde.

Schon seine Frau wurde vorher gefoltert und als Hexe verurteilt. Im Juni 1628 wird auch er des Verdachts bezichtigt, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Nach sechs Tagen der Folter ist Junius Widerstand gebrochen. Er gesteht ein Hexer zu sein. Junius wird weiter gefoltert, bis er Namen von anderen angeblichen Hexen und Hexern nennt.

Im Juli schreibt Junius heimlich einen Brief an seine Tochter. Höchstwahrscheinlich hat der Brief jedoch nie seine Tochter erreicht, dennoch ist er erhalten geblieben. So kann sich die Nachwelt ein Bild der schrecklichen Ereignisse aus dem Folterkeller machen.

Der Junius-Brief

An dem Brief hat Junius mehrere Tage geschrieben, da er aufgrund der Folter seine Hände nicht gut benutzen konnte. Der Brief ist aber dennoch sehr lang. Wir stellen euch den Brief deswegen in Auszügen dar und haben ihn in Abschnitte gegliedert.

Ausschnitt des Junius-Briefes von 1628 – Quelle: Staatsbibliothek Bamberg

Keine Chance auf einen positiven Ausgang

Bamberg 1628
Hunderttausendmal gute Nacht, herzliebe Tochter Veronika! Unschuldig bin ich in das Gefängnis gekommen, unschuldig bin ich gefoltert worden, unschuldig muss ich sterben. Denn wer in dieses Haus kommt, der muss ein Hexer werden, oder er wird so lange gefoltert, bis er etwas erdichten muss und sich erst, Gott erbarme es, etwas ausdenken muss. […]
ich sollte es freiwillig bekennen oder der Henker würde mich wohl zwingen. Ich gab zur Antwort, ich habe Gott niemals verleugnet, und ich werde es auch nicht tun. Gott solle mich auch gnädig davor behüten. Ich wollte eher alles ausstehen, was ich sollte.

Die Folter beginnt

Hierauf kam leider, Gott erbarme es im höchsten Himmel, der Henker und hat mir den Daumenstock angelegt und beide Hände zusammengebunden, bis das Blut zu den Nägeln und überall sonst heraus drang, so dass ich die Hände 4 Wochen nicht habe gebrauchen können, wie du es aus dem Schreiben ersehen kannst. […] Danach hat man mich erst aufgezogen, die Schmerzen lindern, Hände auf den Rücken gebunden und mich in der Folter in die Höhe gezogen. Da dachte ich, Himmel und Erde gingen unter. Sie haben mich auf diese Weise sechs Mal aufgezogen und wieder fallen lassen, so dass ich einen unseligen Schmerz empfand. Und dies ist alles splitternackt geschehen, denn sie haben mich splitternackt ausziehen lassen. Als mir nun unser Herrgott geholfen hat, habe ich zu ihnen gesagt, verzeihe Euch Gott, dass Ihr einen ehrlichen Mann so unschuldig quält. Ihr wollt ihn nicht allein um Leib und Seele, sondern auch um Hab und Gut bringen. […] Nur wenn es so zugeht, dann wird kein ehrlicher Mann in Bamberg sicher sein, Ihr genausowenig wie ich oder irgendein anderer. […] Ich habe mich die ganze Zeit über weder anziehen noch die Hände gebrauchen können, ganz abgesehen von den anderen Schmerzen, die ich ganz unschuldig erleiden muss.

Henkers Rat

Als nun der Henker mich wieder in das Gefängnis führte, sagte er zu mir: Herr, ich bitte Euch, um Gottes willen, bekennt etwas, sei es nun wahr oder nicht! Denkt Euch etwas aus, denn Ihr könnt die Marter nicht ausstehen, die man Euch antut. Und wenn Ihr sie auch alle aussteht, so kommt Ihr doch nicht frei, selbst wenn Ihr ein Graf wäret, sondern es folgt eine Folter auf die andere, bis Ihr sagt, Ihr seid ein Hexer, und bis Ihr etwas bekennt. Erst dann lässt man Euch zufrieden,
[…] Sie hätten die Henker schon zusammengerufen und wollten mich wieder peinigen. Er bitte auch, um Gotteswillen, ich sollte mir etwas ausdenken, denn selbst wenn ich ganz unschuldig wäre, so käme ich doch nicht wieder frei. […] So habe ich [darum] gebeten, weil es mir sehr schlecht ginge, sollte man mir einen Tag Bedenkzeit geben und einen Priester. Der Priester wurde mir abgeschlagen, aber die Zeit, mich zu bedenken, wurde mir gegeben.

Zum Lügen erzählen gezwungen

Nun, herzliebe Tochter, was meinst du, in was für einer Gefahr ich gestanden habe und [noch] stehe. Ich sollte sagen, ich sei ein Hexer und bin es nicht! Ich soll Gott erst verleugnen, ich habe es zuvor nicht getan. Ich habe Tag und Nacht sehr mit mir gerungen, schließlich kam mir in der Nacht im Gebet die Eingebung, ich sollte unbekümmert sein. Da ich keinen Priester habe [bekommen] können, mit dem ich mich beraten konnte, sollte ich mir etwas ausdenken und es einfach sagen. […] Und dies ist meine Aussage, wie folgt, sie ist aber gänzlich erlogen. Nun folgt, herzliebes Kind, was ich ausgesagt habe, wodurch ich der großen Marter und der harten Folter entgangen bin, welche ich unmöglich länger hätte ausstehen können. […] Alles, was jetzt folgt, ist meine Aussage, mit lauter Lügen, die ich angesichts der drohenden großen Folter machen musste und worauf ich sterben muss.

Junius erlogene Aussage

Nach dieser Aussage sei ich auf mein Feld beim Friedrichsbrunnen gegangen, [und] ganz bekümmert habe ich mich dort niedergesetzt. Da sei eine Grasmagd zu mir gekommen und habe gesagt: Herr, was macht Ihr? Warum seid Ihr so traurig? Ich habe darauf gesagt, ich wüsste es nicht. Also hat sie sich näher an mich herangemacht und hat mich dahin gebracht, dass ich bei ihr gelegen hätte [Anmerkung: bei ihr gelegen habe = Sex]. Sobald dieses geschehen ist, ist sie zu einem Geißbock geworden und hat zu mir gesagt: Siehe, jetzt siehst du, mit wem du es zu tun hast. Sie hätte mir an die Gurgel gegriffen und gesagt: Du musst mein sein oder ich will dich umbringen! Da hätte ich gesagt: Behüte mich Gott davor! Da ist er verschwunden und bald wiedergekommen und hat zwei Frauen und zwei Männer mitgebracht. Ich sollte Gott verleugnen, also hätte ich es getan und Gott und das himmlische Heer verleugnet. Daraufhin hätte er mich getauft, und die zwei Frauen wären die Taufpaten gewesen. […]

Zwang andere zu denunzieren

Nun vermeinte ich, ich hätte es überstanden, da stellte man mir erst den Henker zur Seite. Wo ich auf den Tänzen gewesen wäre? Da wusste ich weder ein noch aus und besann mich, dass der Kanzler und sein Sohn und die Hopfen-Else die alte Hofhaltung, die Ratsstube und das Hauptsmoor genannt hätten – und was ich sonst noch bei den Urteilen verlesen gehört habe, diese Orte nannte ich auch. Danach sollte ich sagen, was ich für Leute dort gesehen hätte. Ich sagte, ich hätte sie nicht gekannt. Du alter Schelm, ich muss dir den Henker auf den Hals jagen! Rede weiter!
Ist der Kanzler nicht da gewesen? Da sagte ich ja.
Wer noch? Ich hätte niemanden gekannt. Da sagte er: Nimm dir eine Gasse nach der anderen vor, geh zuerst den Markt hinauf und wieder hinunter. Und somit habe ich etliche
Personen nennen müssen. Danach folgte die Lange Gasse. Ich wusste niemanden, ich habe dennoch 1 Person von dort nennen müssen, danach für den Zinkenwörth auch eine Person. Danach von der Oberen Brücke bis zum Bergtor auf beiden Seiten. Da wusste ich auch niemanden. Ob ich niemanden in der Burg wüsste, es sei egal wer, ich sollte ihn ohne Scheu nennen. Und so haben sie mich weiter nach allen Gassen befragt, doch habe ich nichts mehr sagen wollen noch können. Da haben sie mich dem Henker übergeben, der sollte
mich ausziehen, mir die Haare abschneiden und mich auf die Folter ziehen. […] Danach
sollte ich sagen, was ich für Übel gestiftet habe. Ich sagte nichts, [der Teufel] hat es wohl von mir verlangt, aber da ich es nicht tun wollte, hat er mich geschlagen. Zieht den Schelm auf! Da habe ich gesagt, ich hätte meine Kinder umbringen sollen, daher hätte ich stattdessen ein Pferd umgebracht.  […]

Vor der Folter ist niemand sicher

Nun, herzliebes Kind, da hast du alle meine Aussagen und ihren Verlauf, auf die ich sterben muss. Und es sind lauter Lügen und erfundene Sachen, so wahr mir Gott helfe. […] Denn sie lassen mit dem Foltern nicht nach, bis man etwas sagt. Man kann so fromm sein, wie man will, man wird doch zum Hexer. Es kommt auch niemand frei, selbst wenn er ein Graf wäre, und wenn Gott kein Mittel schickt, so dass die Wahrheit an den Tag kommt, wird die ganze Familie verbrannt.
Denn es muss ein jeder Leute denunzieren, wenn man auch nichts von jemandem
weiß, so wie ich es tun musste. […]

Angst um seine Tochter

Herzliebes Kind, ich weiß, dass du so fromm bist wie ich. Dennoch wurdest du schon etliche Male besagt [Anmerkung: besagt = als Hexerin denunziert], und wenn ich dir einen Rat geben soll, so solltest du dem , was du an Geld und Briefen hast, nehmen, und dich etwa ein halbes Jahr auf eine Wallfahrt begeben […].
Das rate ich dir, bis man sieht, worauf es hinausläuft. Denn so mancher ehrliche Mann und manche ehrliche Frau geht in Bamberg in die Kirche und zu seinen anderen Geschäften. Er weiß nichts Böses [und] hat ein gutes Gewissen, genau wie ich bisher, wie du weißt, bis
zu meiner Gefangennahme. […] Liebes Kind, dieses Schreiben halte verborgen, damit es nicht unter die Leute kommt, sonst werde ich dermaßen gefoltert, dass es zum Erbarmen ist, und die Wächter würden geköpft, so sehr ist es verboten. […]

Sterbegruß – Tausendmal gute Nacht

Ich habe etliche Tage an diesem Schreiben geschrieben, es sind meine Hände ganz
lahm, ich bin halt gar übel zugerichtet. Ich bitte dich um des Jüngsten Gerichts willen, halte das Schreiben in guter Obhut und bete für mich als deinen Vater, für einen wahren Märtyrer. Nach meinem Tod tue, was du willst, doch hüte dich, dass du das Schreiben nicht bekannt machst. […] Du darfst [getrost] darauf schwören, dass ich kein Hexer, sondern ein Märtyrer bin, der hiermit stirbt. Tausendmal gute Nacht, denn dein Vater Johannes Junius sieht dich nimmermehr.

24. Juli 1628

Tod auf dem Scheiterhaufen

Am 6. August 1628 wurde Johannes Junius auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

Kupferstich einer Folter bei der Hexenverfolgung in Bamberg ©Stadt Bamberg

Quellen:

Meister Franz und sein Tagebuch des Todes

Franz Schmidt (geboren ca. 1555 in Hof; begraben am 14. Juni 1634 in Nürnberg), auch Meister Franz (oder Meister Frantz) genannt, war ein deutscher Henker.

Franz Schmidt bei der Hinrichtung von Hans Fröschel, 1591. Diese Zeichnung aus Gerichtsunterlagen ist die einzige verlässliche Darstellung des Scharfrichters.

Des Henkers Leben und Arbeit

Franz Schmidt wuchs in einer Henkersfamilie auf. Sein Vater war in Bamberg als Henker tätig. So war Schmidt zunächst von 1573 bis April 1578 Scharfrichter in der Gegend von Bamberg und vom 1. Mai 1578 bis Ende 1617 Scharfrichter in Nürnberg. Am 7. Dezember 1579 heiratete er Maria Beck (auch: Peck) († 1600), mit der er sieben Kinder hatte, von denen ihn zwei Töchter und zwei Söhne überlebten.

Seine erste Hinrichtung führte er im Jahre 1573 im Alter von 19 Jahren durch und seine erste Enthauptung schaffte Franz Schmidt mit einem einzigen Schwerthieb. Das gelang nicht allen Scharfrichtern. Oftmals mussten diese mehrere Schläge ausführen, bis der Kopf vom Rumpf getrennt war.

Schmidt vollzog Exekutionen mit dem Strang, dem Schwert, dem Rad, dem Feuer und durch das Wasser. Dabei war das Rädern den Fällen schwerster Gewaltkriminalität vorbehalten, Verbrennungen vollzog Meister Franz in seiner gesamten Berufslaufbahn nur zweimal (homosexuelle Unzucht und Falschmünzerei). Das Ertränken galt den Kindsmörderinnen. Schmidt schaffte es, diese grausame und langwierige Art der Hinrichtung an Kindsmörderinnen abzuschaffen. Er richtete sie mit dem Schwert, um ihnen ein langes Leiden zu ersparen. Als Vollstrecker von Leibstrafen schnitt Meister Franz den Delinquenten die Zunge ab, peitschte sie aus oder hackte ihnen Gliedmaßen ab. Außerdem fielen Ehrenstrafen in seinen Zuständigkeitsbereich. Diese Rechtsbrecher stellte Schmidt an den Pranger, legte sie in Ketten oder setzte ihnen die Schandmaske auf. Als Henker war Schmidt auch Chef der Folter.

Er beherrschte sein Handwerk perfekt und wurde deshalb schnell als „Meister Franz“ bekannt.

Schmidt beließ es aber nicht nur bei der Hinrichtung. Er dürfte die Hingerichteten sogar sezieren. Der Nürnberger Rat erließ hierfür folgenden Passus: „(…) den enthaupteten cörper zu schneiden und, was ime zu seiner arznei dienstlich, davon zu nehmen …“

1617 oder 1618 legte er sein Handwerk nieder.

Jedoch interessierte ihn der menschliche Körper nach wie vor. So machte er in seinem Ruhestand eine Wundarztpraxis auf. Seine Kenntnisse über den Körper waren ihm von großen Vorteil.

Sein Tagebuch des Todes

Von 1573 bis 1617 führte Franz Schmidt ein detailliertes Verzeichnis der von ihm vollzogenen Strafen. Die einzelnen Einträge enthalten Datum, Ort und Methode der Exekution, Name, Herkunft und Stand des Verurteilten und – in späteren Jahren ausführlicher als in den früheren Angaben – Schilderungen der dem Urteil zugrunde liegenden Verbrechen.

Einige Beispiele aus dem Tagebuch Schmidts:
„17.10.1587, Christoph Schmidt von Nürnberg, ein Büttner und Dieb, so wegen Dieberei das Land verboten worden; ist aber in die Badestuben gegangen, hat schlechte Kleider angelegt, wann er aus dem Bad gegangen ist, die besten anderer anderer angezogen, seine alten an die Statt gelegt und sonsten überall viel gestohlen; allhie mit dem Strang gerichtet.“

„6.11.1595, Hans Siegert von Pollingen bei Neumarkt, einen Bauernknecht welcher einen Schneider in Sündersbühl mit einem dreicketen Zaunstecken erschlagen, allhie mit dem Schwert gerichtet. Hat den ganzen Weg geweint, bis er niederkniet.“

„22.1.1600, Veit Willet von Güntersbühl, ein Rosstäuscher welcher die Leut fälschlich betrogen mit Kaufen. Allhie mit dem Schwert gerichtet, welcher zuvor zu Pappenheim mit Ruten ausgestrichen worden und dem zu Schwabach beide Ohren abgeschnitten waren.“

18.1.1603, Hans Marti, einen Besenbinder, ein Bleichdieb, der den Bleichern auf der Deutschen-Herren-Bleich, Mögeldorf, Galgenhof, Tafelhof über 2000 Ellen Tuch von der Bleich gestohlen; mit dem Strang gerichtet.“

Sein letzter Eintrag in seinem Arbeitsbuch lautet:
„Ende der Leibs straffen
Summa Summarum aller derer. So vom Leben zum Thodt, seyndt durch Franz Schmidt hiesigen Nürnbergischen Scharff richter, hingerichtet worden
361 Persohnen
Ferner so am Leib gestrafft und mit Ruden auß streichen, Ohren abschneiden und Finger abschlagen worden
345 Persohnen
Damit hat er seinen dienst auff geben, und wider redlich gemacht worden“

Quellen:

 

Das Henkerhaus in Bernau

Bernau ist eine etwa zehn Kilometer nordöstlich der Grenze von Berlin gelegene Stadt in Brandenburg, welche Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet wurde.

Des Henkers Wohnstätte

Mithilfe von alten Chroniken konnte festgestellt werden, dass vom 15. bis 19. Jahrhundert ein Henker in Bernau tätig war. Noch heute kann seine Wohnstätte besucht werden. Das Henkerhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, seit dem wohnte nachweislich auch nur der Henker mit seiner Familie in diesem Haus. Durch Restaurierungsarbeiten konnte das Gebäude wieder so hergestellt werden, wie es vermutlich im 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Mittlerweie befindet sich in dem Gebäude seit 1976 eine Abteilung des Heimatmuseums Bernau. Eine Ausstellung stellt die Geschichte der Scharfrichterei dar.

Rechts im Bild ist das Henkerhaus genau neben der Stadtmauer.

Aufgaben des Henkers von Bernau

Der Henker musste natürlich richten und das Leben von Delinquenten beenden. Doch er hatte noch weitere Aufgaben. Er musste auch foltern. In dem Henkerhaus sind neben dem Richtschwert auch Folterinstrumente ausgestellt. So befinden sich Schandgeigen (Holz, welches um den Hals und die Hände fest angebracht wurde), Schandmasken (metallene Masken, welche von den Verurteilten mehrere Tage getragen wurde) und auch ein Schandstein (schwere Steine, die um den Hals gehängt wurden) im Henkerhaus. Außerdem war der Henker auch der Abdecker für Bernau und 40 umliegenden Gemeinden. „Abdecker“ war jahrhundertelang die Berufsbezeichnung für Personen, die für die Beseitigung von Tierkadavern und die Tierkörperverwertung zuständig waren. Aus der Verwertung ergaben sich Produkte wie Fette, Leim, Knochenmehl, Salmiak, Seife, Bleichmittel und Viehfutter. Die Bauern waren verpflichtet, sämtliche Tierkadaver an den Abdecker zu übergeben. Dieser verwertete die Reste und vergrub oder verbrannte, was nicht mehr verwertet werden konnte. Daher konnte es rund um die Abdeckerei enorm stinken. Niemand wollte die Abdeckerei in iher Nachbarschaft haben.

Abdeckerei, Ölgemälde (1909) von William Orpen

Hexenprozesse in Bernau

Ferner war der Henker auch zuständig um angebliche Hexen und Zauberer zu richten. In der Chronik von Tobias Seiler 1736 sind die Namen von 25 Frauen und 3 Männern verzeichnet, denen zwischen 1536 und 1658 in Bernau der Hexenprozess gemacht wurde. Am 31.10.2005 wurde eine Gedenktafel für die Opfer neben dem Henkerhaus errichtet.

Die 2005 errichtete Gedenktafel für die Opfer der Hexenprozesse in Bernau

Die Namen der Opfer sind an beiden Seiten der Gedenktafel zu lesen.

Besuch im Henkerhaus

Da das Henkerhaus mittlerweile ein Museum ist, sind Besucher erwünscht. Der Eintritt kostet laut der Webseite www.reiseland-brandenburg.de maximal nur einen Euro pro Person. Die Adresse ist: Am Henkerhaus in 16321 Bernau bei Berlin.

Quellen:

Hände von Toten als Glücksbringer!

Als „Totenhand“ werden die abgetrennten Hände von Verstorbenen bezeichnet. Besonders von Hingerichteten galten sie in der Volksmedizin Europas als Talisman. Den Totenhänden wurde die Fähigkeit nachgesagt, verschlossene Türen und Tore zu öffnen. Diese Vorstellung geht zurück auf den Blutaberglauben, laut dem Leichenteile und -säfte von Menschen und Tieren besondere magische und heilende Kräfte zugesprochen wurden. Weil es aber zu wenige Totenhände gab, wurden magische Rituale auch mit einzelnen Fingern durchgeführt. Scharfrichter verkauften nach der Hinrichtung Teile von Toten, um sich etwas dazu zuverdienen. So gelangten Totenhände auch in Apotheken.

Foto einer abgeschlagenen Totenhand und eines Pantoffels aus dem Rathaus in Münster (CC-BY-SA 2.5) :