Schlagwort-Archive: Gruselfakten

Podcast über die Psyche von Amokläufern

Was ist der Unterschied zwischen einem Terroristen und einem Amokläufer? Wie sieht es im Kopf von Amokläufern aus? Warum begehen sie solche schrecklichen Verbrechen?

Heute verlinken wir euch den ganz tollen Hoaxilla Podcast, in dem die Kriminalpsychologin und Schriftstellerin Lydia Benecke über Amokläufer spricht.

Hört in diesen wirklich sehr spannenden (und kostenlosen) Podcast rein, wenn ihr all die oben gestellten Fragen beantwortet haben wollt. Klickt dazu, einfach auf das Hoaxilla Logo.

Viel Spaß!

Hoaxilla Logo

Hoaxilla Logo

Quellen:

 

Der sechsfache Mord von Hinterkaifeck

Das oberbayerische Hinterkaifeck war der Tatort eines bis heute nicht aufgeklärten Mehrfachmordes im Jahr 1922. In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 werden auf einem Einödhof Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäzilia, seine verwitwete Tochter Victoria Gabriel, deren siebenjährige Tochter Cäzilia und der zweieinhalbjährige Sohn Josef sowie die erst vor einigen Stunden angekommene neue Magd Maria Baumgartner bestialisch mit einer Kreuzhacke ermordet.

Hof Hinterkaifeck

Das Aquarell zeigt den Hof in Hinterkaifeck. Es wurde 1923 von Max Binder einen Tag vor dem Beginn der Abrissarbeiten des Hofes fertiggestellt.

Die Geschehnisse vor der Tat in Hinterkaifeck

Schon lange vor der Tat kam es zu seltsamen Ereignissen am Hof vom Bauer Gruber. So kündigt im Herbst 1921 die junge Magd Kreszenz R. ganz überstürzt ihre Stellung am Hof. Angeblich ist ihr die Atmosphäre auf dem Hof zu angespannt und es spukt dort. Ganz unrecht hatte sie nicht. Es war bekannt, dass Andreas Gruber seine Tochter Viktoria vergewaltigt, wofür er ein Jahr ins Zuchthaus musste. Auch Viktoria musste wegen eben dieser Blutschande ins Zuchthaus – aber nur für einen Monat. Einige Tage vor der Tatnacht entdeckte der Bauer Andreas Gruber im Schnee Spuren, die zum Hof hinführten, aber nicht wieder heraus. Ebenso vermissten die Bewohner einen Haustürschlüssel. Außerdem hatte jemand an der Motorhütte des Hofes das Vorhängeschloss aufgebrochen und im Stall ein Rind losgebunden. In der Nacht hörten sie auf dem Dachboden über ihren Schlafräumen Schritte, doch Andreas Gruber fand niemanden, als er das Gebäude durchsuchte. Darüber hinaus bemerkten die Hinterkaifecker, dass das Anwesen vom Wald aus von einem Mann mit Schnauzbart beobachtet wurde.

Tatnacht vom 31. März auf den 1. April 1922

Am Nachmittag des 31. März 1922, einem Freitag, kam die neue Magd Maria Baumgartner auf dem Hof an. Das genaue Tatgeschehen konnte nicht rekonstruiert werden. Man nimmt jedoch an, dass am späten Abend die Eheleute Andreas und Cäzilia Gruber sowie deren Tochter Viktoria Gabriel und Enkelin Cäzilia Gabriel nacheinander durch eine losgebundene, unruhige Kuh in den Stall gelockt wurden. Dort wurden sie einzeln mit einer Hacke erschlagen. Wie die spätere Obduktion ergibt, ist das siebenjährige Mädchen nicht direkt verstorben, sondern musste sich noch in einem circa zweistündigen Todeskampf quälen. Die Schmerzen, welche sie durch den eingeschlagenen Schädel erlitten hat, müssen so stark gewesen sein, dass sie sich büschelweise Haare herausgerissen hat. Nur die Dienstmagd Maria Baumgartner und der zweijährige Josef kamen nicht in die Scheune. Der oder die Täter erschlug(en) beide im Schlaf.

Nach der Tatnacht

Der Mord geschah in der Nacht von Freitag auf Samstag. Es dauerte vier Tage, bis es den Mitbürgern merkwürdig vorkam, dass keiner der Bewohner mehr zu sehen war. In der Schule wurde bemerkt, dass die siebenjährige Cäzilia am Samstag, wie auch Montag und Dienstag unentschuldigt fehlte. Außerdem fiel auf, dass die Einwohner des Hofes am 2. April nicht am Sonntagsgottesdienst teilnahmen. Am Montag, dem 3. April bemerkte der Postschaffner Josef Mayer, als er nach Hinterkaifeck kam, dass sich die Post vom Samstag noch immer dort befand, wo er sie deponiert hatte, und dass anscheinend niemand auf dem Hof war. Schließlich kam noch am 4. April ein Monteur vorbei, der die Futterschneidemaschine reparieren sollte. Er bemerkte zwar, dass niemand auf dem Hof ist, reparierte dennoch fünf Stunden lang die Maschine, ohne ins Haus oder in die Scheune zu gehen. Erst dann drang der Ortsführer Lorenz Schlittenbauer, noch am selben Tag mit zwei anderen Männern, Michael Pöll und Jakob Sigl, in den Gebäudekomplex ein, wo sie die größtenteils abgedeckten Leichen entdeckten. Zunächst wurde von einem Raubmord ausgegangen, jedoch wurde viel Geld im Haus zurückgelassen.

War(en) der oder die Mörder noch nach der Tat im Haus?

Höchstwahrscheinlich hielt(en) sich der oder die Mörder noch nach der Tat auf dem Hof auf. Das Vieh wurde versorgt wurde und Rauch stieg aus dem Kamin des Bauernhauses. Außerdem entdeckte die Polizei, dass der gesamte Brotvorrat aufgebraucht und Fleisch aus der Vorratskammer frisch angeschnitten worden war. Der Monteur, welcher die Futterschneidemaschine repariert hat, sagte aus, er habe zunächst Hundegebell im Haus gehört, als er aber den Hof verließ, war der Hund vor dem Haus angebunden gewesen.

Ohne Köpfe beerdigt

Ein weiteres schreckliches Schicksal widerfuhr der Familie noch nach ihrem Tod. Um die Schädel der Mordopfer genauer zu untersuchen, wurden sie abgetrennt und in das Justizgebäude in Augsburg gebracht. Dieses Gebäude wurde jedoch bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Mordopfer wurden also ohne ihre Köpfe beerdigt und diese konnten nie wieder später mit ins Grab gelegt werden.

sarg-rahmen

Die Familie war nicht beliebt

In den 1970er Jahren wurde beim Abriss der Sakristei der St.-Vitus-Kirche in Hagelstadt ein Sterbebild der Familie in einem Kirchenbuch gefunden, das die handschriftlichen Vermerke neidisch wucherisch, in ganzer Umgegend verachtet, wg Sittlichkeit 1 Jahr, Blutschande und Strafe Gottes trägt. Wer das Bild vermutlich bereits in den 1920er Jahren beschriftete und wie oder wann es in das etwa 85 Kilometer entfernte Hagelstadt gelangte, ist nicht bekannt.

sterbebildchen

Sterbebild mit den Notizen

Die Polizei lässt Hellseherinnen befragen

Die Polizei geht vielen Spuren nach und stellt sogar eine Belohnung von 100.000 Mark aus. Doch es wurde kein Täter gefunden. Deshalb organisiert die ratlose Polizei eine Séance. Zwei weibliche Medien nutzen im Beisein des Ersten Staatsanwalts Ferdinand Renner ihre angebliche übersinnliche Gabe. Dabei haben sie die sechs Köpfe der Ermordeten vor sich liegen. Eines der Medien beschreibt einen der Täter mit den Worten: „Hat etwas Scheues an sich, häßliches Lachen, noch jünger, Furche im Gesicht, im Blick etwas Stechendes, kann sich sehr verstellen.“

Der Hof wurde schließlich 1923 abgerissen.

Wollt ihr mehr über den Mordfall Hinterkaifeck wissen? Wir empfehlen euch diesen wunderbar spannenden und kostenlosen Podcast von Hoaxilla.

Quellen:

Das Jahr ohne Sommer

Wir schreiben das Jahr 1815 und befinden uns auf einer Insel in Indonesien. Eine Insel, die 10.800 km von Deutschland entfernt ist. Dort gibt es einen riesigen Vulkan namens Tambora – ein Vulkan der um ein Vielfaches größer ist als der Vesuv in Italien. Im April 1815 bricht der Tambora aus und schleudert glühende Asche bis zu 50 km hoch in die Luft.

Tambora Der riesige Krater

Der riesige Krater des Tambora, Durchmesser: 6 km, Tiefe: über einen Kilometer

Globale Folgen des Ausbruchs

In Indonesien starben infolgedessen mindestens 71.000 Menschen. Mehrere Monate lang verteilen Winde die Staubteilchen und den Ascheregen über die ganze Erde und schirmen die Sonnenstrahlen ab. Es wird dunkel und kalt. Der Sommer des Folgejahres 1816, im Volksmund „Jahr ohne Sommer“ genannt, war der kälteste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor ungefähr 300 Jahren. Der Vulkanausbruch zieht eine schreckliche Klimaveränderung nach sich. So schneit es im Kanadischen Quebec mitten im Juni. In Mitteleuropa kam es zu schweren Unwettern. Zahlreiche Flüsse (unter anderem der Rhein) traten über die Ufer. In der Schweiz schneite es im Juli bis in die Täler. Die Folgen der niedrigen Temperaturen und der anhaltenden Regenfälle in Teilen Europas waren Missernten. Am stärksten betroffen war das Gebiet unmittelbar nördlich der Alpen: Elsass, Deutschschweiz, Baden, Württemberg, Bayern und das österreichische Vorarlberg.

Schreckliche Folgen in Deutschland

„1816/17 war ein Mißjahr, wie es seit Menschengedenken nicht gewesen ist. Es hat gar keinen Wein gegeben. Von Hundert Garben Korn hat man 6 – 7 Simmer gedroschen. Gerste
und Hafer hat es ziemlich gegeben, aber die Gerste ist halb im Felde verfault und noch im
Korn war fast der zehnte Teil vergiftet. Wenn man Kornbrot aß, sind die Leute so toll geworden, daß sie umgefallen sind. […] Die Leute haben als von Kohlraben Brot
gebacken und von lauter Kleie.“ So beschreibt der Vorsteher Bartholomäus Horn im
Damscheider Gemeindebuch, eine Gemeinde in Rheinland-Pfalz, das Hungerjahr 1816/17. Durch stetigen Regen war das Getreide vom Mutterkorn befallen, das beim Verzehr Krämpfe, Halluzinationen und Durchblutungsstörungen verursacht und sogar zum Tode führen kann. All dies führte zu Krankheiten und rapide steigender Armut. Ansteigende Prostitution, Einbrüche und Diebstähle waren die Folgen. Immer mehr Bettler zogen durch das Land. Es kam zu Flüchtlingsströmen. Zur Erinnerung an diese Zeit wurden in Deutschland mancherorts sogenannte Hungertaler geprägt; auch andere Formen von Erinnerungsstücken sind bekannt.

Hungertaler 1816 1817

Hungertaler 1816/1817 aus Bayern

Not macht erfinderisch

Die Pferde starben aufgrund des Futtermangels. Wie konnte man nun lange Strecke hinter sich bringen? Der Badener Karl Drais entwickelte daher die Draisine und meldete sie 1817 zum Patent an. In Württemberg wurde eine landwirtschaftliche Unterrichtsanstalt gegründet, die jährlich eine Leistungsschau präsentierte, woraus später sogar die Universität Hohenheim in Stuttgart entstand. Der Chemiker Justus Liebig forschte eifrig und fasste schließlich die Grundlagen für Kunstdünger zusammen.

Eine Zeit für düstere Geschichten

Die britische Schriftstellerin Mary Shelley verbrachte den Sommer 1816 mit Freunden in der Nähe des Genfersees in der Schweiz. Sie besuchten öfters Lord Byron in der nahegelegenen Villa Diodati. Aufgrund des extrem schlechten Wetters konnten die Anwesenden oft das Haus nicht verlassen. So beschlossen sie, Schauergeschichten zu schreiben und den anderen vorzutragen. Shelley schrieb die Geschichte Frankenstein. Byrons Leibarzt John Polidori (1795–1821) verfasste Der Vampyr – eine Vampirgeschichte lange vor dem Entstehen von Bram Stokers Dracula. Lord Byron vollendete seine Geschichte nicht; er verarbeitete Eindrücke dieses Sommers in dem Gedicht Die Finsternis.

Mary Shelleys Frankenstein führt uns nach Ingolstadt

Was hat Frankenstein mit Ingolstadt zu tun? Neugierig? Erfahrt mehr darüber in unserem früheren Gruselfakt. Es bleibt spannend.

Frankenstein Ausgabe

Frankenstein (Ausgabe 1831)

Quellen:

Deutsche Erstausgabe von Dracula erschien in Leipzig

„Für Schwachnervige ist es jedoch keine Lektüre […]“, so steht es in der Werbeanzeige der Leipziger Verlagsbuchhandlung Max Altmann. Sie machen Werbung für die deutsche Erstausgabe des Buches „Dracula“ von Bram Stoker, welches 1908 in Leipzig erschien. Bram Stoker selbst schrieb sein berühmtestes Werk bereits 1897. Und wisst ihr was? Die ganze Geschichte von „Dracula“ beginnt in Deutschland. Lest mehr darüber in unserem früheren Gruselfakt!

Anbei die Werbeanzeige des Leipziger Verlages und ein Foto der deutschen Erstausgabe (Foto vom Wikipedia-User Selfie765)

Dracula_WerbungStoker_Dracula

Hans Staden und die Kannibalen

Hans Staden wurde um 1525 in Homburg geboren. Er war ein deutscher Landsknecht, der in den Diensten portugiesischer Siedler war. Deshalb reiste er zweimal nach Brasilien, um vor Ort gegen Eingeborene zu kämpfen. Bei seiner ersten Reise war er 24 Jahre alt. Schon kurz nach seiner Rückkehr dieser Reise, entschloss er sich abermals nach Brasilien zu gehen. Diesmal ging die Rückkehr nicht so einfach. Viele Schiffe waren gesunken. Staden wurde von den Portugiesen als Kommandant einer kleinen Festung angestellt. Dieser Ort war den Angriffen der einheimischen Tupinambá ausgesetzt. Die Tupinambá waren Kannibalen.

Bei einem seiner Ausflüge wurde Staden von diesen Einheimischen gefangen genommen und verschleppt. Nach seinen Aussagen, sollte er von den Tupinambá rituell getötet und verspeist werden. Während seiner Gefangenschaft musste Staden sehen, wie portugiesische Mitgefangene getötet und gegessen wurden. Doch er war geschickt und konnte seinen Hinrichtungstermin immer wieder nach hinten verschieben. Das verdankte er zum einen seinem äußeren Erscheinungsbild, da er den Portugiesen nicht sehr ähnelte, welche die Hauptfeinde der Tupinambá waren. Zum anderen erklärte er den Einheimischen, dass er ein Heiler sei. Als die Tupinambá von einer Seuche heimgesucht wurden, versprach Staden dem Häuptling, sich bei Gott für dessen Heilung einzusetzen. Der Häuptling überlebte die Seuche und Staden wurde in den Status eines Heilers und Schamanen gehoben. Diesem Zufall verdankte er sein Leben.

Nach mehr als neun Monaten wurde er von einem Kapitän eines französischen Schiffes befreit. Während Stadens Gefangenschaft beobachtete er die Einheimischen, ihre Lebensgewohnheiten, aber auch die Flora und Fauna vor Ort. Er verfasste nach seiner zweiten Rückkehr ein Buch namens „Warhaftige Historia und beschreibung eyner Landtschafft der Wilden Nacketen, Grimmigen Menschfresser-Leuthen in der Newenwelt America gelegen“(1557) über seine zwei Reisen nach Brasilien. Es war das erste ausführliche Buch über Brasilien in Deutschland im 16. Jahrhundert.

Kupferstich angefertigt nach den Beschreibungen von Staden 1557, Hans Staden nach H.J. Winkelmann 1664 und Stadens Werk:Kannibalen nach Stadens Beschreibung Kupferstich von 1557 Hans_Staden Wahrhaftig Historia von Hans Staden