Schlagwort-Archive: Giftmörderin

Gerädert! Das Ende der Giftmörderin Susanne Hoyer

Von Susanne Hoyers Leben ist nicht viel überliefert. Es gibt leider kein Bild von ihr. Bekannt ist aber, dass sie in Waldkirchen im Erzgebirge, als Tochter des Müllers Caspar Hoyer, um die Jahrhundertwende vom 16./17. Jahrhundert geboren wurde. Ihr Bruder war der Königliche Polnischen Hofmaler David Hoyer.

Die drei Ehen der Susanne Hoyer

Susanne Hoyer heiratete. Jedoch starb ihr Ehemann. Ein neuer Mann fand sich. Doch auch dieser segnete schon bald das Zeitliche. Nun war sie bereits zweifach verwitwet. Außenstehende betrauerten die arme Susanne, der das Schicksal so böse mitspielt. Ihr wurde Johann Georg Zimmermann vorgestellt. Er war ebenfalls zweifacher Witwer, welcher drei Söhne hatte. Johann Georg Zimmermann wurde am 18. Juni 1680 in Wittenberg geboren. Er war ein sächsisch-deutscher Postkommissar. Seine Söhne hießen Johann August (geboren am 21. Juli 1718), Karl Ludwig (geboren am 16. Dezember 1719) und Johann Balthasar Gottlieb (geboren am 30. Mai 1722). Susanne Hoyer heiratete Johann Georg Zimmermann am 18. Februar 1727 in Wittenberg.

Das Sterben beginnt von Neuem

Johann Georg Zimmermann fährt kurz nach der Hochzeit auf Dienstreise und kehrt nach einigen Tagen zurück. Nach seiner Rückkehr leidet sein jüngster Sohn Balthasar an Erbrechen und Leibschmerzen und liegt im Bett. Nach zwei Tagen werden die Schmerzen schlimmer. Balthasar kämpft nun mit Krämpfen, bis er am 4. März stirbt.

Nach einer Reise bringt Susanne Hoyer Maultaschen mit. Sie übergibt dem ältesten Sohn August eine. August aß diese aber nicht, sondern schenkte sie dem Kindermädchen, das kurz darauf starb. Johann Georg Zimmermann hat neben den Söhnen noch eine Stieftochter. Bei der bald auch schon Vergiftungserscheinungen auftreten. Nach 17 Tagen stirbt sie ebenfalls. Susanne Hoyer widmet sich nun wieder August. Am 24. Juli 1727 verabreichte sie ihm einen vergifteten Tee, woran der Junge bis Mittag verstarb. Jetzt wurde der Hausarzt misstrauisch. Jedoch konnte Susanne Hoyer durch ihr Treiben jegliche Untersuchungen an dem Leichnam des Jungen verhindern. Am 12. August traten dann auch Vergiftungserscheinungen bei dem letzten verbliebenen Sohn, Carl Ludwig, auf. Zimmermann zog nun seinen Schwager, einen Mediziner namens Abraham Vater, hinzu. Nach einigen Besprechungen wurden die Sachen der Frau auf Anraten des Hausarztes durchsucht und ein arsenhaltiges Pulver gefunden. Obwohl es offensichtlich war, dass die Frau über giftige Mittel verfügte, nahm man die Ursachenklärung nicht mit aller Konsequenz wahr. Dem letzten verbliebenen Sohn von Zimmermann ging es immer schlechter, so dass er am 5. September, nach dreiwöchigem Krankenbett, ebenfalls starb. Bei der anschließenden Sezierung durch Abraham Vater wurde einwandfrei der Tod durch Vergiftung bestätigt.

Die Giftmörderin wird verurteilt

Daraufhin wird eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Bei dieser stellte man fest, dass Susanne Hoyer ihre beiden ersten Ehemänner umgebracht hatte und gedachte, auch Johann Georg Zimmermann zu vergiften. Außerdem soll sie gestanden haben, ihren Bruder David Hoyer, den Königlichen Polnischen Hofmaler, aus Habsucht vergiftet zu haben. Im Gerichtsurteil vom 5. Januar 1728 des Schöppenstuhls zu Leipzig, dem damaligen Gericht, wurde sie dazu verurteilt, geschleift und gerädert zu werden. Am 26. Oktober 1728 wurde das Urteil vor dem Wittenberger Rathaus vollzogen. Bei der Hinrichtung ist der Giftmörderin die linke Hand abgefallen. Diese abgefallene Hand der Giftmischerin verweste nicht. Die Hand befindet sich noch heute in den städtischen Sammlungen der Lutherstadt Wittenberg und kann im Riemer-Museum, auf einem roten Kissen liegend, betrachtet werden.

Darstellung des Räderns. Holzschnitt aus der Schweizer Chronik des Johann Stumpf (Ausgabe Augsburg 1586)

Darstellung des Räderns. Holzschnitt aus der Schweizer Chronik des Johann Stumpf (Ausgabe Augsburg 1586)

Johann Georg Zimmermann spendet sein Vermögen den Waisen

Innerlich ein einsamer Mann geworden, dessen Leben durch die Schande, die seine Frau über das Haus gebracht hatte, verwirkt schien, verfasste er am 30. Januar 1733 sein Testament in Belzig. Darin legte er fest, dass sein ganzes Vermögen für die Erziehung und Versorgung unbemittelter Waisen eingesetzt werden solle und beauftragte die Stadt Wittenberg mit der Durchführung. Die Stadt legte das Geld der Stiftung in Grundstücken an und konnte von den Erträgen der Zimmermannschen Breite viele Jahre die Bedürfnisse der Fürsorge armer Waisen über das gesetzliche Maß hinaus bestreiten. Auch eine Straße wurde nach ihm benannt: Die Zimmermannstraße in Wittenberg. Als gebrochener Mann starb Johann Georg Zimmermann am 16. August 1734 in Wittenberg. Die Stadt Wittenberg errichtete auf dem Friedhof links der Dresdner Straße einen Grabstein zum Gedenken an ihn.

Johann Georg Zimmermann, Jahr und Maler unbekannt

Gedenktafel, Johann Georg Zimmermann, Markt 18, Lutherstadt Wittenberg, Deutschland

Quellen:

Bremens Giftmörderin Gesche Gottfried

Gesche Margarethe Gottfried (geb. Timm), worde am 6. März 1785 in Bremen geboren und am 21. April 1831 hingerichtet. An ihr wurde die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen vollzogen. Sie galt als eine der berühmtesten Serienmörderinnen ihrer Zeit und ihre Taten erregten deutschlandweit Aufsehen. Ihre Motive sind bis heute nicht gänzlich geklärt, jedoch ist zu vermuten, dass sie aus Liebe, sowie aus finanziellen Gründen mordete.

Gesches Leben – bevor sie zur Mörderin wurde

Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater war Schneidermeister und ihre Mutter Wollnäherin. Gesche galt als ordnungsliebend und fleißig, nahm Tanz- und Französischunterricht und war etwas eitel. Sie war sehr hübsch. Mit 21 Jahren heiratete Gesche den wohlhabenden, aber leichtlebigen Sattlermeister Johann Miltenberg, dessen Frau gerade gestorben war. Miltenberg ist zwar nur fünf Jahre älter als Gesche, aber trotzdem bereits Witwer. Seine erste Frau starb an Alkoholismus und der Schwindsucht. Durch die Ehe mit Miltenberg stieg Gesche in gutbürgerliche Verhältnisse auf. Sie bekam fünf Kinder, von denen drei zunächst am Leben blieben: Adelheid (1809 – 1815), Heinrich (1810 – 1815) und Johanna (1812 – 1815). Miltenberg war jedoch kein liebender Ehemann. Er trieb sich in Kneipen und Bordellen herum und verschwendete so das väterliche Vermögen. Er schlug Gesche und leidete an Syphilis.

Arsen in den falschen Händen

Um 1812 bekam Gesche von ihrer Mutter eine Papiertüte mit dem tödlichen Arsenikpulver geschenkt, um damit angeblich eine Mäuseplage zu bekämpfen. Nach siebenjähriger Ehe vergiftete Gesche damit ihren kränkelnden Ehemann. Der Mord blieb unentdeckt. Gesche schmiedete derweil Pläne, den Weinhändler Michael Christoph Gottfried zu heiraten, zu dem sie schon während ihrer Ehe mit Miltenberg enge Kontakte geknüpft und sich wahrscheinlich bereits in ihn verliebt hatte. Als Johann Miltenberg 1813 plötzlich stirbt, glaubt Gesche, dass sie bald darauf ihren Geliebten heiraten kann. Doch ihr Geliebter zögerte. Viele Personen sind gegen die Ehe. An diesem Punkt beschloss Gesche höchstwahrscheinlich, alle Personen aus dem Weg zu räumen, die dieser Ehe ihrer Meinung nach im Wege standen. Sie vergiftete zwischen Mai und September 1815 ihre Mutter, ihren Vater und ihre drei Kinder, etwas später auch ihren Zwillingsbruder Johann. Die Kinder hätten wahrscheinlich sterben müssen, weil Gesche den Eindruck gehabt habe, Gottfried wolle sie der Kinder wegen nicht heiraten. Gesche wurde von Gottfried schwanger, doch dieser willigte noch immer nicht in eine Hochzeit ein. Sie vergiftete ihn im Jahr 1817 und ließ sich mit Gottfried noch auf seinem Sterbebett trauen. Sie ändert ihren Namen und hieß fortan Gesche Gottfried. Drei Monate später gebar sie einen toten Sohn.

Nach dem achten Mord 1817 war das Gift verbraucht. Es dauerte sechs Jahre, bis sie sich von ihrer Magd und Freundin Beta Schmidt (einem späteren Opfer) „Mäusebutter“ aus der Apotheke holen ließ. Mäusebutter besteht aus Butterschmalz und Arsenik.

Im Jahre 1829 verlobte sie sich mit Paul Thomas Zimmermann, dem Inhaber eines Modegeschäftes. Sie lieh sich von ihm einen größeren Geldbetrag und vergiftete ihn noch während der Verlobungszeit. In den nächsten Jahren setzte sie ihre Vergiftungsserie fort: Weitere sechs Menschen aus ihrem engsten Bekanntenkreis starben, etwa fünfzehn Personen erhielten Arsen in einer nicht tödlichen Dosis. Diese Personen litten zwar sehr unter starken Schmerzen, aber blieben am Leben.

Mitleid mit der Giftmörderin

Alle, die sie vergiftete, litten vor ihrem Tod mehrere Tage unter furchtbaren Schmerzen. Gesche kümmerte sich liebevoll, rührend und aufopfernd um sie, bis sie starben. Dieses Verhalten erklärt, dass ein Verdacht gegen sie nicht wirklich aufkam. Teile der Bremer Bevölkerung schätzten Gesche sehr und bedauerten die vielen vermeintlichen Unglücksfälle in der Familie. Sie nahmen Anteil und gaben der Mörderin den Beinamen „Engel von Bremen“, da sie sich stets um ihre dahinsiechenden Verwandten und Freunde kümmerte.

Ihre Entlarvung

Gesche verteilte weiter kleine, nichttödliche Dosen Gift. Ihr Vermieter, Johann Christoph Rumpff, wurde jedoch mit der Zeit misstrauisch und auch in der Stadt kursierten immer mehr Gerüchte über die zahlreichen Todesfälle. Als Rumpff eines Tages in einem Schinken kleine weiße Körner entdeckte, ließ er diese von seinem Arzt D. Luce bestimmen, welcher bereits einige der Mordopfer selbst untersucht hatte. Es stellte sich heraus, dass es sich bei den Kügelchen um Arsen handelte. Damit war die Giftmörderin enttarnt. Am Abend des 6. März 1828 – ihres Geburtstages – wurde sie verhaftet und ins Stadthaus gebracht. Von Augenzeugen wurde Gesche Gottfried zu jener Zeit als sehr verwirrt und verängstigt beschrieben.

In den Jahren vor ihrer Hinrichtung berichtete Gesche Gottfried von ihren Taten, aber auch von den Ängsten, die sie dabei plagten. Die Justizbeamten der Stadt wie auch ihr Verteidiger versuchten derweil, ihre Handlungen zu verstehen. Während der Haft soll Gottfried mehrere Male erwogen haben, sich selbst mit Mäusebutter, die sie in das Gefängnis geschmuggelt hatte, umzubringen. Sie traute sich jedoch nicht, da sie sich vor den Schmerzen und den Leiden fürchtete, die sie ja bei ihren Opfern hatte miterleben können.

Gesche wird zu ihrer Hinrichtung gefahren. Sie erhält noch ein Glas Wein und nimmt einen kleinen Schluck. Anschließend gibt sie allen anwesenden Richtern noch einmal die Hand. Auf dem Schafott beginnt sie zu beten. Dann wird sie geköpft. Der Henker hat sein Werk getan. Er zeigt der Menge den abgeschlagenen Kopf. Der Kopf von Gesche wird danach in Spiritus gelagert und in einem Museum am Dom öffentlich zur Schau gestellt wird.

Die Morde

  • 1. Oktober 1813: Johann Miltenberg (erster Ehemann)
  • 2. Mai 1815: Gesche Margarethe Timm (Mutter)
  • 10. Mai 1815: Johanna Miltenberg (Tochter)
  • 18. Mai 1815: Adelheid Miltenberg (Tochter)
  • 28. Juni 1815: Johann Timm (Vater)
  • 22. September 1815: Heinrich Miltenberg (Sohn)
  • 1. Juni 1816: Johann Timm (Bruder)
  • 5. Juli 1817: Michael Christoph Gottfried (zweiter Ehemann)
  • 1. Juni 1823: Paul Thomas Zimmermann (Verlobter)
  • 21. März 1825: Anna Lucia Meyerholz (Musiklehrerin, Freundin)
  • 5. Dezember 1825: Johann Mosees (Nachbar, Freund, Berater)
  • 22. Dezember 1826: Wilhelmine Rumpff (Vermieterin)
  • 13. Mai 1827: Elise Schmidt (dreijährige Tochter von Beta Schmidt)
  • 15. Mai 1827: Beta Schmidt (Freundin, Magd)
  • 24. Juli 1827: Friedrich Kleine (Freund, Gläubiger; in Hannover ermordet)

Diese Zeichung erschien kurz nach der Hinrichtung in einer Flugschrift „Kurze Lebensbeschreibung der fürchterlichen Giftmischerin Gesche Marg. Gotffried“, 1831, von Franz Feilner. Auf den Säulen stehen die Worte Eltern-, Kinder-, Gatten- und Brudermord sowie unterhalb des Porträts „Strafe“.

Quellen: