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Der besterhaltene Galgen von Deutschland

…steht noch heute in Hessen. Genauer gesagt in Beerfelden. Der Galgen wurde 1597 erbaut. Drei Rotsandsteinsäulen von ungefähr fünf Metern Höhe (!) wurden in einem Dreieck aufgestellt, weshalb die Richtstätte auch als sogenannter „dreischläfriger Galgen“ bekannt ist. Die Zahl der hingerichteten Menschen ist unklar, es deutet jedoch einiges darauf hin, dass dort relativ wenige Personen den Tod fanden. Das soll vor allem an der liberalen Rechtsprechung vor Ort gelegen haben. In den Kirchenbüchern ist lediglich eine Hinrichtung im Jahre 1746 dokumentiert, die als gesichert gilt. Adam Beisel wurde wegen Diebstahls und Ehebruchs gehängt. 1797 sollte auch der Wilderer Kaspar Sachs für das Schießen eines Hirsches in der Grafenschaft gehängt werden. Dieser entkam dem sicheren Tod mit einem Trick. Kaspar bat darum, den Strick nicht zu eng  zu binden, weil er einen Kropf am Hals hätte. Beim Hängen rutschte ihm so die Schlinge komplett über sein Gesicht und drückte lediglich seine Nase ein. Der Richter lies ihn daraufhin laufen. Da man den Verbrecher ja wie vereinbart gehängt hatte, sei dem Gesetz genüge getan. Nach der Inschrift auf einem Gedenkstein neben dem Galgen soll die „letzte Hinrichtung im Jahre 1804, eine Zigeunerin wegen Diebstahls eines Huhnes und zweier Laib Brot“ erfolgt sein.

Beerfelder Galgen

Quellen:

Schauriges aus alten Stadtchroniken

Am 11. September 1767 wurde in der sächsischen Stadt Weißenberg eine Hinrichtung angesetzt. Ein Pferdedieb sollte am Galgen sein Leben lassen. Sein Verhalten nach der Festnahme im Gefängnis war tadellos und deshalb wurde ihm erlaubt, ohne Fesseln auf den Galgen zuzuschreiten. Kurz vor seiner Hinrichtung gab er seine letzte Bitte ab. Er wollte seiner Mutter vor seinem Ableben noch etwas sagen, sonst könne er nicht in Ruhe sterben. Seine Mutter wurde also zum Galgen geführt. Woraufhin er zu ihr sagte: „Seht euren Sohn, welchen ihr durch eine schlechte Erziehung und böse Beispiele unglücklich gemacht habt. Und empfangt noch zuletzt den Lohn von ihm!“ In seiner Hose hatte er ein großes Messer versteckt, was er nun hervorzog und stieß es zuerst seiner Mutter durch die Brust und danach sich. Beide wurden vom Richtplatz weggebracht. Der zu Tode verurteilte junge Mann starb innerhalb von einer Stunde an seiner Verletzung. Seine Mutter überlebte das Attentat.

Holzschnitt von einem Galgen um 1500 – Ullstein Bild

Quelle: