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Anna Rothe – ein sächsisches Medium

Anna Rothe, geborene Johl, wurde auch das „sächsische Blumenmedium“ genannt. Sie wurde 1850 in Altenburg geboren und starb 1907. Sie war mit einem Kesselschmied verheiratet und hatte mehrere Kinder, von denen einige jung gestorben sein müssen. Anna Rothe lebte viele Jahre in Chemnitz und wurde aber in Berlin-Schöneberg sesshaft. Sie wird als eine große, schlanke Frau mit stechenden Augen beschrieben.

Anna Rothe entdeckt ihre Fähigkeiten

Anna Rothe behauptete schon im Kindesalter von zehn Jahren entdeckt zu haben, dass sie übersinnliche Fähigkeiten hat. Sie habe Verstorbene gesehen und mit diesen gesprochen. Auch habe sie das Aussehen der Verstorbenen beschreiben können. Ihre Bekannten hätten daraufhin die Verstorbenen wieder erkannt. Später habe sie ihren verstorbenen Ehemann auf dem Sofa sitzen sehen und sich mit ihm unterhalten können.

Sie macht ihre Fähigkeiten zum Beruf

Ab Herbst 1900 hielt sie in ihrer Wohnung vor zahlenden Gästen die ersten Séancen, also spiritistischen Sitzungen, ab. Dafür nahm sie Eintrittsgeld in Höhe von 2 bis 3 Mark pro Person. Vor den Augen der Gäste sei sie in einen Trancezustand verfallen. Aus ihrem Mund sollen nun unter anderem die Verstorbenen Paul Fleming (Dichter des 17. Jahrhunderts) und Ulrich Zwingli (Reformator des 16. Jahrhunderts) gesprochen haben, außerdem ein verstorbenes Kind namens Friedchen. Alle Personen sollen mit einem sächsischen Dialekt gesprochen haben sollen – wie Anna Rothe selbst auch. Bei den Séancen soll sie laut Zeugenaussagen Blumen und Früchte, wie Apfelsinen und Orangen, „herbei gezaubert“ haben, was ihr den Spitznamen „Blumenmedium“ einbrachte. Ihre Auftritte verschafften ihr einen vorzüglichen Ruf als Medium. Dadurch erhielt sie viele Einladungen in Deutschland, aber auch in Paris, Brüssel und Zürich, um ihre Fähigkeiten zu präsentieren.

Zeichnung einer Séance – Künstler und Entstehungsjahr unbekannt

Entlarvung der Anna Rothe

Unter den unzähligen Gästen von Anna Rothes Séancen mischte sich am 19. November 1901 ein Kriminalkommissar. Durch einen Bekannten habe er eine Eintrittskarte erhalten und im dienstlichen Auftrag Anna Rothe während der ganzen Séance scharf beobachtet. Ihm sei aufgefallen, dass sie verdächtige Handbewegungen unter dem Tisch macht, wodurch sie möglicherweise die Früchte bewegt. Der Kriminalkommissar war bereits nach einer Sitzung überzeugt, einer Schwindlerin begegnet zu sein. Bei einer weiteren Sitzung griffen die Beamten schließlich ein. Sie hielten Anna Rothe fest und fanden unter ihrem Rock eine große Tasche voller Blumen. Daraufhin kam es zur Anklage wegen Betruges und Schwindel.

Anklage

Im März 1903 wurde ihr Fall beim Landgericht Berlin vor der Zweiten Berliner Strafkammer verhandelt. Die Zuschauerkarten für den Gerichtssaal waren schon Wochen zuvor ausverkauft. Unter den Zuschauern befanden sich viele Spiritisten, die weiterhin an Anna Rothes Fähigkeiten glaubten.

Während des Prozesses beharrte sie darauf, im Trancezustand nichts davon bemerkt zu haben, welcher Verstorbene durch ihren Mund redete. Es kamen etliche Gleichgesinnte zu Wort, die Anna Rothes Fähigkeiten bezeugten. Aber es traten als Zeuginnen auch die Blumenverkäuferinnen auf, bei denen Anna die Blumen für die spiritistischen Sitzungen bezog.

Nach Abzug einer schon abgesessenen Untersuchungshaft von acht Monaten wurde sie am 23. März wegen Betrugs zu weiteren zehn Monaten Gefängnis verurteilt und trat die Strafe sofort an.

Eine typische Séance, wie sie vor über 100 Jahren stattgefunden haben könnte – Fotograf und Entstehungsjahr unbekannt

Quellen:

Liebeszauber und seine praktische Anwendung im 16. Jahrhundert

Die Liebe veranlasste Menschen von jeher dazu an ihre Grenzen zu gehen und an übernatürliche Wunder zu glauben. So auch an Liebeszauber.

Was ist ein Liebeszauber?

Ganz klar: Ein Liebeszauber soll einen Menschen dazu bringen, sich in jemanden zu verlieben. Im magischen Kontext ist dabei die Rede von schwarze Magie, da bei einem Liebeszauber ein Mensch gegen seinen Willen beeinflusst wird. Dieses kann auf dreierlei Wegen geschehen:

  1. Die Wirkung eines Liebeszaubers trete aufgrund von Suggestion ein. Also über die Beeinflussung eines Menschen, mit dem Ziel, ihn zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen. Die häufigste Art, wie Liebeszauber angewandt wird.
  2. Organische Substanzen werden verwendet, um eine Verbindung zum Okkulten zu schaffen, so dass anscheinend folglich eine okkulte Beeinflussung stattfindet.
    Organische Substanzen können tierisches und pflanzliches Material, sowie menschliche Substanzen sein, wie zum Beispiel Blut, Ohrenschmalz oder Speichel.
  3. Erregende Stimulanzien jeden Genres werden verwendet, denen eine sexuell erregende Wirkung nachgesagt wird, wie beispielsweise Pflanzen.

Beim Liebeszauber können sich aber auch einzelne Punkte überschneiden. So können auch organische Substanzen benutzt werden, um die Suggestion zu steigern.

Das Nestelknüpfen – ein alter Liebeszauber

Substanzen, die verwendet wurden, um einen Liebeszauber auszulösen, können beispielsweise Bänder verschiedenartiger Stoffe gewesen sein. Diese wurden beim „Nestelknüpfen“ benutzt. Für diesen Zauber wurden Knoten aus diversen Stoffen benötigt. Die Knoten wurden gesegnet, verhüllt, vergraben und somit versteckt. Das Versteck musste in der Nähe des „Gebundenen“ sein, also desjenigen, der verzaubert werden sollte.
Hatte ein Mann eine Frau umworben, sich aber schließlich für eine andere entschieden, so konnte die Verschmähte dem Herrn nun aus Eifersucht ein Nestel knüpfen. Dieser Zauber soll zur Folge haben, dass der junge Bräutigam in der Hochzeitsnacht impotent wird. Meist soll der Bräutigam sofort wissen, wem er seine Impotenz zu verdanken hat. Wenn es nicht eine verlassene Geliebte ist, so ist es ein enttäuschter Freier seiner Frau.
Doch auch die Braut kann vom Nestelknüpfen betroffen sein. Ein ehemaliger Verehrer kann ihr ebenfalls ein Nestel knüpfen, so dass die Braut unter seinen Rachegelüsten leiden muss. Das Nestel soll die Braut dazu bringen, sich gegen die Liebkosungen des Bräutigams zu wehren, da sie ihr physischen Schmerz bereiten.
Viele dieser Wirkungen waren jedoch möglicherweise nichts weiter als Suggestivhemmungen eines nicht ganz so reinen Gewissens. Probleme in der Hochzeitsnacht oder der Ehe konnten so auf das Nestelknüpfen eines Dritten geschoben werden.

Angewandter Liebeszauber

Wie ein -unter Suggestion herbeigeführter- Liebeszauber ausgesehen hat, zeigen wir euch nun anhand eines Beispieles, wie es sich in Sachsen 1529 zugetragen haben soll. Das Geständnis der Anna Röberin, die 1529 auf dem Schellenberg, unweit von Chemnitz, wegen Zauberei gefangen genommenen wurde, zeigt dies deutlich. So soll Anna Röberin zugegeben haben, Liebeszauber angewandt zu haben, um ihren entlaufenen Mann zurückzugewinnen.

„Sie wehr über die fliessende Bach vor irer Mutter Hause zu Onderau getreten, und hatt mit einer hant auf die andere Wasser gegossen, und darzu gesagt, ich Anna giß diesen fluß auf meine hende, schöner Boten drey ich dir Hansen sende, der erst ist mein Name Anna, der andere Marie, die Mutter Gottes, die wird dir senden den dritten Boten in der freundlichen Lust und göttlichen Liebe hynheym, das du Hans nach mir Anna wirst laufen und wüthen als das fliessende Wasser in der fluth, als der Fohle der der Stut, als der Bär nach dem Blut, als die Hennen nach der Brut und als zusam lief der Hirsch und die Hinde, das du hynheym mußt eilen über Berg und über thal, über stock und stein in der freundlichen lieben seensucht: darnach habe sie genommen widderthon (Widerthon polytrichium commune) und hat denselben in ein wagengleise gelegt und gesagt, ich Anna rufe dir eyle hynheym über berg und thal, über stock und über stein in freundlicher liebe und gunst und hat durch ein wagen nabe geruft und gesagt, hans kom auch wider anheym.“

„Hexenspuk“ aus Nicolas Remigii „Daemonolatria“, Kupferstich, Hamburg 1693

Quellen:

 

Ein Schatz für einen Buckligen!

Laut der Sage soll in der Burg Rabenstein, die in Chemnitz liegt, ein Schatz vergraben sein. Dieser Schatz ist aber mit einem Bannspruch belegt und kann nur von einem künftigen Besitzer des Schlosses, der körperlich eingeschränkt ist, gefunden werden.

Wie kam es zu diesem Bannspruch?

Der ehemalige Besitzer der Burg, ein Herr von Carlowitz, war körperlich behindert und ein jeder machte sich über seine Gestalt lustig. Selbst die Angestellten sollen ihren Herrn verachtet haben. Sie ahmten seinen Gang nach und befolgten nur wenige Anweisungen. Sogar die Verwandten des Herrn gaben sich kaum Mühe zu verbergen, dass sie nur noch wegen seines Reichtums mit ihm befreundet waren. Bei einem nächtlichen Rundgang durch die Burg soll -wie in einer Vision- das Bild einer Ahnenfrau zu ihm gesprochen haben. Dabei sagte das Bild, er würde in drei Tagen das Zeitliche segnen. Aus Angst, all seine Reichtümer würden in die Hände der verhassten Verwandten fallen, vergrub er sie auf der Burg und belegte den Schatz mit eben jenem Bannspruch.

Grafik von dem heute noch existierenden Schloß Rabenstein aus dem 19. Jahrhundert: