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Die erste Walpurgisnacht

Die Walpurgisnacht (auch Hexenbrennen) ist ein traditionelles nord- und mitteleuropäisches Fest, teilweise mit Feuerbrauch am 30. April. Der Name leitet sich von der heiligen Walburga ab, deren Gedenktag bis ins Mittelalter am Tag ihrer Heiligsprechung am 1. Mai gefeiert wurde. Walburga gilt nun als Schutzpatronin unter anderem gegen böse Geister. Deswegen heißt die Nacht zum ersten Mai „Walpurgisnacht“. Warum manche Menschen sich angebliches Leichen-Öl der Walburga noch heute in Deutschland abfüllen, könnt ihr hier lesen.

Eine alte Postkarte vom Brocken

Goethes Einfluss

Erst durch Johann Wolfgang von Goethe wurde die Walpurgisnacht richtig berühmt. In seinem Werk „Faust“ schilderte er das wilde Hexentreffen auf dem Brocken. Doch das war nicht alles, was Goethe zur Walpurgisnacht verfasst hat. Er hat auch ein Gedicht mit dem Titel „Die erste Walpurgisnacht“ geschrieben.

Goethe in der Walpurgisnacht am Brocken (Rainer Ehrt)

„Die erste Walpurgisnacht“ von Johann Wolfgang von Goethe

Ein Druide

Es lacht der Mai!
Der Wald ist frei
Von Eis und Reifgehänge.
Der Schnee ist fort;
Am grünen Ort
Erschallen Lustgesänge.
Ein reiner Schnee
Liegt auf der Höh;
Doch eilen wir nach oben,
Begehn den alten heil’gen Brauch,
Allvater dort zu loben.
Die Flamme lodre durch den Rauch!
So wird das Herz erhoben.

Die Druiden

Die Flamme lodre durch den Rauch!
Begeht den alten heil’gen Brauch,
Allvater dort zu loben!
Hinauf! hinauf nach oben!

Einer aus dem Volke

Könnt ihr so verwegen handeln?
Wollt ihr denn zum Tode wandeln?
Kennet ihr nicht die Gesetze
Unsrer harten Überwinder?
Rings gestellt sind ihre Netze
Auf die Heiden, auf die Sünder.
Ach, sie schlachten auf dem Walle
Unsre Weiber, unsre Kinder.
Und wir alle
Nahen uns gewissem Falle.

Chor der Weiber

Auf des Lagers hohem Walle
Schlachten sie schon unsre Kinder.
Ach, die strengen Überwinder!
Und wir alle
Nahen uns gewissem Falle.

Ein Druide

Wer Opfer heut
Zu bringen scheut,
Verdient erst seine Bande.
Der Wald ist frei!
Das Holz herbei,
Und schichtet es zum Bande!
Doch bleiben wir
Im Buschrevier
Am Tage noch im stillen,
Und Männer stellen wir zur Hut
Um eurer Sorge willen.
Dann aber laßt mit frischem Mut
Uns unsre Pflicht erfüllen.

Chor der Wächter

Verteilt euch, wackre Männer, hier
Durch dieses ganze Waldrevier,
Und wachet hier im stillen,
Wenn sie die Pflicht erfüllen.

Ein Wächter

Diese dumpfen Pfaffenchristen,
Laßt uns keck sie überlisten!
Mit dem Teufel, den sie fabeln,
Wollen wir sie selbst erschrecken.
Kommt! Mit Zacken und mit Gabeln
Und mit Glut und Klapperstöcken
Lärmen wir bei nächt’ger Weile
Durch die engen Felsenstrecken.
Kauz und Eule
Heul in unser Rundgeheule!

Chor der Wächter

Kommt mit Zacken und mit Gabeln
Wie der Teufel, den sie fabeln,
Und mit wilden Klapperstöcken
Durch die leeren Felsenstrecken!
Kauz und Eule
Heul in unser Rundgeheule!

Ein Druide

So weit gebracht,
Daß wir bei Nacht
Allvater heimlich singen!
Doch ist es Tag,
Sobald man mag
Ein reines Herz dir bringen.
Du kannst zwar heut
Und manche Zeit
Dem Feinde viel erlauben.
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So reinig unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch:
Dein Licht, wer will es rauben!

Ein christlicher Wächter

Hilf, ach hilf mir, Kriegsgeselle!
Ach, es kommt die ganze Hölle!
Sieh, wie die verhexten Leiber
Durch und durch von Flamme glühen!
Menschenwölf und Drachenweiber,
Die im Flug vorüberziehen!
Welch entsetzliches Getöse!
Laßt uns, laßt uns alle fliehen!
Oben flammt und saust der Böse;
Aus dem Boden
Dampfet rings ein Höllenbroden.

Chor der christlichen Wächter

Schreckliche, verhexte Leiber,
Menschenwölf und Drachenweiber!
Welch entsetzliches Getöse!
Sieh, da flammt, da zieht der Böse!
Aus dem Boden
Dampfet rings ein Höllenbroden.

Chor der Druiden

Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So reinig unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch:
Dein Licht, wer kann es rauben!

Quellen:

Wer oder was ist das „Brockengespenst“?

Stellt euch vor: Ihr seid dabei den bekanntesten Berg im Harz zu besteigen, den Brocken. Ihr seid schon recht weit gekommen, doch langsam ziehen Nebelschwaden auf und die Wolkendecke wird immer dichter. Eure Sicht wird schlecht. Plötzlich bemerkt ihr jemanden hinter euch. Jemanden der euch verfolgt. Ihr erkennt jedoch nur einen schattenhaften Umriss. Die Panik steigt in euch auf. Warum sollte euch hier oben jemand verfolgen? Wenn ihr die Umrisse eures Verfolgers im Nebel betrachtet, sieht dieser übermenschlich groß aus. Aber warum ist dieser Mensch so riesig? Euer Puls geht schneller, ihr kämpft mit der Angst, bis sie zu groß wird und ihr der Angst nachgibt. Dann fangt ihr an zu rennen. Aber der Verfolger bleibt dicht hinter euch. Er ist riesig und so schnell wie ihr…

Euer Verfolger ist das „Brockengespenst“. Viele Wanderer und Kletterer sind ihm bereits begegnet. Doch beim Brockengespenst handelt es sich nicht um ein Gespenst, sondern um einen optischen Effekt, welcher 1780 zuerst auf dem Brocken beobachtet und beschrieben wurde:

„Wenn der Schatten des Beobachters auf eine Nebel- oder Wolken-Schicht fällt, wird der Schatten nicht durch eine feste Fläche abgebildet, sondern durch jeden Wassertropfen des Dunstes einzeln. Dadurch kann das Gehirn den Schatten nicht stereoskopisch sehen und überschätzt die Größe deutlich. Durch Luftbewegungen bewegt sich der Schatten, selbst wenn der Beobachter still steht. Dieses scheinbar eigene Wesen kann zudem schweben, ohne sichtbaren Kontakt zum Boden zu haben. Die anderen physikalischen Bedingungen auf dem Berg, kühle und feuchte Luft, Stille, sowie die fehlende Orientierung durch mangelnden Weitblick und fehlende Nachbarberge, verstärken den subjektiven Eindruck der scheinbaren Existenz eines Gespenstes.“

Häufig tritt durch einen anderen optischen Effekt, Glorie genannt, zusätzlich ein farbiger Lichtkranz um den Schatten auf. Dieser Effekt ist auch auf anderen Bergen oder auch bei Nebel im Licht von Autoscheinwerfern zu beobachten. Der Brocken bietet mit über 300 Nebeltagen im Jahr eine überdurchschnittliche Chance dazu.

Johann Wolfgang von Goethe hat den Brocken dreimal bestiegen und wurde von seinem eigenen Brockengespenst erschreckt – der Name der Lichterscheinung soll auch auf ihn zurückgehen.

Ein Beispiel für ein Brockengespenst: 

Künster, Herkunftsort und Entstehungsjahr dieser Zeichnung sind leider unbekannt: