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Die Hinrichtung einer Kindsmörderin und ihr „heilendes“ Blut

Am 22. März 1747 wurde Maria Anna Wildin wegen Kindsmordes in Frauenstein, einer Stadt in Sachsen, auf dem Marktplatz geköpft. Nach der Exekution trank ein „Epilepticus“, also ein Epileptiker, namens Göhler aus Kleinhartmannsdorf das Blut der hingerichteten Maria Anna Wildin. Dem Blut wurde eine heilende Wirkung zugeschrieben. Jedoch soll diese nicht bei dem Göhler eingetroffen sein. Noch im gleichen Jahr, Anfang November, wurde er in seinem Garten in Kleinhartmannsdorf tot aufgefunden.

Dies war kein Einzelfall. 1538 saugte anscheinend nach einer Hinrichtung im säschsichen Grießbach ein Epileptiker namens „toller Georg“ das Blut aus den Adern des Exekutierten. Noch 1811 verabreichte man im thüringischen Arnstadt epileptischen Kindern das Blut einer hingerichteten Giftmörderin.

Nachzulesen in: Kirchschlager/ Bechler: Das sächsische Obscurum, ISBN: 3-934277-02-0, 1.Auflage 2001

 

Hände von Toten als Glücksbringer!

Als „Totenhand“ werden die abgetrennten Hände von Verstorbenen bezeichnet. Besonders von Hingerichteten galten sie in der Volksmedizin Europas als Talisman. Den Totenhänden wurde die Fähigkeit nachgesagt, verschlossene Türen und Tore zu öffnen. Diese Vorstellung geht zurück auf den Blutaberglauben, laut dem Leichenteile und -säfte von Menschen und Tieren besondere magische und heilende Kräfte zugesprochen wurden. Weil es aber zu wenige Totenhände gab, wurden magische Rituale auch mit einzelnen Fingern durchgeführt. Scharfrichter verkauften nach der Hinrichtung Teile von Toten, um sich etwas dazu zuverdienen. So gelangten Totenhände auch in Apotheken.

Foto einer abgeschlagenen Totenhand und eines Pantoffels aus dem Rathaus in Münster (CC-BY-SA 2.5) :