Schlagwort-Archive: Bier

Die Bierhexe

Es ist das Jahr 1591 und wir befinden uns in der Mark Brandenburg. Ein Scheiterhaufen brennt lichterloh und die Frau im Feuer schreit schon seit einiger Zeit nicht mehr um ihr Leben. Sie ist tot. Es war eine Bierhexe. Die letzte ihrer Art, die auf einem Scheiterhaufen ihr Leben lassen musste. Doch was ist eine Bierhexe?

Was ist eine Bierhexe?

Die Bierhexe oder auch Brauhexe ist eine Frau, die das Bier mit ihren angeblichen Zauberkräften ungenießbar macht. Sollte eine Frau ausfindig gemacht werden, der man diesen Ruf nachsagte, wurde sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Bierbrauen war seit Beginn seiner Geschichte Frauensache und dem Brotbacken im Hause sehr ähnlich. Es oblag der Aufsicht der Hausfrauen. Vor allem der Brauprozess unterlag damals noch einer „mysteriösen“ Gärung. Die Menschen konnten sich noch nicht erklären, dass Hefe für den Gärprozess zuständig ist. Diese unbekannte Zutat wurde oftmals unbewusst beigemischt. Deshalb war der Bierbrauprozess sehr anfällig für Aberglauben.

Viele wundersame Kräuter und kultische Gegenstände wurden auch noch im späteren Mittelalter um den Sudkessel herum gelegt, um böse Geister fernzuhalten. Dieser Aberglaube ging soweit, fehlgeschlagene Brauversuche sogenannten „Brauhexen“ oder „Bierhexen“ zuzuschreiben.

Misslang also einer Brauerin der Brauvorgang, so wurde sie schnell als Bierhexe bezichtigt und in Hexenprozessen gefoltert und hingerichtet. Gelang einer Brauerin ihr Bier zu häufig und zu mühelos, so machte sie sich ebenfalls verdächtig und landete nicht selten auch auf dem Scheiterhaufen.

Das Ende des Aberglaubens kam mit der Durchsetzung des Hopfens. Auch wenn die Verwendung des Hopfens erst einmal verboten wurde, setzte sich dessen Verwendung auf Dauer durch.  Das Bier wurde dadurch haltbarer und der Brauprozess stabiler. Es ging weniger schief und es mussten weniger „Sündenböcke“ gesucht werden.

Die Radierung von Jan Luyken stellt eine Hexenverbrennung dar, 1649-1712

Sage um die Bierhexe

In einer Sage aus Mecklenburg-Vorpommern dreht sich alles um einen missglückten Brauprozess und wie man die Schuldige überführt und hinrichtet:

In einer Brauerei in Königsberg schlug jedes Gebräu um. Der Mälzenbrauer war ärgerlich, er dachte, es läge am Brauknecht und jagte ihn fort. Es lag aber an einer Katze. Die setzte sich immer, wenn das Gebräu fast fertig war, auf den Rand des Braukübels, und indem sie tat, als ob sie hineinfallen wollte, rief sie: »Holle, bolle, bool gefalle.« Diese Worte pflegte sie einige Male zu wiederholen und verschwand dann, ohne daß jemand wußte, woher sie gekommen oder wo sie geblieben; das Bier aber war dann regelmäßig umgeschlagen. – Bald meldete sich ein kluger Brauknecht, der wohl merkte, wie es um die Sache stand und versicherte dem Brauherrn, daß er ein Sonntagskind sei und den Spuk wohl austreiben wolle. Er fing also mutig sein Werk an, und als die Katze wieder auf den Kübel sprang und ihren Spruch »Holle, bolle« anfing, ließ er sie gar nicht ausreden, sondern goß ihr gleich einen Schoppen kochendes Bier über den Hals, daß sie verbrannt und jammernd davonschlich. – Das Gebräu war herrlich geraten, aber anderntags lief das Gerücht durch das Haus, daß die Frau sehr krank sei. Was ihr fehlte, wußte man nicht, denn sie wollte es niemandem sagen; aber der kluge Brauknecht riet, doch nachzusehen, ob sie nicht verbrüht sei. Als sich das wirklich zeigte, entdeckte der Brauknecht seinem Herrn den ganzen Unfug. Der zeigte die Sache dem Gericht an; die Frau ward der Hexerei überführt und verbrannt.

 

Quellen: