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Mord und Pest für den Kirchenbau

Im sächsischen Görlitz gibt es seit Mitte des 14. Jahrhunderts die Kirche Unserer Lieben Frauen, welche später in Frauenkirche umbenannt wurde. Möglicherweise hätte es diese Kirche nie gegeben, wären nicht Mörder und die Pest zu Hilfe gekommen.

Ansicht der Stadt Görlitz von Osten, 1575

Die Görlitzer Fehde

Im Jahr 1349 war der Freiherr Friedrich von Bieberstein (andere Schreibweise auch Biberstein), der zu den mächtigsten Herren im Königreich Böhmen gehörte, in eine Fehde mit der Stadt Görlitz verwickelt. Die Fehde entstand, weil ein Vasall Friedrichs, namens Nitsche von Rackwitz, plündernd in Görlitz einfiel. Die Görlitzer entsandten daher eine Delegation zu Friedrich von Bieberstein, der sich damals in seinem Schloss zu Tauchritz, nahe Görlitz befand. Da Friedrich sich der Forderung auf Auslieferung des Nitsche verschloss, beschlossen die Görlitzer selbst zu handeln. Sie ritten mit einer bewaffneten Mannschaft zum Schloss Friedland (heute Schloss Frýdlant in der Stadt Frýdlant v Čechách in Tschechien), in der sich der von Rackwitz aufhielt und drangen in die Burg ein, um diesen gefangen zu nehmen. Friedrich, der ahnte, was sie vorhatten, ritt selbst mit einer Mannschaft nach Friedland, überraschte die bewaffneten Görlitzer in der Burg und befahl wütend, sie als feindliche Eindringlinge zu erschlagen. Zwei Görlitzer verloren in den beginnenden Kampf ihr Leben. Die übrigen ergriffen die Flucht, wobei sieben Görlitzer eingeholt und getötet wurden.

Wappen der Familie Bieberstein – das Geschlecht erlosch 1667

Sühnegeld fördert den Kirchenaufbau

Viele Verhandlungen waren notwendig, damit es zum Frieden zwischen Friedrich von Bieberstein und den Görlitzer kam. Friedrich von Bieberstein erklärte sich bereit 200 Schock Groschen Sühnegeld zu zahlen. So konnte für die Verstorbenen eine Kirche errichtet werden. Dies war die Kirche Unserer Lieben Frauen in Görlitz.

Die Pest hilft die Kirche fertig zu bauen

Zu der Vollendung der Kirche war das Sühnegeld lange nicht hinreichend. Ein neues Unglück kam einige Zeit später hinzu und förderte die Fertigstellung: Die Pest. Viele Görlitzer spendeten in ihrer Not Geld für die Kirche. Die Kirche konnte so nicht nur fertig gestellt werden, sondern wurde auch mit Altären versehen. Außerdem konnte eine Geistlichkeit davon bezahlt werden.

Foto von Frank Vincentz, 2010, CC BY-SA 3.0

Gedicht über die Toten

Folgendes Gedicht befindet sich im Archiv des Evangelischen Kirchenkreisverbandes Schlesische Oberlausitz im Nachlass des Sup. Karl Langer. Der Verfasser des Gedichtes, sowie das Jahr sind unbekannt.

Frauenkirche

Dreizehn-viervierzig anno domini,
die mächtige Stadt, da wurde sie
in eine Fehde verwickelt, nicht klein,
mit Friedrich I. von Biberstein.
Die Stadt verfolgt einen seiner Vasallen,
der ihr als Friedensstären mißfallen
bis zu dem Schloß nach Friedland hin.
Doch war der Biberstein drin,
und sieben Görlitzer wurden erschlagen.
Da tat nun der Rat gegen Biberstein klagen.
Nicht lange währt es, da wurde entschieden:
Der Biberstein zahlt, dann wird erst Frieden.
An Silbergroschen zweihundert Schock
zahlt er, man nimmt sie als Gründungsstock,
um vor dem Tore aufzubauen
die Kirche „Unserer Lieben Fraue“.

Quellen: