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Ein Jungbrunnen mitten in Berlin?

Im Berliner Stadtbezirk Mitte gibt es einen Ortsteil mit dem Namen „Gesundbrunnen“. Heutzutage ist der Gesundbrunnen bei den Berlinern unter anderem bekannt für sein Gesundbrunnen-Center – eine Shopping Mall, dem ehemaligen Flakturm, welcher im Volkspark Humboldthain steht und für die Berliner Bunkertouren der Berliner Unterwelten e.V.

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Panoramablick über den Berliner Ortsteil Gesundbrunnen

Woher hat der Ortsteil Gesundbrunnen seinen Namen?

Vielen ist wahrscheinlich jedoch nicht bewusst, wie es zur Namensgebung des „Gesundbrunnens“ kam. Der Name Gesundbrunnen geht auf eine mineralhaltige – vor allem eisenhaltige –  Quelle zurück, der heilende und jugenderhaltende Eigenschaften nachgesagt wurden. Die Quelle wurde im Jahr 1748 zum ersten Mal erwähnt.

1760 errichtete der Preußenkönig Friedrich I. deshalb die Heil- und Badeanstalt unter dem Namen „Friedrichs-Gesundbrunnen“. Das Quellwasser wurde aufgrund seines hohen Eisengehaltes für chronische, rheumatische Krankheiten und Augenleiden eingesetzt. Später kam es zur Errichtung des Heilbads “Luisenbad” von Friedrich II.  Durch starke Bautätigkeit im Umfeld der Quelle wuchs die Siedlung zu einem eigenen Stadtteil heran.

Warum weiß heute fast niemand mehr etwas von der Heilquelle?

Im Jahr 1882 kommt es zu Arbeiten an der Kanalisation. Dabei schütten die Arbeiter einfach die Quelle zu. Ab da an taucht der Wasserlauf in historischen Unterlagen nicht mehr auf. 2008 wurde die Quelle jedoch angeblich wiederentdeckt. Ein Pfarrer aus dem Stadtbezirk Gesundbrunnen interessierte sich für die Geschichte seines Viertels, weshalb er nach dem Standort der verschütteten Heilquelle forschte – und diese seiner Meinung nach auch fand. Die Quelle soll sich genau unter seinem Haus, in der Badstraße 35, befunden haben. Im Hinterhaus führt eine Treppe hinab in den Keller, wo ein gemauerter Brunnen voller Wasser zu finden ist. Der Zufall wurde publik gemacht. Das Wasser wurde untersucht und die Resultate waren hervorragend. Das besagte Quellwasser kann aus dem Brunnen heraus getrunken werden und sei nach wie vor stark eisenhaltig. Bald darauf gab es schon Führungen in den Keller. Die Medien berichteten nach der Entdeckung von dem „Wunder von Gesundbrunnen“.

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Lucas Cranach der Ältere – Der Jungbrunnen (Gemäldegalerie Berlin), 1546

Doch kein Wunder von Gesundbrunnen?

Nach der Entdeckung gaben vereinzelte Medien schließlich doch Entwarnung. Bald schon meldeten die Berliner Wasserbetriebe, dass die angebliche Heilquelle „nur oberflächennahes und mit organischen Substanzen belastetes Grundwasser“ sei. Die ermittelten Konzentrationen etwa von Eisen, Ammonium, Nitrat und Zink entsprechen denen der in der Nähe fließenden Panke. Auf Grund der chemischen Zusammensetzung ist laut dem Sprecher der Berliner Wasserbetriebe davon auszugehen, dass es sich um Grundwasser handelt, das durch Oberflächenwasser verunreinigt wurde.

Die Suche nach dem Jungbrunnen mitten in Berlin muss also weitergehen.

Quellen: