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Alois Irlmaier: Ein bayrischer Hellseher?

Alois Irlmaier wurde am 8. Juni 1894 in Oberbayern geboren und verstarb am 26. Juli 1959 in Freilassing. Er galt als Rutengänger und Hellseher und wird noch heute in esoterischen Kreisen als einer der treffsichersten Weissager bezeichnet.

Wer war dieser bayrische Hellseher?

Aufgewachsen ist Alois Irlmaier in einer Bauernfamilie. Im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1916 wurde er als Soldat eingezogen. 1920 heiratete er Maria Schießlinger und zog mit ihr vier Kinder auf, wovon ein Kind ein Ziehsohn war. Ebenfalls 1920 übernahm er den Hof des Vaters. Im Jahre 1928 fing er an, als selbstständiger Brunnenbauer zu arbeiten. Ebenso erlebte er in diesem Jahr seine ersten „seherischen Visionen“. Ab 1939 bekam Alois Irlmaier zusehends Besuch von Menschen, welche von seinen seherischen Fähigkeiten gehört hatten und um Rat und Auskunft baten. Er baute sich dafür eine Bauhütte, um dort seine seherischen Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, da so viele Menschen am Wochenende um Rat baten und auf seinem Grundstück Schlange standen. Diese Leistung waren angeblich kostenlos und freiwillig.

Was soll Irlmaier vorausgesagt haben?

Vor allem auf esoterischen Webseiten wird Irlmaier noch heute für seine hellseherische Gabe gelobt und es werden viele Beispiele für seine Fähigkeit angebracht. Leider können diese von unserer Seite nicht verifiziert werden. Dennoch sollen hier einige Beispiele genannt werden.

Er soll während des 2. Weltkrieges vorhergesehen haben, wo Bomben einschlagen werden und die Bewohner gewarnt haben, so dass diese sich in Sicherheit bringen konnten. Außerdem habe er die Orte benannt haben, wo sich vermisste Soldaten aufhalten sollten.

Er soll auch den 3. Weltkrieg vorausgesehen haben, sowie einzelne technische Innovationen unserer heutigen Zeit, wie Drohnen oder Smartphones.

Irlmaier hätte wohl Folgendes gesagt: „Aus dem Sande der Wüste Afrikas steigen die großen Vögel auf mit Todeseiern ohne Männer“. Esoterische Kreise behaupten, damit meine Irlmaier Drohnen, wobei große Vögel anscheinend kleine Flugzeuge ohne Piloten sind.

Folgende Voraussagen hätte Irlmaier gemacht und damit Smartphones beschreiben: „Ich sehe sie ein kleines kantiges Ding in den Händen halten, das ihnen Auskunft gibt über alles, was sie wissen wollen“.

War Irlmaier ein Hellseher? Oder einfach nur ein guter Schwindler?

1947 wurde Irlmaier, der zu jenem Zeitpunkt 15-fach vorbestraft war (7x wegen Betruges und 8x wegen Zahlungsschwierigkeiten) vor dem Amtsgericht in Laufen von einem Pfarrer wegen Betrugs und Gaukelei angeklagt. Im Verfahren bekundeten zwei Zeugen, Irlmaiers widersprüchlichen Prophezeiungen von vornherein keinen Glauben geschenkt zu haben. Fünf andere Zeugen sagten aus, Irlmaiers Deutung sei korrekt gewesen. Der Tatbestand der Gaukelei war nach Ansicht des Gerichts nicht erfüllt, weil es keinen Hinweis darauf gab, das er ein Gaukler sei. Irlmaier wurde von der Anklage eines Verbrechens des Betruges im Rückfalle freigesprochen.

Des Hellsehers Fähigkeiten: Alles nur Übungssache, gute Rhetorik und eine faszinierende Menschenkenntnis?

Um als angeblicher Hellseher ernst genommen zu werden, muss man vor allem eine gute Menschenkenntnis besitzen und die Kunst kennen, so zu reden, dass sein Gegenüber den Eindruck gewinnt, man hätte konkretes Wissen über sein Leben, obwohl das nicht der Fall ist. Das wird auch „Cold Reading“ genannt. Es ist ursprünglich der von professionellen Zauberkünstlern  verwendete Fachausdruck für verschiedene Techniken, in Interviewartigen Situationen ohne wirkliches Wissen über den Gesprächspartner bei diesem den Eindruck eines vorhandenen Wissens zu erwecken. In neuerer Zeit wird der Begriff auch für entsprechende Praktiken bei Wahrsagern und anderen „Lebensberatern“ sowie in Vernehmungen oder bei Verkaufsgesprächen gebraucht.

Es muss auch immer beachtet werden, in welcher Zeit der Hellseher seine angebliche „Gabe“ entwickelt. Bei Irlmaier war es die Zeit nach dem 1. bis hin zum 2. Weltkrieg. Eine Zeit in der die Menschen Angst hatten und Not leideten. Viele hatten einen geliebten Menschen verloren und sehnten sich danach ihm noch einige letzte Worte zu sagen, Abschied zu nehmen. Eine Zeit in der Menschen offen für Medien mit übersinnlichen Fähigkeiten waren, weil sie ihnen halfen, über ihren Schmerz hinwegzukommen, indem sie -beispielsweise wie Irlmaier- den Aufenthaltsort des Vermissten nannten. Der geliebte Mensch lebt also noch! Wer möchte daran nicht festhalten und glauben? Es war eine Zeit in der viele angebliche Hellseher wie Pilze aus dem Boden schossen.

Außerdem ist es natürlich so, dass ein Medium viele Voraussagen trifft. Wenn einige davon eintreffen, ist es Zufall, wird aber von den Personen selber als ernstzunehmende Zukunftsvoraussage propagiert. Über die falschen Voraussagen wird nicht gesprochen.

Auch mehrdeutige, ja gar schwammige Voraussagen werden getroffen. Woher wissen wir denn, dass Irlmaier mit seinem Satz „Aus dem Sande der Wüste Afrikas steigen die großen Vögel auf mit Todeseiern ohne Männer“ wirklich unbemannte Drohnen meinte, wie es heute auf den esoterischen Webseiten erläutert wird? In solche Sätze können viele Aussagen hineininterpretiert werden.

War Irlmaier von seinen Fähigkeiten wirklich überzeugt?

Es gibt auch Wahrsager, die das gar nicht mit Vorsatz machen und gemeinsam mit ihren Kunden auf ihr eigenes unbewusstes „Cold Reading“ reinfallen und selber an ihre “übersinnlichen Fähigkeiten” glauben.

Auch wenn seine hellseherischen Voraussagen kostenlos angeboten wurden, so ist nicht gesagt, dass er nicht doch (Geld-) Geschenke als Dankeschön angenommen hat. Gerade weil er ja auch in finanziellen Schwierigkeiten war.

Ob Irlmaier nun ein Betrüger war oder selber an seine Fähigkeiten glaubte, können wir heute nicht mehr sagen.

Alois Irlmaier

Alois Irlmaier beim Suchen nach Wasseradern mit Draht, ca. 1950

Alois Irlmaier2

Alois Irlmaier, ca. 1950

Quellen:

Der Teufel in der Münchner Frauenkirche

Die Frauenkirche mit ihren zwei Türmen ist das Wahrzeichen von München. Eine der bekanntesten Münchner Stadtsagen spielt sich in dieser Kirche ab und zwar mit dem Fürst der Finsternis höchstpersönlich. Denn immer da, wo Gott waltet, mag der Teufel auch nicht weit sein.

Schreitet man in die Frauenkirche hinein, fällt einem ein Fußabdruck im Boden auf. Das ist der sogenannten „Teufelstritt“. Diese Stelle markiert einen Punkt in der Kirche von wo aus sämtliche Seitenfenster der Kirche nicht sichtbar sind, weil die Pfeiler des Kirchenschiffes diese verdecken. Über den Teufelstritt gibt es viele Sagen, an dieser Stelle möchten wir euch eine vorstellen.

Die Sage über den Teufel als wütenden Verlierer

Der Sage nach soll ein damalige Baumeister den Auftrag erhalten haben die Frauenkirche zu bauen. Dieser sah sich aber der Aufgabe nicht gewachsen. Seine einzige Hoffnung war mit dem Teufel einen Pakt einzugehen, so dass dieser ihm beim Bewältigen der schwierigen Aufgaben hilft. Der Teufel verpflichtete sich beim Bau der Kirche zu helfen, wenn der Baumeister die Kirche komplett ohne Fenster baue. Sollte der Baumeister den Pakt brechen, sei seine Seele für immer und ewig dem Teufel verschrieben. Der Teufel ging davon aus, dass der Baumeister dies nie einhalten würde. Denn wer baut schon eine Kirche ohne Fenster? Deshalb rechnete er fest mit der Seele des Baumeisters. Nachdem die Kirche nun fertig errichtet war, führte der Baumeister den Teufel in die Kirche und zwar genau an die einzige Stelle, von wo aus kein Fenster zusehen war. Der Teufel war wutentbrannt darüber, dass der Baumeister seine Seele gerettet hatte und stampfte so fest auf, dass sein Fuß einen Abdruck im Boden hinterließ.

Frauenkirche München

Die Frauenkirche in München – viele Teufelssagen ranken sich um sie

Teufelstritt in der Frauenkirche in München

Der Teufelstritt in der Frauenkirche – der Fuß hat an der Ferse einen Sporn… Es kann also nur des Teufels Fuß gewesen sein?!

Quellen:

Wer verbirgt sich hinter den Guglmänner? Und was wollen sie?

„Guglmänner“ wurden ursprünglich die Begleiter eines Trauerzuges genannt. Der Begriff „Gugl“ oder „Gugel“ hat sich im Hochmittelalter entwickelt und stellte damals eine Kopfbedeckung dar. Je wohlhabender ein Verstorbener zu Lebzeiten war, desto mehr Kapuzenträger wurden von seinen Angehörigen für das Trauergeleit zum Friedhof aufgeboten. Man pflegte dafür zum Beispiel Bettelmönche gegen ein geringes Entgelt anzuheuern. Doch seit etwa Ende der 1990er Jahre ist damit meist ein bayerischer Geheimbund gemeint, dessen Mitglieder sich als Hüter der Monarchie verstehen und zum Weiterleben der Verschwörungstheorien und Legenden um den Tod König Ludwigs II. von Bayern 1886 beitragen. Bei öffentlichen Auftritten, einer Tradition bei den Bestattungen der bayerischen Könige nachempfunden, tragen sie eine den Kopf völlig verhüllenden Kapuze – die Gugl. Ihr Wahlspruch lautet mit Bezug auf den Verstorbenen Media vita in morte sumus, übersetzt: „Inmitten des Lebens sind wir vom Tode umfangen“. Die Guglmänner erregten Aufmerksamkeit im Juni 1999 zum 113. Todestag Ludwigs II., als sie in ihren Kutten und mit vor der Brust gekreuzten Fackeln trotz des Vermummungsverbots unbehelligt durch die Straßen Münchens zogen. Die „neuzeitlichen“ Guglmänner gruppierten sich vermutlich 1998 zum 112. Todestag König Ludwig II. und sind letztendlich die konsequente Fortführung der von König Ludwig II. gegründeten Coalition – ein königlicher Geheimbund, dessen Aufgabe es war, vom Verborgenen aus die Presse bezüglich der öffentlichen Meinung über den König zu überwachen, feindlich gesinnte Personen und Vereine zu unterdrücken, gegen den Geist der Neuzeit (Abschaffung der Monarchie) zu agieren und schließlich eine Art Leibgarde für den König zu sein. Durch diese Medienpräsenz wollen sie ihre Theorie der Ermordung Ludwig II. durch den preußischen Geheimdienst einem breiten Publikum präsentieren.

Anbei zwei Bilder von den Guglmännern. Ein Foto (2011) und eine zeitgenössische Darstellung (1886) der Guglmänner im Leichenzug Ludwig II.:
Guglmänner 1Guglmänner 2

Die Heimat von Frankensteins Monster liegt in Bayern!

Die britische Schriftstellerin Mary Shelley verfasste 1818 das Werk „Frankenstein; or, The Modern Prometheus“. Die Handlung ließ sie dabei in Ingolstadt spielen – dem Geburtsort der Kreatur! Oft wird fälschlicherweise angenommen, das Monster in der Geschichte heißt „Frankenstein“. Jedoch ist es der Schöpfer dessen: Victor Frankenstein. Der ist allerdings so angeekelt von seiner Schöpfung, dass er einfach davor flieht. Die Monster allein gelassen, hinterlässt Chaos und Blutspuren. Bei einem erneuten Zusammentreffen von Schöpfer und Schöpfung, bittet das Monster den Wissenschaftler für ihn eine Partnerin zu erschaffen. Viktor Frankenstein willigt ein. Doch bald plagen ihn böse Vorahnungen, dass die zweite, weibliche, Kreatur ebenfalls so grausam wie die erste werden könnte. Der Wissenschaftler vollbringt sein zweites Werk nicht und das Monster ist rasend vor Wut, so dass er Frankensteins Geliebte in der Hochzeitsnacht umbringt. Der Wissenschaftler jagd daraufhin verzweifelt das Monster und stirbt bei dem Versuch. Und auch die Kreatur erträgt sein Leben nicht mehr und verschwindet…

Anbei ein Porträt von Mary Shelley und eine Szene des 1981 veröffentlichten Films „Frankenstein“.

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