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Wunderblut

Im brandenburgischen Ort Bad Wilsnack steht die evangelische Kirche St. Nikolai. Diese Kirche hat eine blutige Geschichte, weshalb sie auch als als Wunderblutkirche bezeichnet wird.

Wunderblutkirche in Bad Wilsnack – Foto aus dem Jahr 2007 von MrsMyerDE – Wikimedia Commons

Bad Wilsnack ist heutzutage ein kleiner Ort mit nur ungefähr 2.500 Einwohnern, dennoch war die Kirche von Ende des 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts eines der bedeutendsten Wallfahrtsziele Europas. Wie kam es dazu?

Die Legende um die Wunderbluthostien

Im Sommer 1383 wurde der Ort zum Schauplatz wundersamer Ereignisse, die das Dorf für anderthalb Jahrhunderte aus seiner Abgeschiedenheit rissen.

Während die Wilsnacker beim Havelberger Kirchweihfest weilten, steckte der Ritter Heinrich von Bülow den Ort in Brand. In der folgenden Nacht, soll der Ortspfarrer Johannes geträumt haben, drei hinter dem Altar liegende geweihte Hostien, also Oblaten für das Abendmahl, riefen ihn. Als der Pfarrer zu der ausgebrannten Kirche eilte, fand er dort die Hostien unversehrt vor, jedoch sahen sie aus, als wären sie in Blut getränkt – ein Wunder! Der Bischof von Havelberg bestätigte das „Wunder“ – und zog damit alsbald Heerscharen von Pilgern aus dem ganzen christlichen Abendland in sein Gebiet. Das „Heilige Blut von Wilsnack“, verbreitete sich die Kunde, könne alle Leiden heilen. Schon bald ereigneten sich weitere Wunder und mehrten den Ruhm des Heiligen Blutes. Aus Deutschland, Böhmen, Ungarn, Polen, Skandinavien, den Niederlanden und anderen Ländern pilgerten die Menschen zum Heiligen Blut, um Hilfe in körperlichen oder seelischen Nöten zu erfahren. So wurde die Kirche zu einem der wichtigsten Wallfahrtsziele Mitteleuropas.

Beispiel einer Bluthostie – Die Bluthostie von Cascia im Reliquarium von 1930

Der Wohlstand kam ins Dorf

Mit den Pilgern kam der Wohlstand. Der Ort entwickelte sich zu einer blühenden Wallfahrtsstadt, deren gesamtes Wirtschaftsleben auf den Pilgerverkehr ausgerichtet war. Mit allem wurde Geld verdient. So gab es eine „Sündenwaage“, die bei Opfergaben Absolution erteilte. Geweihte „Bleierne Hostien“ erbrachten als „Pilgerzeichen vom Heiligen Blut“ beträchtliche Summen. Die Spendenflut war so groß, daß für die Bluthostien eine prächtige Hallenkirche gebaut werden konnte. Der Augenzeuge Ludecus überliefert, dass Wilsnack, noch im 16. Jahrhundert vorwiegend aus Herbergen und Gasthöfen bestand – eine Infrastruktur, die den Ort des Öfteren zum Schauplatz von Fürsten- und Städtetagen werden ließ.

Wunderhostien sind Teufelsspuk

Doch das Wunder war innerkirchlich umstritten. Der deutsche Kardinal Nikolaus von Kues (1401-1464) war grundsätzlich gegen Wunderhostien aller Art und wollte die Wallfahrt verbieten, aber er konnte sich angesichts des Pilgerbooms nicht durchsetzen. Martin Luther wetterte jedoch 1520 in seiner Schrift „An den christlichen Adel Deutscher Nation“, Wilsnack solle „bis auf den Grund zerstöret“ werden. Der lutherische Gemeindepfarrer Johann Ellefeld in Wilsnack glaubte auch nicht an die Wunderhostien und deklarierte sie als „Teufelsspuk“. Im Jahr 1552 verbrannte er sie deshalb. Damit versiegten auch die Pilgerströme.

Quellen: