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Die weiße Frau: Anna Sydow

Anna Sydow wurde um 1525 geboren und auch die „schöne Gießerin“ genannt, da sie die Frau eines Zeugmeisters und Geschützgießers war.

Eine Heirat ist kein Hindernis

Dass Anna Sydow verheiratet war, hielt den brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. nicht davon ab, sich für Anna zu interessieren. Joachim II. war ebenfalls verheiratet, zweimal sogar. Die erste Frau starb jung, die zweite, Hedwig erlitt einen schweren Unfall. Hedwig und Joachim II. nächtigten eines Abends im Schloss Grimnitz in der Schorfheide, ein damals schon 300 Jahre alter, maroder Bau. Hedwig brach durch die morsche Decke und spießte sich eine Etage tiefer an den Jagdtrophäen auf. Danach ging sie an Krücken und litt zeitlebens unter Unterleibsschmerzen. Daraufhin hat sich Joachim II. eine Geliebte genommen – Anna Sydow. Annas Ehemann wurde wahrscheinlich genötigt, das Verhältnis zu dulden. Vielleicht bekam er Geld, oder ihm wurde die Stelle als Leiter des königlichen Gießerei in Aussicht gestellt. Anna war damals 24 Jahre alt und hatte bereits mit ihrem Ehemann drei Kinder.

Anna Sydows Leben als Geliebte des Kurfürsten

Der Kurfürst zeigte sich mit Anna sogar in aller Öffentlichkeit. Als Geliebte des Kurfürsten wohnte sie seit dem für viele Jahre im Jagdschloss Grunewald und gebar dem Kurfürsten zwei Kinder, einen Sohn, der noch im Kindesalter starb, sowie eine Tochter, die als Magdalene Gräfin von Arneburg durch Joachim II. geadelt wurde. Hedwig, die Frau des Kurfürsten, musste sich mit der neuen Geliebten ihres Mannes abfinden.

Annas Feind brachte ihr den Tod

Der Sohn des Kurfürstens aus erster Ehe Johann Georg (nicht der Sohn von Hedwig) war mit der Geliebten seines Vaters jedoch ganz und gar nicht einverstanden. Joachim II. wusste das und befahl seinem Sohn mehrmals Anna, im Falle seines Todes, zu schonen und zu schützen. Doch als er starb, hielt sein Sohn Johann Georg sein urkundlich abgegebenes Versprechen nicht ein. Johann Georg ließ Anna Sydow sofort verhaften und in den Juliusturm der Zitadelle Spandau in Berlin sperren. Ihr wurde Erpressung vorgeworfen. Wobei das nur ein Vorwand war. Anna saß vier Jahre bis zu ihrem Tode im Jahr 1575 in der Festung Spandau.

Anna Sydow erscheint als geisterhafte weiße Frau

Am 1. Januar 1598, acht Tage vor Johann Georgs Tod, soll ihm Anna Sydow dann als „Weiße Frau“ erschienen sein, aus Rache, weil er sein Wort gegenüber seinem Vater nicht gehalten hat.

Über die Jahrhunderte haben sich immer mehr Legenden um Anna Sydow entwickelt. So soll beim Umbau des Berliner Stadtschlosses 1709 ein weibliches Skelett gefunden worden sein, das man der „Weißen Frau“ zuschrieb und ehrlich beerdigte in der Hoffnung, den Spuk dadurch zu beenden. Nach einer anderen Version der Sage soll Anna Sydow im Jagdschloss Grunewald lebendig eingemauert worden sein.

Die weiße Frau als Todesomen

Laut dem Volksglauben gilt die weiße Frau, sofern man sie nicht herausfordert, nicht als böswillig oder gefährlich. Ihr Erscheinen verursacht dennoch häufig Schrecken, da es familiäre Katastrophen, insbesondere die Todesfälle von Mitgliedern der Familie, ankündigt. In solchen Fällen erscheint sie manchmal auch schwarz gekleidet. So kann die weiße Frau als Todesomen gesehen werden.

Anna_Sydow

Porträt von Anna Sydow, Jahr unbekannt

Die weiße Frau von Gabriel von Max

„Die weiße Frau“ von Gabriel von Max um 1900

Quellen: