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Die Zauberpflanze Alraune

Die Alraunen (Mandragora) sind Nachtschattengewächse. Es gibt drei verschiedene Arten, wobei nur eine davon in Europa vorkommt. Die Gemeine Alraune (Mandragora officinarum) wird vor allem durch ihre Kulturgeschichte oftmals als Ritual- und Zauberpflanze angesehen. Ihre volkstümliche Bezeichnung ist auch Drachenpuppe, Erdweibchen, Erdmännchen, Galgenmännlein oder Henkerswurzel. Alraunen sind mehrjährige krautige Pflanzen, die gelegentlich einen übelriechenden Geruch absondern. Ihr Wurzelgewächs ähnelt mit Fantasie einem menschlichen Körper. Die Alraune ist seit der Antike eine der wichtigsten Pflanzen in der Geschichte der Magie und Kräuterkunde. Ihre angebliche magische Kraft wurde genutzt um daraus Zaubertränke zu brauen und magische Amulette zu kreieren. In der freien Natur kommt sie in Europa nur im Mittelmeerraum vor und kam über Handelsrouten im frühen Mittelalter ins nördlichere Europa und nach Deutschland. Seit dem Mittelalter wandelte sich der Mythos um die Alraune. Statt heilenden Kräften wurden ihr nun dämonische Züge angehängt. Beim Ernten der Pflanze soll das Erdmännchen sogar schreien. Der Schrei sei tödlich für all diejenigen, die ihn hören.

So beschrieb Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert, dass der Teufel in der Pflanze wohne. Nachdem die Alraune geerntet wurde, sollte sie deshalb in queckborn (Quellwasser) gelegt werden, um das Böse hinauszudrängen – es sei denn, die Pflanze sollte explizit zu bösem Zauber verwendet werden. Bei Heilanwendung sollte die Pflanze gegen sexuelle Begehrlichkeiten wirken. Hierzu war eine weibliche Alraune zwischen Brust und Nabel des Kranken anzubinden, dann die Wurzel in zwei Teile zu spalten und über die Lenden zu binden und zuletzt die linke Hand der schon völlig anthropomorph [menschenähnlich] vorgestellten Wurzel zu zerreiben und mit Kampfer [kommt in anderen Gewächsen vor], zu essen. Gegen Schwermütigkeit dagegen war hinreichend, die Wurzel mit ins Bett zu nehmen und bei deren Erwärmung ein bestimmtes Gebet zu sprechen. In beiden Fällen konnten Buchentriebe die Alraune ersetzen.

Schließlich notierten auch die Gebrüder Grimm Folgendes über das Alraunenmännchen: „Bei der Ausgrabung desselben ist große Gefahr, denn wenn er herausgerissen wird, ächzt, heult und schreit er so entsetzlich, dass der, welcher ihn ausgräbt, alsbald sterben muss. Um ihn daher zu erlangen, muss man am Freitag vor Sonnenaufgang, nachdem man die Ohren mit Baumwolle, Wachs oder Pech wohl verstopft, mit einem ganz schwarzen Hund, der keinen anderen Flecken am ganzen Leibe haben darf, hinausgehen, drei Kreuze über den Alraun machen und die Erde rings herum abgraben, so dass die Wurzel nur noch mit kleinen Fasern in der Erde stehen bleibt. Danach muss man sie mit einer Schnur dem Hund an den Schwanz binden, ihm ein Stück Brot zeigen und eilig davonlaufen. Der Hund, nach dem Brote gierig, folgt und zieht die Wurzel heraus, fällt aber, von ihrem ächzenden Geschrei getroffen, alsbald tot hin.‘ Dieser Vorgang findet sich auf zahlreichen Abbildungen antiker und frühmittelalterlicher botanischer Handschriften dargestellt.

Ferner kam der Aberglaube hinzu, dass die Alraunen unter einem Galgen wachsen und aus dem Urin und Samen von Gehängten entstehen sollen. Laut anderen Sagen war, um einen Alraun besitzen und nutzen zu können, in jedem Fall ein Bündnis mit dem Teufel einzugehen. Einem verstorbenen Besitzer eines Alrauns musste Brot und Geld in das Grab gegeben werden. Auch das Weiterschenken vor dem Tod löste dies Problem nur bedingt, denn das Geschenkte ließ sich nicht weiter verschenken, sondern kehrte immer zum ersten Besitzer zurück.

Alraunenmann

Zeichnung aus dem Werk von Johannes de Cuba: Gart der Gesundheit. Mainz. 1485. Hessische Landesbibliothek Wiesbaden Inc 237.

Alraunenwurzel

Zeichnung aus dem Buch „Nordisch-germanische Götter und Helden“. Wilhelm Wägner. Otto Spamer, Leipzig & Berlin, 1882.

Quellen: