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Katzen- und Hundefelle in der Apotheke bestellen

Wer unsere Gruseltour besucht hat weiß, wir erzählen von dem „medizinischen“ Zweck von Katzenfellen im 17. Jahrhundert, hinter dem eigentlich nur ein alter Aberglaube verborgen ist. Nun hat uns ein Gast etwas sehr interessantes aus der heutigen Zeit dazu erzählt…

Wofür soll ein Katzenfell gut sein?

Doch zunächst muss die Frage gestellt werden, wofür überhaupt ein Katzenfell benutzt wurde. Ein Katzenfell sollte nach dem Aberglauben Wärme und Heilung verschaffen. Bei unseren Recherchen haben wir herausgefunden, dass bis in die 70-er Jahre hinein, Katzenfelle bei Rheuma angewandt wurden. Anscheinend wurde noch bis vor einigen Jahren mit dem Verkaufsargument für Katzenfelle geworben, dass die „modernsten Rheumakliniken“ wieder auf dieses alte Hausrezept zurückgreifen.

Dafür ließen jährlich zahlreiche Katzen ihr Leben und das Geschäft boomte.
Die Kosten für Katzenfelle waren um ein vielfaches kleiner, als die zu erzielenden Gewinne mit den vertriebenen Katzenfelldecken.

Alte Reklame aus dem Jahr 1898 Katzenfell-Unterkleider Hermann Moos Buchau aus einer Zeitung, Grösse 9,5 x 6,1 cm.

Katzenfelle bestellbar in Apotheken

Unser Gast berichtete, dass Katzenfelle noch heute in Apotheken bestellbar seien!

Das mussten wir natürlich überprüfen. Und siehe da, wir wurden wirklich fündig. Zunächst muss gesagt werden, dass der Handel mit Katzen- und auch Hundefellen mittlerweile illegal ist. Aber das ist noch gar nicht lange her. Erst im Juni 2007 hat das EU-Parlament hat ein Handelsverbot innerhalb der gesamten EU für Hunde- und Katzenfelle verhängt. Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Geldstrafen geahndet.

Bis 2007 konnten Interessenten sogar in diversen Online-Apotheken (medikamente-per-klick.de,aliva-apotheke.de, juvalis.de, meinpharmaversand.de, apothekenversandhaus.de) Katzenfelle bestellen. Damals hat ein Katzenfell um die 30 € gekostet. Einige dieser Webseiten gibt es nicht mehr, die die es noch gibt, bieten aber rechtmäßig keine Katzenfelle mehr an.

Homöopathie setzt weiterhin auf Katzenfell

Auch wenn der Handel mit reinen Katzen- und Hundefellen verboten ist, so gibt es weiterhin Alternativen dazu. In einer Online-Apotheke für homöopathische Mittel, werden Globuli vertrieben, welchen angeblich Katzenfell beigemischt wurde. Doch bei Globuli stellt sich natürlich immer die Frage, ob bei der hohen Verdünnung überhaupt noch der Wirkstoff vorhanden ist.

Screenshot vom 12.11.2017 – Onlineapotheke die Globuli mit Katzenfell verkauft

Quellen:

Unglück schenken – so einfach geht’s!

Es gibt Geschenke, mit denen man abergläubischen Personen keine Freude macht. Darunter befinden sich Messer, ein leeres Portemonnaie, Perlenketten oder Schuhe. Was wird mit diesen Geschenken verbunden?

Messer zerschneiden die Freundschaft

Ein alter Aberglaube besagt, dass man das Band der Freundschaft zerschneidet, wenn man ein Messer verschenkt. Die abergläubische beschenkte Person kann jedoch die Freundschaft retten, indem sie dem Schenker ein Geldstück gibt – sei der Wert noch so gering. Mit einem Cent im Austausch gegen das Messer besiegelt man einen Kauf. Der Schenker darf dieses Geldstück dann nicht ablehnen.

Foto von Thanh Tran auf Unsplash

Leeres Portemonnaie

Wer ein leeres Portemonnaie geschenkt bekommt bleibt arm, so der Aberglaube. Der Schenker sollte immer einen Glückscent in das Portemonnaie legen, damit sich das Geld vermehrt.

Foto von Kawin Harasai auf Unsplash

Perlenketten bringen Tränen

Ein verbreiteter Aberglaube besagt, dass man keine Perlen schenken sollte. Für jede Perle, die man schenkt, fließen beim Beschenkten Tränen. Jedoch gibt es viele Varianten dieses Aberglaubens. In manchen Versionen darf man nur keine Perlenketten schenken, Ohrringe wären zum Beispiel erlaubt. Oder der Aberglaube tritt nur in Zusammenhang mit Hochzeiten auf. Ein Hochzeitskleid, welches mit Perlen bestickt wurde, soll für eine tränenreiche Ehe stehe. Bei diesem Aberglauben wird auch kein Unterschied zwischen echten oder unechten Perlen gemacht.

Foto von Kelly Sikkema auf Unsplash

Schuhe verleiten zum Weglaufen

Schenkt man einer Frau Schuhe, soll das nach dem Aberglaube bedeuten, dass sie weglauft. Auch hier soll wieder gelten, wenn die Frau dem Schenker einen Cent im Austausch für die Schuhe gibt, so gelten sie als „abgekauft“. Die Frau soll demnach ihren Freund nicht verlassen.

Foto von Brooke Cagle auf Unsplash

Quellen:

Salz – Der Stoff aus dem der Aberglaube ist

Woher kommt es, dass so viele Aberglauben mit Salz zu tun haben? Wir gehen heute dem Aberglaube um das Salz auf den Grund.

„Salt“  Foto von furtwangl auf Flickr (CC BY 2.0)

Warum gerade Salz?

Salz wird auch als „Weißes Gold“ bezeichnet. Auch wenn es Salz heute sehr günstig zu kaufen gibt, war dies nicht immer so. Einst war Salz sehr teuer. Wer in dessen Besitz war, war reich und hatte Macht.

Sogar in der Bibel gibt es verschiedene Passagen, in denen dem Salz eine wichtige Rolle beigemessen wird. So heißt es beispielsweise im Evangelium nach Matthäus 5,13:

Vom Salz der Erde und vom Licht der Welt
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. […]

Auch laut Paracelsus (vermutlich geb. 1493  gest. 24. September 1541 in Salzburg damals berühmter Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker und Philosoph) machten den menschlichen Körper drei Grundsubstanzen aus: Schwefel (Sulphur), Quecksilber (Merkurius) und Salz (Sal). Krankheiten konnten laut Paracelsus nur geheilt werden, wenn das Gleichgewicht dieser drei Substanzen wieder hergestellt ist.

So liegt es nicht fern, dass dem Salz darüber hinaus über die Jahrhunderte viele mystische Eigenschaften zugesprochen wurden.

Den Teufel vertreiben

Aufgrund seiner heilenden und konservierenden Wirkung sprach man dem Salz im Mittelalter die Kraft zu, Dämonen oder den Teufel zu vertreiben. Es galt als Schutzsymbol und sicherte Glück und Reichtum. Salz unvorsichtigerweise zu verschütten brachte Unglück. Dieses konnte man aber bannen, indem man etwas des verschütteten Salzes über die linke Schulter warf. Das vertrieb den Teufel, der erschienen war, um den Menschen etwas Böses einzuflüstern.

Sobald der Mensch feststellte, dass diese Nahrungsmittel die Gesundheit erhalten und fördern, schrieb er ihnen heilende Kräfte zu. Weil Salz und Brot das Böse bannen sollte, streute oder legte man es überall dorthin, wo der Teufel Einfluss nehmen könnte. Im Stall hing man Brot und Salz gegen Hexen auf. Man bot es dem Gast an, brachte es selbst zum Besuch mit oder steckte es der Braut in die Schuhe.

Als Geschenk beim Einzug

Noch heute kennen viele Menschen den Brauch, Salz und Brot beim Einzug zu verschenken. Das Salz als Mitbringsel soll einen Mangel an Lebensmittel in dem Haus verhindern. Beides zusammen steht für künftiges Glück und Segen im neuen Heim. Früher wurden beide Lebensmittel außerdem mit Wohlergehen, Sesshaftigkeit und Gemeinschaft in Verbindung gebracht. Germanische Volksstämme sahen in Brot und Salz kostbare Geschenke der Natur. Die kraftspendende Wirkung und die Abwehr des Bösen sind dabei nicht voneinander zu trennen. Brot und Salz sollten außerdem vor Drachen und Hexen schützen. Die Hexe sei Feindin des Brotes und habe keine Macht darüber, besonders wenn es mit dem Kreuz gezeichnet ist.

Dass sich christlicher Glaube und uraltes Gut zum Teil überlagert haben, zeigt sich in der Tradition, dem Täufling Brot und Salz vor der Taufe zu geben, um ihn vor Dämonen zu schützen. Aber nicht nur zu Beginn des Lebens, auch über den Tod hinaus wird Salz Wunderkraft zugesprochen. So gibt man es mancherorts auch heute noch den Toten als Grabbeigabe mit.

„Salts“ Shop in Portland – Foto von fredo auf Flickr (CC BY-ND 2.0)

Der verliebte Koch

Ein versalzenes Essen, soll bedeuten, dass der Koch oder die Köchin verliebt ist.

Der Grund für diesen Aberglauben findet sich in der Antike. Salz wurde als Rohstoff für ein Aphrodisiakum benutzt. Die Griechen glaubten, dass zu wenig Salz die männliche Potenz beeinträchtige. Verliebte zielten also darauf ab, durch viel Salz im Essen die sexuelle Lust zu steigern.

Quellen:

Sonntagskinder: Auf ihnen lastet ein alter Aberglaube

„sonntagskind, n. wer am sonntag geboren und daher nach dem volksglauben mit glück gesegnet und mit allerlei magischen kräften, namentlichder fähigkeit, geister und gespenster zu sehen, ausgestattet ist“

Aus: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 28.05.2017

Alter Aberglaube liegt auf dem Sonntagskind

Laut einem alten Aberglauben haben Sonntagskinder mehr Glück im Leben. Ihnen soll vieles mühelos gelingen, auch wenn sie sich nicht besonders anstrengen. Mit Reichtum und Schönheit sollen sie ausgestattet sein. Der oder die am Sonntag Geborene war bereits bei den Griechen und Römern als Glückskind bekannt. Die Römer nannten ihn ›fortunae filius‹ oder ›albae gallinae filius‹ = das Kind der weißen Henne, da weiße Tiere allgemein als glückbringend verehrt wurden (vgl. auch französisch ›C’est le fils de la poule blanche‹).

Zu den Eigenschaften der Sonntagskinder gehörte nicht nur, wie dies der heutige Sprachgebrauch suggeriert, die Fähigkeit, anderen Menschen Glück zu spenden und selbst glücklich zu sein. Vor einigen hundert Jahren, verbreitete sich der Glaube, Sonntagskinder seien geistersichtig. Sie konnten laut dem Aberglaube also Dämonen oder untote Wiedergänger, die den Normalsterblichen verborgen blieb, sehen oder riechen. Sonntagskinder sollen auch Zwerge erkennen können, die eine Tarnkappe trugen. Ferner wird ihnen nachgesagt, sie könnten hellsehen. Vor allem könnten sie den Tod von Verwandten und Bekannten voraussagen. Diese Fähigkeit hätten sie vom Teufel erhalten. Das machte den Menschen damals Angst und sie versuchten Sonntagskinder zu meiden.

Woher kommt dieser Aberglaube?

Ursprünglich müsste die Bezeichnung „Samstagskind“ lauten, denn sie bezog sich auf Menschen, die an einem Samstag geboren wurden und deshalb über bestimmte magische Kräfte und Fähigkeiten verfügten. Der Samstag, das heißt, der jüdische Sabbat wurde bis ins frühe Mittelalter als der geheiligte Wochentag gefeiert, und die an diesem Tag geborenen Kinder waren in besonderer Weise gesegnet. Erst im 13. Jahrhundert wurde der geheiligte Wochentag im Einflussbereich der römischen Kirche endgültig und verbindlich vom jüdischen Sabbat auf den Sonntag verlegt, weil der Unterschied zwischen Judentum und Christentum auch hierdurch verdeutlicht werden sollte. Der Glaube, dass die am heiligen Wochentag geborenen Kinder besonders begabt seien, blieb bestehen, und so entstand der Begriff „Sonntagskinder“. Auch sie waren ursprünglich in der Lage, dämonische Wesen zu erkennen und zu bekämpfen bzw. durch ihre immanenten Kräfte im Grab zu bannen.

Darstellung von Francesco Maria Guazzo aus dem Jahr 1626 – Hexen übergeben dem Teufel ein Baby – Sonntagskindern wurde nachgesagt mit dem Teufel im Bunde zu sein

Aussterbende Art

Es heißt Ärzte und Hebammen, bevorzugen eine geplante Geburt außerhalb von Feiertagen und Wochenenden, unter anderem weil eine Wochenendegeburt kostspieliger ist als eine Entbindung in der Woche. Der Biologe Alexander Lerchl von der International University Bremen fand heraus, dass immer weniger Sonntagskinder geboren werden. Schuld daran sei die moderne Medizin, die vieles planbarer macht. Es kann sogar soweit führen, dass bald gar keine Kinder mehr an einem Sonntag geboren werden. Lerchl behauptet, das noch bis 1950 an Sonntagen fünf Prozent mehr Kinder geboren wurden, als an anderen Wochentagen.

Quellen:

Die Bierhexe

Es ist das Jahr 1591 und wir befinden uns in der Mark Brandenburg. Ein Scheiterhaufen brennt lichterloh und die Frau im Feuer schreit schon seit einiger Zeit nicht mehr um ihr Leben. Sie ist tot. Es war eine Bierhexe. Die letzte ihrer Art, die auf einem Scheiterhaufen ihr Leben lassen musste. Doch was ist eine Bierhexe?

Was ist eine Bierhexe?

Die Bierhexe oder auch Brauhexe ist eine Frau, die das Bier mit ihren angeblichen Zauberkräften ungenießbar macht. Sollte eine Frau ausfindig gemacht werden, der man diesen Ruf nachsagte, wurde sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Bierbrauen war seit Beginn seiner Geschichte Frauensache und dem Brotbacken im Hause sehr ähnlich. Es oblag der Aufsicht der Hausfrauen. Vor allem der Brauprozess unterlag damals noch einer „mysteriösen“ Gärung. Die Menschen konnten sich noch nicht erklären, dass Hefe für den Gärprozess zuständig ist. Diese unbekannte Zutat wurde oftmals unbewusst beigemischt. Deshalb war der Bierbrauprozess sehr anfällig für Aberglauben.

Viele wundersame Kräuter und kultische Gegenstände wurden auch noch im späteren Mittelalter um den Sudkessel herum gelegt, um böse Geister fernzuhalten. Dieser Aberglaube ging soweit, fehlgeschlagene Brauversuche sogenannten „Brauhexen“ oder „Bierhexen“ zuzuschreiben.

Misslang also einer Brauerin der Brauvorgang, so wurde sie schnell als Bierhexe bezichtigt und in Hexenprozessen gefoltert und hingerichtet. Gelang einer Brauerin ihr Bier zu häufig und zu mühelos, so machte sie sich ebenfalls verdächtig und landete nicht selten auch auf dem Scheiterhaufen.

Das Ende des Aberglaubens kam mit der Durchsetzung des Hopfens. Auch wenn die Verwendung des Hopfens erst einmal verboten wurde, setzte sich dessen Verwendung auf Dauer durch.  Das Bier wurde dadurch haltbarer und der Brauprozess stabiler. Es ging weniger schief und es mussten weniger „Sündenböcke“ gesucht werden.

Die Radierung von Jan Luyken stellt eine Hexenverbrennung dar, 1649-1712

Sage um die Bierhexe

In einer Sage aus Mecklenburg-Vorpommern dreht sich alles um einen missglückten Brauprozess und wie man die Schuldige überführt und hinrichtet:

In einer Brauerei in Königsberg schlug jedes Gebräu um. Der Mälzenbrauer war ärgerlich, er dachte, es läge am Brauknecht und jagte ihn fort. Es lag aber an einer Katze. Die setzte sich immer, wenn das Gebräu fast fertig war, auf den Rand des Braukübels, und indem sie tat, als ob sie hineinfallen wollte, rief sie: »Holle, bolle, bool gefalle.« Diese Worte pflegte sie einige Male zu wiederholen und verschwand dann, ohne daß jemand wußte, woher sie gekommen oder wo sie geblieben; das Bier aber war dann regelmäßig umgeschlagen. – Bald meldete sich ein kluger Brauknecht, der wohl merkte, wie es um die Sache stand und versicherte dem Brauherrn, daß er ein Sonntagskind sei und den Spuk wohl austreiben wolle. Er fing also mutig sein Werk an, und als die Katze wieder auf den Kübel sprang und ihren Spruch »Holle, bolle« anfing, ließ er sie gar nicht ausreden, sondern goß ihr gleich einen Schoppen kochendes Bier über den Hals, daß sie verbrannt und jammernd davonschlich. – Das Gebräu war herrlich geraten, aber anderntags lief das Gerücht durch das Haus, daß die Frau sehr krank sei. Was ihr fehlte, wußte man nicht, denn sie wollte es niemandem sagen; aber der kluge Brauknecht riet, doch nachzusehen, ob sie nicht verbrüht sei. Als sich das wirklich zeigte, entdeckte der Brauknecht seinem Herrn den ganzen Unfug. Der zeigte die Sache dem Gericht an; die Frau ward der Hexerei überführt und verbrannt.

 

Quellen: