Zaubersprüche gegen Krankheiten aus Sachsen

Der gebürtige Leipziger Carly Seifarth (* 14. Januar 1890 † 27. Oktober 1950 in Leipzig) hat 1913 seine Dissertation „Aberglaube und Zauberei in der Volksmedizin West-Sachsens“ an der Universität Leipzig veröffentlicht. Für diese Arbeit ist Seifahrt in Sachsen herum gereist und hat über Aberglauben und Magie geforscht. In vielen sächsischen Orten ist er fündig geworden.

Wir stellen euch heute  aus Seifarths Dissertation drei über 100 Jahre alte Zaubersprüche aus Sachsen vor, die nach dem damaligen Aberglauben Krankheiten heilten sollten.

Zauberspruch gegen Zahnschmerzen

Ich sehe den neuen Mond mit zwei Spitzen,
Meine Zähne sollen weder hitzen noch schwitzen,
Sie sollen auch nicht wieder wehtun,
Bis ich den Neumond sehe mit drei Spitzen.
Zahnangst ich habe dich mit meinen Zähnen berührt,
So kehre du dich an meine Guhr*.
Mond ich sehe dich scheinen mit zwei Spitzen,
Meine Zähne sollen in Blute schwitzen,
Bis ich dich sehe mit drei Spitzen
Und das sage ich mir
Im Namen Gottes.

*Guhr ist ein altdeutscher Ausdruck für Fäule und den damit einhergehenden unangenehmen Geruch

Wundsegen – zur Besprechung von Wunden

Wunde du sollst nicht hitzen,
Du sollst nicht schwitzen,
Du sollst nicht gären,
Du sollst nicht schwären,
Bis die Mutter Gottes einen anderen Sohn wird gebären. Amen.

Dieser Spruch ist aus Zwickau. „Bis die Mutter Gottes einen anderen Sohn wird gebären“ bedeutet, dass es nie passieren wird.

Frauenleiden – Die Gebärmutter besprechen

Hebemutter, Wehemutter, Blähemutter,
Gebärmutter, Flattermutter, Gerthmutter,
Rosenmutter, Kindesmutter, Fürfallmutter,
Ich gebiete dir, dass du gehst in deinen vorigen Stand,
Da du lagest und klagest,
Da du eine reine Jungfrau warest,
Das zähl ich dir zur Buße
Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Spannend ist bei all den Zaubersprüchen, dass eine Vermischung von Aberglauben und Religion vorliegt. Die Religion konnte also den Aberglaube nicht vollständig verdrängen.

credulity-superstition-and-fanaticism

„Credulity, Superstition and Fanaticism“ („Leichtgläubigkeit, Aberglaube und Fanatismus“) von William Hogarth 1762

Quellen: