Woher kommt das Blut in den blutenden Hostien?

Letzte Woche haben wir euch von der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack berichtet. Eine Kirche in der „blutende“ Hostien gefunden wurden, also blutende Oblaten, welche eigentlich für das Abendmahl gedacht waren. Die rote Färbung hatte sich niemand eingebildet. Sie war wirklich da und sah aus wie Blut. Aber was steckt dahinter?

Das Geheimnis der Rotfärbung

Natürlich blutete die Hostie nicht wirklich. Doch das konnte vor hunderten von Jahren einfach noch nicht festgestellt werden. Heute weiß man, dass der Grund für die Rotfärbung Mikroben namens Serratia marcescens waren. Die einzelnen Zellen dieses Bakteriums sind für das bloße Auge nicht auszumachen. Sie bilden allerdings ein leuchtend rotes Pigment, das sichtbar wird, sobald Kolonien des Bakteriums auf Lebensmitteln auftauchen. Die in der Feuchtigkeit mittelalterlicher Kirchen gelagerte Oblaten boten perfekte Voraussetzungen für das Wachstum der Bakterien.

Blutrote Kolonien von Serratia marcescens (CC BY-SA 3.0)

Kein harmloses Bakterium

Jahrelang wurden die Bakterien für relativ harmlos gehalten. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie leicht übertragbar und Erreger für viele Krankheiten sind.

Ein durchgeführtes Experiment verlief so, dass ein Student seinen Finger in eine Serratia marcescens-Kultur tauchte und dann die Hand eines Kommilitonen schüttelte. Der zweite Student reichte einem dritten die Hand, dieser dritte einem vierten. Der Vorgang wurde etwa ein dutzendmal wiederholt. Von den Händen der aufeinanderfolgenden Teilnehmer des Versuchs wurden Abstriche auf Nähragar ausgebracht, auf dem jede Art von Bakterien wächst. Das rote Pigment zeigte jedesmal, daß sich einige wenige Zellen auch noch an der Hand der letzten am Versuch beteiligten Person befanden. Im Jahre 1906 gurgelte M. H. Gordon mit einer Serratia marcescens-Kultur und rezitierte im Unterhaus Passagen aus Shakespeare. Der Saal war leer – bis auf Platten mit Nähragar, die auf den Tischen verteilt waren. Bei diesem Versuch zeigte die leuchtend rote Farbe auf den Platten, daß die Bakterien bis zum anderen Ende des Raumes verfrachtet worden waren. Dies war einer der ersten Nachweise, daß Mikroben durch Sprechen, Niesen und Husten weit verstreut werden können.

Bei Serratia marcescens handelt es sich um einen Krankheitserreger. Er kann bei entsprechend immungeschwächten Personen folgende Krankheiten verursachen: Harnwegsentzündung, Blutvergiftung, Lungenentzündung, Entzündung der Herzinnenhaut oder des Knochenmarks, sowie Hirnhautentzündung.

Gefahr für immungeschwächte Personen

Schlimm ist, wenn man davon ausgehen muss, dass gerade immungeschwächte Personen die blutenden Hostien besucht haben. Kranke Personen, die sich Heilung erhofften, wenn sie einen Pilgerort mit blutenden Hostien aufsuchten. Ob diese viel kränker nach Hause gegangen sind, ist nicht überliefert. Das hätte natürlich auch den Ruf des Pilgerortes zerstört und wäre mit einem Wirtschaftseinbruch verbunden. Hoffentlich waren die blutenden „Wunder“-Oblaten gut weggeschlossen oder hinter Glas, so dass sich die Bakterien nicht verbreiten konnten.

Quellen: