Schauriger Spuk in einer Zahnarztpraxis

Der Geist beschimpfte Anfang der 80er Jahre mit seiner kehligen, kratzigen Stimme Patienten, den Zahnarzt und seine Frau in einer bayrischen Zahnarztpraxis. Damals trieb „Chopper“, so wurde der Geist genannt, fast ein Jahr lang sein Unwesen, indem er bis zu 90 Mal am Tag alle erschreckte. Er kreischte Flüche und Obszönitäten aus dem Spucknapf, aus der Toilette oder aus Abflüssen und Telefonhörern. Nur für die fast 17 Jahre alte Auszubildende Claudia fand er nette Worte. Es machte den Anschein, als wäre der Geist sogar in sie verliebt. Nicht nur Patienten fanden sich schließlich in der Arztpraxis ein, auch selbsternannte Geisterjäger und Medien, welche versuchten mit dem Geist zu kommunizieren. Die Zahnarztgattin erstattete schließlich Anzeige. Und schon bald rückte die Kripo an und untersuchte mit der extra dafür gegründeten „Soko Geist“ die Praxis. Jedoch fanden sie rein gar nichts. Ende Februar 1982 endete der Spuk. Ein Polizist sah im Spiegel, wie sich Claudias Lippen bewegten, als Chopper abermals fluchte. Und erst dann wurde allen bewusst, warum der Geist nie an einem Montag spukte, wenn Claudia in der Berufsschule war. Die Angelegenheit wurde schließlich vor Gericht behandelt, es wurden 32 Zeugen verhört und ein Urteil gesprochen. Dabei kam auch heraus, dass der Zahnarzt und seine Frau mit von der Partie waren und die „Geistertätigkeiten“ von Claudia unterstützten. Die Auszubildende Claudia bekam eine Verwarnung und musste eine Geldstrafe von 1.500 DM wegen Vortäuschens einer Straftat, Beleidigung und Bedrohung zahlen. Aber auch das Zahnarzt-Ehepaar wurden zu einer fünfstelligen DM-Summe wegen Vortäuschung einer Straftat verurteilt. Als Tatmotiv sah der Richter Claudias „Geltungsbedürfnis“: Sie habe „sich eine Figur erschaffen, um von ihr bewundert zu werden.“ Nach dem Gerichtsverfahren hielten der Zahnarzt Bachseitz und seine Frau dem öffentlichen Druck nicht mehr stand und ließen sich freiwillig in eine Psychiatrie einweisen. Claudia wurde entlassen und nahm sogar später eine neue Identität an.

Das Foto zeigt Claudia, die mit ihrer Stimme den Chopper inszenierte, und ihren Chef den Zahnarzt Herrn Bachseitz 1982 in Neutraubling. Darunter ein damaliger Zeitungsartikel.

Claudia und ihr Chef in der Zahnarzpraxis