Leipziger Buchmesse 2018 und unsere Gruselbibliothek

Die Leipziger Buchmesse ist heute zu Ende gegangen. Sie war vom 15. bis 18.3.2018. Im Vorfeld der Buchmesse haben wir euch auf unserem Instagram-Kanal an neun Tagen schaurige Bücher aus unserer Gruselbibliothek präsentiert. Jeden Tag gab es einen gruseligen Buchtipp von uns.

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Quellen:

Der Geisterbaron aus München

Wer war der Geisterbaron?

Nur im Volksmund wurde er der Geisterbaron genannt. Eigentlich hieß er aber Albert Freiherr von Schrenck-Notzing und wurde am 18. Mai 1862 in Oldenburg geboren. Er starb am 12. Februar 1929 in München. Er wurde als reicher und fanatischer Außenseiter beschrieben, der sich für das Okkulte interessierte. Schrenck-Notzing studierte in München Medizin und promovierte 1888 mit dem Thema „Ein Beitrag zur therapeutischen Verwerthung des Hypnotismus“. Schon im darauffolgenden Jahr arbeitete er in München als praktischer Arzt. Ferner widmete er sich der medizinischen Psychologie und wurde der erste Psychotherapeut im süddeutschen Raum. Er wurde unter anderem dadurch bekannt, weil er behauptete „sexuelle Dysfunktionen“, wie Homosexualität, Betroffenen „absuggerieren“ zu können. Vor allem interessierte er sich für die Gebiete der Hypnose und Parapsychologie. 1886 war er Mitbegründer der „Psychologische Gesellschaft“, wo parapsychologische Versuche stattfanden.

Steigendes Interesse für das Okkulte

Durch seine Heirat wurde Schrenck-Notzing finanziell noch unabhängiger und verlagerte seine Forschung auf das Studium „okkulter“ psychophysischer Vorgänge. In seinem Palais richtete er ein okkultistisches Labor ein. Dort veranstaltete er Séancen. Die dabei präsentierten Medien, also Menschen mit angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten, konnten unter anderem mit „psychischer Energie“ Erscheinungen formen und folglich materialisieren. Seine Séancen mit dem Materialisationsmedium „Eva C.“, welche eigentlich Marthe Béraud hieß, erregten starkes öffentliches Interesse. Vor allem die Fotographien des „Ekto-“ oder „Teleplasmas“, einer quasi-biologischen Substanz, erzeugten Faszination und Abscheu. Das waren Fotographien von Medien,  die aus Körperöffnungen diese Substanz ausschieden. Schrenck-Notzing deutete dies als „ideoplastische“ Vorgänge, die von angeblichen unbewußten Vorstellungen des Mediums geformt wurden. Einer seiner berühmtesten Besucher und Zuschauer der Séancen war der Schriftsteller Thomas Mann. In Berichten von Thomas Mann wird deutlich, dass dieser keinen Zweifel an der Echtheit der Geisterbeschwörungen des Schrenck-Notzing hatte. In der Weimarer Republik wurde Schrenck-Notzing auch als der „Geisterbaron“ betitelt. Bis heute ist jedoch fraglich, inwieweit es sich bei seinen Séancen um Betrug handelte und wie Schrenck-Notzing die Täuschung aufbaute.

Schrenck-Notzing

Schrenck-Notzing bei einer Séance um 1894

Schrenck-Notzing Medium

Das Foto, um 1920 entstanden, zeigt das Medium Stanislawa P. bei einer Sitzung von Schrenck-Notzing. Aus ihrem Mund tritt sogenanntes „Ektoplasma“ aus. Schrenck-Notzing beschreibt dies als Materialisationsphänomen.

Quellen:

Totenbretter – stille Botschafter des Sensemanns

Es kann schon passieren, dass der ein oder andere Wanderer in Bayern auf ganz sonderbare längliche Holztafeln stößt, die gar merkwürdige Inschriften und Namen von vor über 100 Jahren tragen. Das sind Totenbretter.

Totenbrettgruppe in der bayrischen Stadt Regen

Totenbrettgruppe in der bayrischen Stadt Regen – Foto aus dem Jahr 2006

Was ist ein Totenbrett?

Als Totenbretter (Leichenbretter, Reebretter oder Rechbretter) werden Holzbretter bezeichnet, auf denen Tote bis zum Begräbnis aufgebahrt und die zur Erinnerung an den Verstorbenen am Wegrand aufgestellt wurden. Dieser Brauch war im 19. Jahrhundert im gesamten bairischen und alemannischen Raum verbreitet. Die Totenbretter stammen aus einer Zeit, in der es üblich war die Verstorbenen auf Brettern im eigenen Hause aufzubahren. Die Totenbretter dienten dazu als Unterlage für den Leichnam. Der Tote wurde danach in ein Leichentuch gewickelt und zum Friedhof getragen. Am noch leeren Grab angekommen, wurde das Brett schräg gehalten, so dass der Leichnam hinab ins Grab rutschte. Das wurde in der Gegend auch als „Brettlrutsch’n“ bezeichnet. Manchmal wurde das Totenbrett mit ins Grab gelegt. Es kam aber auch vor, dass es als Erinnerungszeichen für die Lebenden aufgestellt wurde.

Aberglaube um die Totenbretter

Diese doch für manch einen recht schaurig anmutenden Totenbretter, welche bevorzugt an Wegesrändern standen, riefen allerlei Aberglauben hervor. Den Totenbrettern schrieb man Zauberkräfte zu und ihre Standorte galten als Spukplätze. Der Volksglauben besagte auch, dass die Seele des Toten erst Erlösung findet, wenn sein Totenbrett verfallen war. Um eine möglichst kurze Zeit im Fegefeuer zu erzielen, wurden die älteren Totenbretter daher aus Weichholz gefertigt und ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Vereinzelt wird auch von Totenbrettern berichtet, die als Trittplanken oder Stege über Bäche und Sümpfe genutzt wurden, da sie dort besonders schnell verwittern und zerfallen. Sollte jemand das Holz eines Totenbrettes gestohlen haben, um dies zum Beispiel zu verfeuern oder weiter zu verarbeiten, dann bricht großes Unglück über ihn herein.

Totengedenkbretter

Neben den „echten“ Totenbrettern mit bis zu 2 m Länge und 40 cm Breite hat sich – vor allem in Oberbayern – der Brauch entwickelt, kürzere, schmalere Gedenkbretter aufzustellen. Diese selten mehr als 150 cm langen und 30 cm breiten Bretter werden ebenfalls an Wegrändern aufgestellt. Auf ihnen finden sich Sinn- und Gedenksprüche, die jedoch nicht an eine bestimmte Person erinnern, sondern allgemein zum Totengedenken auffordern.

Totengedenkbrett - Foto aus dem Jahr 2005

Totengedenkbrett – Foto aus dem Jahr 2005

Das Foto zeigt ein Totengedenkbrett bei Grafrath. Die Inschrift:
„Die Toten rufen uns zu:
‚Das was ihr seid,
das waren wir.
Und das was wir sind,
das werdet ihr noch sein.’“

Quellen:

Ritter Kahlbutz – eine brandenburgische Mumie

Er soll zu Lebzeiten einen Mord begangen haben, weswegen er im Tode auf ewig leiden soll. Seit über 300 Jahren ist er tot – doch seine Leiche verwest nicht. Ist es die gerechte Strafe Gottes an dem angeblichen Mörder Ritter Kahlbutz?

Wer war Ritter Kahlbutz?

Christian Friedrich von Kahlbutz wurde am 6. März 1651 in der Mark Brandenburg geboren und starb dort auch am 3. November 1702. Oftmals wird er auch als Ritter Kahlbutz bezeichnet, weil er Mitglied in der märkischen Ritterschaft war. Kahlbutz starb im Alter von 52 Jahren an einem Blutsturz, das ist umgangssprachlich für eine plötzliche, starke Organblutung aus einer Körperöffnung. 1794 wurde die Kirche, wo Kahlbutz beigesetzt wurde, renoviert. Beim Öffnen der Särge stellte sich heraus, dass die Leiche des Ritters Kahlbutz nicht verwest war. Laut dem heutigen Forschungsstand wird angenommen, dass  Kahlbutz an einer Krankheit litt, die eine starke Abzehrung seines Leibes verursachte, wie zum Beispiel Tuberkulose.

Die natürliche Mumifizierung

Kahlbutz wurde in einem Eichendoppelsarg beigesetzt. Die bereits begonnene Verwesung der Leiche wurde wahrscheinlich durch den abgeschlossenen Sarg, seine eigenen Ausdünstungen sowie den mangelnden Nährboden der extrem abgemagerten Leiche unterbunden. Durch die Bauweise der Gruft und des Sarges konnten große Mengen Luft am Leichnam vorbei streichen, und genügend Wasser von diesem wegtransportieren und so den Leichnam austrocknen. Dies führte vermutlich zur natürlichen Mumifizierung durch „Verlederung“.

Ist es eine Strafe Gottes?

Trotz dieser Erklärung gab es über die Jahrzehnte hinweg immer wieder Sagen und Erzählung, warum der Leichnam nicht verwest sei. Der Volksmund sah darin Gottes gerechte Strafe für einen Mord. Der Sage nach wurde Kahlbutz im Jahre 1690 von seiner Dienstmagd Maria Leppin des Mordes an ihrem Verlobten, dem Schäfer Pickert, bezichtigt. Die Begründung lautete, er habe den Schäfer aus Rache erschlagen, weil die Magd dem Ritter das „Recht der ersten Nacht“ verweigert hätte. Das „Recht der ersten Nacht“ bezeichnet das angebliche Recht eines Gerichtsherren, bei der Heirat von Personen, die seiner Herrschaft unterstanden, die erste Nacht mit der Braut zu verbringen oder einen Geldersatz zu verlangen. Auch habe er sich mit Pickert um die Größe des Weideplatzes gestritten. Im folgenden Strafprozess wurde Kahlbutz jedoch aufgrund seiner eigenen eidlichen Aussage freigesprochen, da die Zeugen fehlten. Ritter Kahlbutz soll dabei vor dem Gericht geschworen haben: „Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nie verwesen.“

Foto der Mumie des Kahlbutz 2005 – Fotografiert von Hedavid unter CC BY 3.0 (Wikipedia)

Die Legenden um Kahlbutz

Im Laufe der Jahre wurden der Mumie weitere Spuk- und andere mysteriöse Geschichten angedichtet. Aus den Zeiten der Napoleonischen Besetzung im Jahre 1806 gibt es Erzählungen über Scherze der französischen Besatzer. Die Mumie soll von französischen Soldaten als „Nachtwache“ eingesetzt worden sein. Theodor Fontane schreibt distanziert die Legende nieder, dass Napoleons Soldaten die Mumie einst aus Spaß auf den Altar der Kirche kreuzigen wollten. Als sie versuchten, die linke Hand festzunageln, sprang diese zurück in ihre Ausgangsposition und ohrfeigte dabei einen Soldaten, der vor Schreck sofort starb. Ferner soll ein französischer Offizier die Mumie aus dem Sarg genommen, ihn beschimpft und bespuckt und falsch herum in den Sarg zurückgelegt haben. Anschließend habe er ihn aufgefordert, falls er wirklich spuken sollte, solle er ihn um Mitternacht in seinem Quartier besuchen. Am nächsten Tag soll der Offizier tot in seinem Quartier gefunden worden sein, das Genick um 180° verdreht. Dabei sollen Türen und Fenster von innen verriegelt gewesen sein, sodass ein Eindringen von außen nicht möglich war.

Im Übrigen soll mit dieser Mumie im Ort allerlei Schabernack betrieben worden sein. 1913 wurde sie angeblich in das Brautbett einer frischvermählten Braut gelegt. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie anscheinend mehrere Jahre in einem Wartezimmer eines Neustädter Arztes ausgestellt und löste Ohnmachtsanfälle bei den Patienten aus. Außerdem soll sie von Schuljungen auf das Dach der Schule gelegt worden sein.

Heute kann die unverweste Leiche des Ritters Kahlbutz in der kleinen Dorfkirche in Kampehl (Brandenburg) besichtigt werden und ist ein Touristenmagnet.

Wieder machte uns ein Gast auf diese wunderbare schaurige Geschichte aufmerksam! Danke an die mutigen Teilnehmer der Gruseltour!

Kahlbutz

Foto der Mumie des Kahlbutz 2014 – Fotografiert von Anagoria unter CC BY 3.0 (Wikipedia)

Quellen:

Caroline, ihre Prothesen und ein Mord

Über Caroline Eichler ist nicht viel bekannt. Sie wurde im Jahr 1808 oder 1809 vermutlich in Nordhausen oder Berlin geboren. Welche Schulbildung sie genossen hat ist ebenfalls unbekannt. Sie arbeitete einige Zeit als Krankenpflegerin. Während dieser Arbeit habe sie vermutlich die ersten Ideen für ihre spätere Erfindung gehabt, die sie berühmt machte, ihr aber auch ein kurzes Leben bescherte.

Caroline Eichler – Porträt von Johann Georg Weinhold

Caroline Eichlers Patent

Caroline Eichler konstruierte 1832 eine Beinprothese mit Kniegelenk, für die sie am 23. November 1833 als erste Frau in Preußen ein Patent erhielt – mit nur 25 Jahren. Weitere Patente erhielt sie für das Russische Reich und am 13. Januar 1835 auch für das Königreich Bayern. Der Leiter der Chirurgie an der Berliner Charité, berichtete vom erfolgreichen Einsatz der Eichlerschen Fussprothese bei einem seiner Patienten und lobte die Konstruktion ausdrücklich. Ihre Prothese war die erste ihrer Art, die ein bewegliches Knie hatte. Sie war im Vergleich zu ihren Vorgängern recht bequem. Außerdem musste der Amputierte die Prothese nicht stets mit einer Schnur ziehen und bewegen, was davor üblich war. Bei der Benutzung der Eichler Prothesen waren auch keine weiteren Hilfskrücken notwendig und ein freihändiges Laufen, sogar Treppensteigen, war möglich. Bald folgte der Beinprothese eine ausgereifte Handprothese.

Eichlers Beinprothese

Eichlers Handprothese

Eine kluge Frau mit einem zu kurzem Leben

Eichler konnte schließlich gut von ihrer Arbeit leben. Sie arbeitet als Verfertigerin künstlicher Füße und Hände in Berlin. Da sie nicht dem gängigen Frauenbild jener Zeit entsprach, galt sie als unweiblich. Dennoch heiratete sie am 30. Oktober 1837 den sieben Jahre jüngeren Mechaniker Carl Friedrich Eduard Krause aus Bielefeld, von dem sie sich später wieder scheiden ließ. Ein Rosenkrieg brach aus. Nach der Scheidung habe er immer wieder Geld von ihr erpresst und dabei sei es schließlich zum Streit gekommen. Am 6. September 1843 wurde sie von Krause in ihrer Wohnung mit einer zugespitzten Feile ermordet.

Quellen: