Ritter Kahlbutz – eine brandenburgische Mumie

Er soll zu Lebzeiten einen Mord begangen haben, weswegen er im Tode auf ewig leiden soll. Seit über 300 Jahren ist er tot – doch seine Leiche verwest nicht. Ist es die gerechte Strafe Gottes an dem angeblichen Mörder Ritter Kahlbutz?

Wer war Ritter Kahlbutz?

Christian Friedrich von Kahlbutz wurde am 6. März 1651 in der Mark Brandenburg geboren und starb dort auch am 3. November 1702. Oftmals wird er auch als Ritter Kahlbutz bezeichnet, weil er Mitglied in der märkischen Ritterschaft war. Kahlbutz starb im Alter von 52 Jahren an einem Blutsturz, das ist umgangssprachlich für eine plötzliche, starke Organblutung aus einer Körperöffnung. 1794 wurde die Kirche, wo Kahlbutz beigesetzt wurde, renoviert. Beim Öffnen der Särge stellte sich heraus, dass die Leiche des Ritters Kahlbutz nicht verwest war. Laut dem heutigen Forschungsstand wird angenommen, dass  Kahlbutz an einer Krankheit litt, die eine starke Abzehrung seines Leibes verursachte, wie zum Beispiel Tuberkulose.

Die natürliche Mumifizierung

Kahlbutz wurde in einem Eichendoppelsarg beigesetzt. Die bereits begonnene Verwesung der Leiche wurde wahrscheinlich durch den abgeschlossenen Sarg, seine eigenen Ausdünstungen sowie den mangelnden Nährboden der extrem abgemagerten Leiche unterbunden. Durch die Bauweise der Gruft und des Sarges konnten große Mengen Luft am Leichnam vorbei streichen, und genügend Wasser von diesem wegtransportieren und so den Leichnam austrocknen. Dies führte vermutlich zur natürlichen Mumifizierung durch „Verlederung“.

Ist es eine Strafe Gottes?

Trotz dieser Erklärung gab es über die Jahrzehnte hinweg immer wieder Sagen und Erzählung, warum der Leichnam nicht verwest sei. Der Volksmund sah darin Gottes gerechte Strafe für einen Mord. Der Sage nach wurde Kahlbutz im Jahre 1690 von seiner Dienstmagd Maria Leppin des Mordes an ihrem Verlobten, dem Schäfer Pickert, bezichtigt. Die Begründung lautete, er habe den Schäfer aus Rache erschlagen, weil die Magd dem Ritter das „Recht der ersten Nacht“ verweigert hätte. Das „Recht der ersten Nacht“ bezeichnet das angebliche Recht eines Gerichtsherren, bei der Heirat von Personen, die seiner Herrschaft unterstanden, die erste Nacht mit der Braut zu verbringen oder einen Geldersatz zu verlangen. Auch habe er sich mit Pickert um die Größe des Weideplatzes gestritten. Im folgenden Strafprozess wurde Kahlbutz jedoch aufgrund seiner eigenen eidlichen Aussage freigesprochen, da die Zeugen fehlten. Ritter Kahlbutz soll dabei vor dem Gericht geschworen haben: „Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nie verwesen.“

Foto der Mumie des Kahlbutz 2005 – Fotografiert von Hedavid unter CC BY 3.0 (Wikipedia)

Die Legenden um Kahlbutz

Im Laufe der Jahre wurden der Mumie weitere Spuk- und andere mysteriöse Geschichten angedichtet. Aus den Zeiten der Napoleonischen Besetzung im Jahre 1806 gibt es Erzählungen über Scherze der französischen Besatzer. Die Mumie soll von französischen Soldaten als „Nachtwache“ eingesetzt worden sein. Theodor Fontane schreibt distanziert die Legende nieder, dass Napoleons Soldaten die Mumie einst aus Spaß auf den Altar der Kirche kreuzigen wollten. Als sie versuchten, die linke Hand festzunageln, sprang diese zurück in ihre Ausgangsposition und ohrfeigte dabei einen Soldaten, der vor Schreck sofort starb. Ferner soll ein französischer Offizier die Mumie aus dem Sarg genommen, ihn beschimpft und bespuckt und falsch herum in den Sarg zurückgelegt haben. Anschließend habe er ihn aufgefordert, falls er wirklich spuken sollte, solle er ihn um Mitternacht in seinem Quartier besuchen. Am nächsten Tag soll der Offizier tot in seinem Quartier gefunden worden sein, das Genick um 180° verdreht. Dabei sollen Türen und Fenster von innen verriegelt gewesen sein, sodass ein Eindringen von außen nicht möglich war.

Im Übrigen soll mit dieser Mumie im Ort allerlei Schabernack betrieben worden sein. 1913 wurde sie angeblich in das Brautbett einer frischvermählten Braut gelegt. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie anscheinend mehrere Jahre in einem Wartezimmer eines Neustädter Arztes ausgestellt und löste Ohnmachtsanfälle bei den Patienten aus. Außerdem soll sie von Schuljungen auf das Dach der Schule gelegt worden sein.

Heute kann die unverweste Leiche des Ritters Kahlbutz in der kleinen Dorfkirche in Kampehl (Brandenburg) besichtigt werden und ist ein Touristenmagnet.

Wieder machte uns ein Gast auf diese wunderbare schaurige Geschichte aufmerksam! Danke an die mutigen Teilnehmer der Gruseltour!

Kahlbutz

Foto der Mumie des Kahlbutz 2014 – Fotografiert von Anagoria unter CC BY 3.0 (Wikipedia)

Quellen:

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