Menschen im Zoo ausgestellt… Bitterböse Wahrheiten aus der Vergangenheit

Menschen, die in Zoos ausgestellt wurden? Es klingt wie aus einem Horrorfilm, aber es ist bitterböse Wahrheit. Diese Ausstellungen wurden „Völkerschauen“ genannt. Bei solch einer Völkerschau wurden Angehörige eines fremden Volkes zur Schau gestellt. Die meisten Völkerschauen wurden in Europa zwischen 1870 und 1940 durchgeführt. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Präsentiert wurden diese Menschen im Zoo, Zirkus, sowie auf Jahrmärkten, Volksfesten oder in Varietés in möglichst naturgetreuer Kulisse. Ein Beispiel für die Völkerschau sei auch genannt.

Ab 1875 präsentierte Carl Hagenbeck auf Völkerschauen Lappländer, wobei die Besucher diese bei ihrem Alltagsleben betrachten konnten. Diese Schau feierte große Erfolge. So traten sie nicht nur in Hamburg auf, sondern auch in Berlin und Leipzig. Stets wurde darauf geachtet möglichst Kinder und Erwachsene beiden Geschlechts und verschiedenen Alters vorzuführen, damit die Besucher mehr über das „Familienleben“ der Völker erfahren konnten und die Schauen profitierten sogar von Ereignissen wie Tod, Hochzeit oder Geburt der Ausgestellten und dem dadurch entstandenen Besucherandrang. Mit einem Vertrag zwischen Organisator und den fremden Menschen wurde die Länge des Aufenthalts, die Verpflichtungen während der Schau, die sichere Heimreise und das Gehalt festgelegt. Außerdem mussten alle geimpft werden, da zuvor viele Darsteller an Masern, Tuberkulose oder Pocken in Europa starben. Dennoch ließen sich wohl nicht wenige Menschen aus den Kolonien bereitwillig für die Teilnahme an der Völkerschau anwerben, da finanzielle Gewinne lockten. Dabei bleibt fragwürdig, ob sie sich der Gefahren und dass sie sich als Unterlegene präsentieren mussten, bewusst waren.

Es gab drei Typen der Völkerschauen: Zum einen das „Eingeborenendorf“, das der Zuschauer durchlaufen konnte, dann Schauen mit geregelten Abläufen der Vorführungen und den Sideshows, bei denen stark auf die körperliche Andersartigkeit gegenüber den Europäern hingewiesen wurde. Oft gab es aber auch Mischformen. Die Völkerschauen entsprachen meist nicht der Wirklichkeit und der wahren Lebensweise der Völker, sondern vielmehr einem Abbild der europäischen Klischees zu den fremden Menschen, die durch Bücher und Erzählungen (z. B. von Karl May) entstanden waren. So zum Beispiel wurden die Feuerländer als Kannibalen dargestellt und mussten rohes Fleisch essen, Kämpfe und Kriegstänze vorführen. Es handelte sich oft um eine erniedrigende Darstellung fremder Kulturen. Zur Zeit der Völkerschauen waren viele Menschen in Europa der Meinung, es wäre berechtigt, fremde Völker in dieser Weise auszustellen. Die Ausstellungen würden so organisiert, dass die Wahrnehmung der Ausgestellten den Klischees der Europäer gegenüber diesen Völkern entsprach. Die „Überlegenheit“ der Bürger in Europa gegenüber den Völkern auf der ganzen Welt drückte sich auch sprachlich in den Werbemedien aus. Der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft markierte schließlich das Ende der Völkerschauen in Deutschland, da ab 1940 ein Auftrittsverbot für „Farbige“ in Kraft trat.

Anzeige im »Leipziger Tageblatt« vom 25.07.1894 der Menschenschau „Suaheli-Karawane“:Leipziger Völkerschau
Plakat für eine Samen-Völkerschau bei Carl Hagenbeck, Hamburg-St. Pauli von A. Friedländer 1893/94: Friedländer Plakat

Quellen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.