Meister Franz und sein Tagebuch des Todes

Franz Schmidt (geboren ca. 1555 in Hof; begraben am 14. Juni 1634 in Nürnberg), auch Meister Franz (oder Meister Frantz) genannt, war ein deutscher Henker.

Franz Schmidt bei der Hinrichtung von Hans Fröschel, 1591. Diese Zeichnung aus Gerichtsunterlagen ist die einzige verlässliche Darstellung des Scharfrichters.

Des Henkers Leben und Arbeit

Franz Schmidt wuchs in einer Henkersfamilie auf. Sein Vater war in Bamberg als Henker tätig. So war Schmidt zunächst von 1573 bis April 1578 Scharfrichter in der Gegend von Bamberg und vom 1. Mai 1578 bis Ende 1617 Scharfrichter in Nürnberg. Am 7. Dezember 1579 heiratete er Maria Beck (auch: Peck) († 1600), mit der er sieben Kinder hatte, von denen ihn zwei Töchter und zwei Söhne überlebten.

Seine erste Hinrichtung führte er im Jahre 1573 im Alter von 19 Jahren durch und seine erste Enthauptung schaffte Franz Schmidt mit einem einzigen Schwerthieb. Das gelang nicht allen Scharfrichtern. Oftmals mussten diese mehrere Schläge ausführen, bis der Kopf vom Rumpf getrennt war.

Schmidt vollzog Exekutionen mit dem Strang, dem Schwert, dem Rad, dem Feuer und durch das Wasser. Dabei war das Rädern den Fällen schwerster Gewaltkriminalität vorbehalten, Verbrennungen vollzog Meister Franz in seiner gesamten Berufslaufbahn nur zweimal (homosexuelle Unzucht und Falschmünzerei). Das Ertränken galt den Kindsmörderinnen. Schmidt schaffte es, diese grausame und langwierige Art der Hinrichtung an Kindsmörderinnen abzuschaffen. Er richtete sie mit dem Schwert, um ihnen ein langes Leiden zu ersparen. Als Vollstrecker von Leibstrafen schnitt Meister Franz den Delinquenten die Zunge ab, peitschte sie aus oder hackte ihnen Gliedmaßen ab. Außerdem fielen Ehrenstrafen in seinen Zuständigkeitsbereich. Diese Rechtsbrecher stellte Schmidt an den Pranger, legte sie in Ketten oder setzte ihnen die Schandmaske auf. Als Henker war Schmidt auch Chef der Folter.

Er beherrschte sein Handwerk perfekt und wurde deshalb schnell als „Meister Franz“ bekannt.

Schmidt beließ es aber nicht nur bei der Hinrichtung. Er dürfte die Hingerichteten sogar sezieren. Der Nürnberger Rat erließ hierfür folgenden Passus: „(…) den enthaupteten cörper zu schneiden und, was ime zu seiner arznei dienstlich, davon zu nehmen …“

1617 oder 1618 legte er sein Handwerk nieder.

Jedoch interessierte ihn der menschliche Körper nach wie vor. So machte er in seinem Ruhestand eine Wundarztpraxis auf. Seine Kenntnisse über den Körper waren ihm von großen Vorteil.

Sein Tagebuch des Todes

Von 1573 bis 1617 führte Franz Schmidt ein detailliertes Verzeichnis der von ihm vollzogenen Strafen. Die einzelnen Einträge enthalten Datum, Ort und Methode der Exekution, Name, Herkunft und Stand des Verurteilten und – in späteren Jahren ausführlicher als in den früheren Angaben – Schilderungen der dem Urteil zugrunde liegenden Verbrechen.

Einige Beispiele aus dem Tagebuch Schmidts:
„17.10.1587, Christoph Schmidt von Nürnberg, ein Büttner und Dieb, so wegen Dieberei das Land verboten worden; ist aber in die Badestuben gegangen, hat schlechte Kleider angelegt, wann er aus dem Bad gegangen ist, die besten anderer anderer angezogen, seine alten an die Statt gelegt und sonsten überall viel gestohlen; allhie mit dem Strang gerichtet.“

„6.11.1595, Hans Siegert von Pollingen bei Neumarkt, einen Bauernknecht welcher einen Schneider in Sündersbühl mit einem dreicketen Zaunstecken erschlagen, allhie mit dem Schwert gerichtet. Hat den ganzen Weg geweint, bis er niederkniet.“

„22.1.1600, Veit Willet von Güntersbühl, ein Rosstäuscher welcher die Leut fälschlich betrogen mit Kaufen. Allhie mit dem Schwert gerichtet, welcher zuvor zu Pappenheim mit Ruten ausgestrichen worden und dem zu Schwabach beide Ohren abgeschnitten waren.“

18.1.1603, Hans Marti, einen Besenbinder, ein Bleichdieb, der den Bleichern auf der Deutschen-Herren-Bleich, Mögeldorf, Galgenhof, Tafelhof über 2000 Ellen Tuch von der Bleich gestohlen; mit dem Strang gerichtet.“

Sein letzter Eintrag in seinem Arbeitsbuch lautet:
„Ende der Leibs straffen
Summa Summarum aller derer. So vom Leben zum Thodt, seyndt durch Franz Schmidt hiesigen Nürnbergischen Scharff richter, hingerichtet worden
361 Persohnen
Ferner so am Leib gestrafft und mit Ruden auß streichen, Ohren abschneiden und Finger abschlagen worden
345 Persohnen
Damit hat er seinen dienst auff geben, und wider redlich gemacht worden“

Quellen: