Leipziger Löwenjagd – vor über 100 Jahren und heute

Vielleicht hat der ein oder andere es bereits mitbekommen: Am 29.9.2016 sind am frühen Morgen zwei Löwen aus den Gehegen im Leipziger Zoo entkommen. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen sind die beiden Löwen über einen ca. 7 m langen Wassergraben aus ihrem Gehege in den Zoo entflohen. Beim Einfangen der Löwen hat ein Tier nicht auf die Betäubungspfeile reagiert. Wahrscheinlich war das Adrenalin im Blut so stark, dass die drei Betäubungspfeile nicht gewirkt haben. Danach wurde es von der Polizei erschossen. Der andere Löwe ist mit dem Leben davon gekommen.

Das Leipziger Wappentier verbreitete aber schon vor über 100 Jahren Angst und Schrecken in der Stadt.

Vor 100 Jahren, im Oktober 1913, jagten acht Löwen durch die Straßen von Leipzig.

Anlässlich der Feierlichkeiten zur Einweihung des Völkerschlachtdenkmals am hundertsten Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig hatte der Zirkus Barum mehrere Tage in Leipzig gastiert. Gleich nach der Abendvorstellung des 19. Oktober wurden die Tiere per Pferdewagen zur Verladung auf den Güterbahnhof gebracht. Die Kutscher des Löwen- und des Bärenwagens stellten ihre Fuhrwerke unbeaufsichtigt vor der Bierkneipe Graupeter in der Berliner Straße 42 ab und besuchten diese. Die Pferde des hinteren Wagens mit den Bären wurden unruhig und durchstießen mit der Wagendeichsel die Rückwand des Löwenwagens, worauf acht der zehn Löwen ins Freie entkamen, weil – es war neblig – auch noch eine Straßenbahn die nun auf die Gleise geratenen Fuhrwerke rammte.

Die 8. Polizeiwache eröffneten das Feuer auf die Tiere und töteten in kurzer Zeit fünf von ihnen. Der Zirkusdirektor und der damalige Direktor des Leipziger Zoos und sein Oberwärter, die mit weiteren Mitarbeitern inzwischen eingetroffen waren, beschlossen, die drei verbliebenen Löwen, die sich vor der Schießerei zu retten versucht hatten, lebend einzufangen. Jedoch gelang es ihnen nicht ganz.

Insgesamt wurden sechs Löwen aus Panik erschossen. Zwei von ihnen wurden lebendig gefangen, nachdem sie in ein Hotel und auf einen Hof geflüchtet waren.

Unbekannt, Postkarte, Verleger Richard Taube - Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv.Nr. PK 4052

Unbekannt, Postkarte, Verleger Richard Taube – Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv.Nr. PK 4052

Quellen: