Kerker im Zentrum von Leipzig

Gestern war in Halle und Leipzig Museumsnacht. Neben den bekannten Museen hatte auch das Verlies unter dem Alten Rathaus, im Zentrum Leipzigs, seine Pforten für die Gäste geöffnet. Das konnte sich die Gruseltour natürlich nicht entgehen lassen. Wir mussten uns die alten Folterkeller und Kerker genauer anschauen.

Unser Gruseltour-Guide, die schwarze Witwe von Leipzig Friederike, fühlte sich sichtlich heimisch im Verlies unter dem Alten Rathaus – Eigenes Foto vom 6.5.2017

Folterkeller seit dem Mittelalter

Das Alte Rathaus zu Leipzig wurde 1556 von dem kurfürstlichen Baumeister Hieronymus Lotter errichtet. Jedoch existierten die darunter gelegenen Kellergewölbe schon seit dem 13. Jahrhundert. Damals wurden sie vor allem als Verlies und Folterkammer genutzt.

Über einen Eingang auf der Rückseite des Alten Rathauses kommt der Besucher in die Verliese. Es geht einige Stufen herunter und man gelangt in einen Vorraum. Der wurde jedoch nicht als Folterkeller benutzt, erklärt uns die Museumspädagogin Dana Albertus, dennoch befinden sich dort heutzutage Foltergeräte. Diese wurden aber vor einigen Jahren von straffälligen Jugendlichen im Rahmen eines Projektes nachgebaut. Der Gast sieht eine Streckbank, Schandgeigen und einen Stachelstuhl. Den eigentlichen Folterkeller kann man nicht anschauen. Dort steht mittlerweile die Belüftungsanlage für das Restaurant darüber drin. Danach wird der Gast von der Museumspädagogin weiter in die tiefen Gewölbe geführt. Nun sieht es schon so aus, wie man sich ein unterirdisches Verlies vorstellt. An den roten Backsteinwänden hängen weitere Folterinstrumente. Darunter befinden sich Daumenschrauben und Lästersteine. Als Lästerstein bezeichnete man eine Kette mit schweren Steinen, die um den Hals gelegt wurde. Das Gewicht war häufig von der Gerichtsbarkeit vorgeschrieben und es sind Werte zwischen ca. 9 bis 82 kg überliefert. Träger der Kette wurden durch die Stadt geführt oder an einem öffentlichen Platz an den Pranger gestellt. Die Museumspädagogin erklärte, dass die Leipziger Träger der Lästersteine um den Marktplatz laufen mussten.

Daumenschrauben und weitere Folterinstrumente unter dem Alten Rathaus im Verlies – Eigenes Foto vom 6.5.2017

Das Teufelsloch unter der Erde

Von dort aus sind es nur wenige Schritte, bis der Gast die Verliese zu Gesicht bekommt. Es wird davon ausgegangen, dass es fünf Verliese waren. Jedoch sind diese teilweise verschüttet. Der Gast bekommt einen Einblick in zwei Verliese. Die Verliese hatten alle verschiedene Namen und hießen zum Beispiel Teufelsloch oder Schwarzer Rabe. Die Eingekerkerten litten dort unter enormen Platzmangel. Ein ausgewachsener Mann von heute hätte in den Kammern nicht stehen können. Die Gefangenen wurden zusätzlich noch in Ketten gelegt. Eine Strohmatte lag auf dem Boden, ein Krug mit Wasser stand nebenan und ein Fäkalieneimer gab es ebenfalls. Dieser wurde aber nur selten gelehrt, so die Museumspädagogin. Es hat bestialisch gestunken. Die Gefangenen wurden von Mäusen, Ratten und Ungeziefer geplagt. Außerdem war es kalt, dunkel und feucht.

Eine Kerkerzelle unter dem Alten Rathaus – Eigenes Foto vom 6.5.2017

Eine Hinrichtung ist günstiger

Gefangene in den Verliesen waren oft nie länger als sechs Wochen eingekerkert. Für die Stadt wurden solche Gefangenen schlicht und einfach zu teuer. Eine Hinrichtung war günstiger. Manch ein Gefangener konnte aber einer Hinrichtung entgehen, indem er eine Geldstrafe bezahlte.

Die Verliese wurden bis Ende des 17. Jahrhunderts benutzt.

Quellen: