Hexerei gegen die kurfürstliche Familie in Sachsen? Heute jährt sich der Todestag der angeblichen Hexe Magdalena Sibylla von Neitschütz

Magdalena Sibylla von Neitschütz, geboren am 8. Februar 1675, war Mätresse am Hof vom jungen Kurfürsten Johann Georgs IV. von Sachsen. Sie hatten ein Verhältnis, was seinen Eltern natürlich gar nicht gefiel. Deswegen schickten sie ihn auf Reisen und ließen ihn an Feldzügen teilnehmen. Doch es half nichts. Als der alte Kurfürst Johann Georg der III. starb, sah seine Frau nur noch einen Ausweg und zwar den jungen Kurfürsten mit einer anderen Frau zu verheiraten. Die Hochzeit fand heimlich während der Ostermesse 1692 zu Leipzig statt. Doch Magdalena ließ sich ebenfalls nicht von ihrem Geliebten abbringen. Sie bekam 1693 sogar ein Kind von ihm. Bald jedoch erkrankte Magdalena an Pocken und starb. Ihr geliebter Kurfürst bereitet ihr ein fürstliches Begräbnis. Aber kurz danach brachen die Pocken auch bei ihm aus und 20 Tage später starb auch er daran. Gerüchte machten die Runde. Zunächst sollte die Mutter der Magdalena Sibylla von Neitschütz den alten Kurfürsten Johann Georg III. zu Tode gehext haben, damit ihre Tochter besser an dessen Sohn herankommt. Außerdem sollen beide Neitschütz-Frauen Johann Georgs IV. mit einem Liebeszauber verhext haben, um ihn für Magdalena als Mann zu gewinnen. Natürlich mit dem Ziel ihn anschließend zu töten, um an sein Reichtum zu gelangen. Johann Georgs Bruder strengte einen postumen Hexenprozess gegen die Familie Neitschütz und ihre Anhänger an. Er ließ sogar Magdalenas Sarg öffnen, um ihre sterbliche Überreste auf Anzeichen von Hexerei untersuchen zu lassen. Ihr Leichnam wurde anschließend anonym beigesetzt. Ihre Mutter wurde gefoltert und nach ihrer Haft auf der Festung Königstein schließlich auf ihre Güter verbannt. Die Besitztümer Magdalena und ihrer Mutter wurden eingezogen. Vermeintliche Helfershelfer niederen Ranges wurden schwer gefoltert und bestraft.

Die Anklage gegen Magdalena und ihre Mutter lautete (aus „Hitzigs Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege“, Neue Folge, Leipzig 1849, 19. Bd. 3. Heft, S. 205-240): „Sie haben von des Herrn Churfürsten Johann Georg III. sein Haar bekommen, selbige in Wachß oder anderen zauberische Ingredientien und characteren geknädet und daraus ein Männlein eine handlang formiret und solches an einem Spieß bey einem magischen Feuer gebraten, welche Zauberey neben andern magischen Signen vermischet, daß dem Herrn Churfürsten successive alles Fleisch von den Knochen gefallen und das Eingeweidte ausgetrucknet und am Feuer zerschmolzen, da denn auch der Herr Churfürst einige 4 Tage darauf sterben müssen. Bei diesem erschröcklichen Actibus haben sie dann und wann die Schmertzen lindern und mindern können, auch wiederumb vermehren, und solches mit Vermehrung und Zurückziehung des magischen Feuers, welches sie nach gefallen viel oder wenig angeleget.“

Dies wird auf die Sektion der Leiche des alten Kurfürsten Johann Georg III. zurückgeführt, so Hitzig. Denn bei dessen Sektion, erkannte man, dass beide Lungenflügel hart angewachsen waren und violett und rötlich ausgesehen haben. Die Lungenflügel waren anscheinend ohne einiges Blut. Das Herz soll ebenfalls von keiner sonderlichen Größe gewesen sein.

Die Anklage lautet weiter: „Auch haben sie Johann Georg IV. eine übernatürliche Liebe durch Zauberey beygebracht, welche vermittelst eines Kessels, so unaufherlich über einem Feuer in einem Gewölbe gehangen und von vielen aus Hahnenhertzen und anderen magicis characteribus gesotten, welche denn dergestalt praepariret, daß sie auch des Herrn Werck und Thun nach proportionen des siedens daraus abnehmen  können, denn sobald der Keßel mit darin enthaltenen zauberischen Materien auffgestiegen, so ist es nicht nach ihrem Willen gewesen, wenn aber derselbe seine Materia sencken und einkochen lassen, so hat er kommen und ihr beywohnen müssen, welches denn die Ursache, daß sie ein stetes Feuer darunter erhalten. Dahero, wenn er bey der durchlauchtigsten Gemahlin gewesen, so ist er dergestalt von einem magischen Feuer angefeuert worden, daß ihm angst und bange geworden. Sobald er aber zur Neitschinne kommen, hat sie das Feuer proportionaliter nach Belieben subtratiret, und hat er Ruhe und Linderung bekommen.“

Quellen: Freimark, Hans. Okkultismus und Sexualität. Beiträge zur Kulturgeschichte und Psychologie alter und neuer Zeit, Leipzig: 38. Leipziger Verlag G.m.b.H., 1909.

Magdalena Sibylla von Neitschütz um 1693 – nach ihrem Tod als Hexe angeklagtMagdalena_Sibylla_von_Neitschütz