Grimoires – Die echten Zauberbücher

Was ist ein Grimoire? Es ist ein Zauberbuch mit magischem Wissen. Die Blütezeit dieser Schriften war zwischen dem Spätmittelalter und dem 18. Jahrhundert. Solche Zauberbücher enthalten zum Beispiel astrologische Regeln, Listen von Engeln und Dämonen, Zaubersprüche sowie Anleitungen zum Herbeirufen von magischen Wesen oder zur Herstellung von Talismanen und Zaubertränken. Sie wurden in vielen europäischen Sprachen verfasst, sind aber auch außerhalb Europas anzutreffen.

Fast alle Grimoires sind strukturell vergleichbar und folgen meist einem Schema:

  1. Die Vorbereitung des Magiers (Fasten, Beten, Räucherungen, Waschungen etc.)
  2. Herstellung der magischen Instrumente (Zauberstab, Gewand, Messer etc.)
  3. Der magische Kreis
  4. Das Buch der Geister / Liber Spirituum
  5. Rangordnung der Dämonen, deren Siegel, Beschwörungen und Entlassungen
  6. Zauberrezepte als Anhang: Liebeszauber, Schatzzauber, etc.

Trotz des Verbotes von Zauberei im eigentlichen Sinne förderte die Kirche durchaus auch Schriften, die nach heutigem Verständnis magieähnliche Lehren enthielten. So kursierten neben den illegalen Grimoires zahlreiche legale Gebetbücher mit Gebets-, Segens- und Beschwörungsformeln. Viele Schriften wurden von oder unter dem Namen von Päpsten veröffentlicht, um die Glaubhaftigkeit des Inhaltes zu bekräftigen. Die Päpste wurden auch als Besitzer von Grimoires angesehen, so wie sich auch um eine Vielzahl von Päpsten Legenden um deren Schwarzkünste und Teufelspakte rankten. Trotzdem wurde in allen Zeiten der Besitz von sogenannten Zauberschriften verboten. Angeklagte wurden von weltlichen Gerichten, später auch von Inquisitionsgerichten der Hexerei beschuldigt und hingerichtet.

Immer wenn im Laufe der Geschichte die Religion an Gewicht verlor (z. B. wegen Pest, Hungersnot oder Krieg), entwickelten sich die Grimoires als Volks- und Aberglaube weiter. Deshalb nimmt ab dem 13. Jahrhundert die Zauberliteratur beträchtlich zu. In dieser Zeit entwickelten sich im Volk die sog. magischen Rezeptbücher. So sollte durch diese Anleitungen z. B. Regen herbeigezaubert, Katastrophen abgewendet, Krankheiten geheilt, Flugsalben und Liebestränke hergestellt, Geister gnädig gestimmt oder in die Zukunft gesehen werden können.

Auch dem in Leipzig gut bekannten Dr. Faust werden Grimoires zugeschrieben (Dr. Fausts großer und gewaltiger Höllenzwang, Dr. Fausts vierfacher Höllenzwang, Dr. Fausts Mirakel, Kunst und Wunderbuch oder der schwarze Rabe, Dr. Fausts großer gewaltiger Meergeist und Fausts dreifacher Höllenzwang). Sie wurden im 17.,18. oder 19. Jahrhunderts verfasst. Dr. Johann Faust ist deswegen höchstwahrscheinlich nicht der wirkliche Autor dieser Werke.

Die Grimoires wurden von Generation zu Generation weitergegeben und dabei je nach Epoche und Bedarf überarbeitet. Es wurden Rezepturen verändert und ergänzt und es kamen ständig neue Anleitungen hinzu. Im 18. Jahrhundert erscheinen die Ägyptischen Geheimnisse des Albertus Magnus, das Schwarze Hühnchen und Das sechste und siebente Buch Mosis.

Ab dem 19. Jahrhundert werden Sammlungen verschiedener magischer Manuskripte und Grimoires veröffentlicht, die lediglich eine Wiedergabe der alten Zauberbücher sind, aber somit einem breiten Publikum zugänglich gemacht und der Nachwelt erhalten wurden: Horsts Zauberbibliothek, vom Scheible-Verlag u. a. die Sammlung der größten Geheimnisse außerordentlicher Menschen in alter Zeit und die Bände Das Kloster.

In Deutschland stieg zwischen den beiden Weltkriegen noch einmal die Veröffentlichung von Grimoires mit zumeist stark veränderten Texten. Bedingt durch politische Wirren, Inflationen und Massenarbeitslosigkeit, griffen Betroffene zu den neu erschienenen Zauberbüchern, die von geschäftstüchtigen Verlegern in hohen Auflagen auf den Markt gebracht wurden.

Die Grimoires werden wie folgt eingeteilt:

  • schwarzmagische Grimoires: Oft anonym oder unter einem Pseudonym verfasste Schriften, die Schadenzauber, Dämonenbeschwörung, Nekromantie oder die Herbeirufung Luzifers enthalten, wie z. B. das Clavicula Salomonis, das Grimorium Verum, oder Das Grand Grimoire.
  • philosophische Grimoires: Meist bekannte Autoren setzen sich wissenschaftlich mit Magie auseinander. Thematisiert werden die magia naturalis, okkulte Wissenschaften, Alchemie, sowie detaillierte und meist neu entwickelte Beschwörungstechniken. Sie sind sozusagen Lehrbücher der Magie.
  • magische Gebetbücher: Diese Grimoires, die der Kirche zugeschrieben werden, sind sehr zahlreich. Unter Namen von Päpsten oder Geistlichen veröffentlicht, enthalten diese Bücher Anrufungen zu Heiligen, magische Gebete, zahlreiche Schutzbeschwörungen sowie Beschwörungen von Engeln, aber auch von Geistern (Geistlicher Schild, Romanusbüchlein, Das Christoph-Gebet etc.).
  • Grimoires des Volksglaubens: Meist christlich-magische Grimoires vermischt mit volkstümlichen Aberglauben. Meist Beschwörungen zu Dämonen und Schutzgebete zu Gott und Heiligen, damit man zu Reichtum gelangen, den Feind vernichten oder Gesundheit erhalten kann (Der goldene Brunn, Habermann, Der hl. Corona Schatzgebet etc.).
  • magische Rezeptbücher: Bücher mit kuriosen magischen Rezepten gegen Krankheit, zum Schutz vor Feinden, für Reichtum, Liebe etc. (Das sechste und siebente Buch Mosis, Ägyptische Geheimnisse, Geheimnisvoller Heldenschatz, Geheime Kunst-Schule magischer Wunderkräfte etc.).

Fast alle Zauberschriften haben als Gemeinsamkeit den Wunsch, sich vor drohendem Unheil und Gefahren zu schützen, Kraft und Gesundheit zu erlangen, die Zukunft zu sehen und vor allem zu Reichtum zu gelangen. Auffällig ist, dass sich in vielen Werken kein Autor finden lässt. Ein Grund dafür ist, dass Autoren damit rechnen mussten, auf dem Scheiterhaufen zu landen, da Magie von der Inquisition verboten war.

Dreifacher Höllenzwang

Quellen:

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