„Eine Hinrichtung – ein schrecklicher, aber doch feierlicher Augenblick“

Am 15. April 1853 fanden sich laut dem „Voigtländischen Anzeiger“ 25.000 Menschen im sächsischen Plauen ein. Eine Doppelhinrichtung war geplant. Die Männer Kelz und Schmidt sollten an diesen sonnigen Tag bei nur 6 Grad Außentemperatur auf dem Schafott mit dem Fallbeil hingerichtet werden. Aber was war geschehen?

Ein Einbruch mit tödlichen Folgen

In der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 1852 entschlossen zwei Männer namens Kelz und Schmidt in das Haus der Witwe Sophie Margarethe Heidrich einzubrechen. Kelz war fast 60 Jahre alt und Schmidt um die 30 Jahre. Sie hatten ihr Opfer schon vorher ausgespäht. Frau Heidrich war eine Witwe und hatte keine Kinder. Die beiden Männer gingen davon aus, dass sie all ihr Geld also niemanden vermacht hatte und es demzufolge im Hause versteckt haben musste. Sie schlugen die Scheibe ein, stiegen ins Haus ein und durchsuchten es. Sie durchwühlten das komplette Wohnzimmer, fanden jedoch nichts. Kelz soll dann auf die Idee gekommen sein, dass solche verwitweten Frauen ihr ganzes Vermögen doch unter dem Kopfkissen im Schlafzimmer haben. Es gab nur ein Problem: Genau dort lag die Witwe. Als die beiden Männer ins Schlafzimmer eintraten, fing sie an zu schreien. Der ältere Kelz hatte einen Strick dabei, den er sonst nutzte, um in höhere Geschosse klettern zu können. Er warf ihm Schmidt zu und sagte, er solle die Frau erdrosseln. Schmidt gehorchte Kelz und brachte die Frau mit dem Strick um. In Ruhe suchten sie nun das ganze Haus durch, um an das geglaubte Vermögen der Witwe zu kommen. Doch sie fanden rein gar nichts Wertvolles. Um nicht mit leeren Händen zu gehen, nahmen sie ein paar zinnerne Teller, Schüsseln, Hemden und neue Säcke mit und zogen davon.

Die Verbrecher werden gefasst

Schon am Morgen nach der Tat fanden Nachbarn die erdrosselte Frau. Der Strick hing immernoch um ihren Hals. Sie verständigten die Polizei. Noch am selben Tag wurde Kelz in seinem Heimatdorf Kornbach aufgestöbert. Die Polizei fand bei ihm die gestohlenen Zinnteller. Der jüngere Schmidt konnte sich noch eine Woche lang verstecken und wurde dann ebenfalls verhaftet. Schmidt war geständig und gab den Mord zu. Er sagte aber auch, dass ihn Kelz den Strick zugeworfen hatte und ihn gezwungen hätte zu morden. Kelz war schon einige Jahre im Arbeits- und Zuchthaus, sowie im Gefängnis. Schmidt war dagegen nicht vorbestraft, jedoch dem älteren und erfahrenen Kelz hörig.

Die Todesstrafe wird verhängt

Das königliche Appellationsgericht in Zwickau, sowie das Königliche Oberappellationsgericht in Dresden sprachen für beide die Todesstrafe aus. Sie hatten kaltblütig einer wehrlosen Frau das Leben genommen und waren deshalb auch nicht mehr wert am Leben zu bleiben.

Die Hinrichtung

Die Bevölkerung wurde in lokalen Zeitungen und Bekanntmachungen über das kommende Ereignis informiert. Daher strömten am Tag der Hinrichtung seit dem Morgengrauen Menschen nach Plauen. Die Kommunalgarde Plauens war komplett ausgelastet. Um kurz nach acht Uhr am Morgen fuhren die Todeskandidaten in einer Pferdekutsche, mit zwei Schimmeln bespannt, in Richtung Schafott, los. Eine Plane schützte sie vor den Blicken der Anwesenden. Sie wurden umringt von einer militärischen Eskorte. Erst um halb zehn Uhr trafen sie auf dem Richtplatz ein.

Der Justizamtmann Beyer hielt eine Rede, bevor die Hinrichtung vollzogen werden sollte. Er schilderte den Mord und das Leben der zu Tode Verurteilten. Er sprach von einem schrecklichen, aber feierlichen Augenblick, welchen die Zuschauer nun beiwohnen werden. Die Sonne fing nun an zu scheinen und Beyer erwähnte in seiner Rede, dass die Sonne nur noch wenige Minuten auf die Verurteilten herab scheinen würde.

Dann wurde Kelz auf das Schafott geführt. Das Fallbeil schlug ihm als erstes den Kopf ab. Danach musste Schmidt sein Leben lassen.

„Gott sei den armen Sündern gnädig!“

Der „Voigtländische Anzeiger“ berichtet einen Tag nach der Hinrichtung, am 16. April 1853, über das Ereignis:

„[…] Möge sie als eine ernste und warnende Stimme an alle Herzen dringen und jedem, der in Gefahr steht, auf der Bahn der Tugend zu straucheln und in die Schlingen des Lasters zu fallen, eine ernste Warnung sein, damit wir nie wieder Veranlassung haben, unserem Publikum eine so traurige Begebenheit mittheilen zu müssen. Wir schließen mit dem Ausrufe, der gewiss von allen christlichen und frommen Seelen getheilt wird: Gott sei den armen Sündern gnädig!“

Sächsische Morde Cover

Quellen:

  • Eckert, Wolfgang 1998: Sächsische Morde. Kriminalhistorischer Führer durch die Vergangenheit. Das Neue Berlin. Seite 109-115.