Ein Deckengewölbe aus Menschenknochen

Ein Deckengewölbe, welches mit Hunderten von Menschenknochen verziert wurde? Wir hören euch schon sagen: „Ernsthaft? So etwas gibt es doch nicht wirklich! Das wäre ja ganz schrecklich unmenschlich!“

Eine Kirche mitten in Köln

Doch solch ein Gebäude gibt es – mitten in Köln! Die romanische Basilika St. Ursula befindet sich nur wenige Gehminuten vom Kölner Dom entfernt, direkt in der Altstadt. St. Ursula wird auch die „Kirche der heiligen Jungfrauen“ genannt. Das exakte Alter des Gebäudes ist schwer nachzuvollziehen. Archäologischen Ausgrabungen nach gab es die Kirche schon im 6. Jahrhundert. Seitdem wurde die Kirche stets umgebaut und erweitert.

Die Basilika St. Ursula in Köln

Die Basilika St. Ursula in Köln

Die Goldene Kammer

In der Basilika St. Ursula gibt es die sogenannte „Goldene Kammer“. In der Kammer sind viele Reliquienbüsten aus der Zeit zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert aufgereiht; die Wände sind bis in die Deckengewölbe mit Mustern aus menschlichen Knochen geschmückt. Betrachtet man das Knochenmuster in der Decke genau, sieht man, dass die Knochen Wörter bilden: „S. Ursula pro nobis ora.“ Um die einzelnen Buchstaben deutlicher zu erkennen, wurden sie aus großen Knochen des menschlichen Körpers zusammengestellt: aus den Oberschenkelknochen. Im Hintergrund sind Rippen zu sehen.

Die Goldene Kammer

Die Goldene Kammer

Die heilige Ursula

Doch wer war die heilige Ursula, der die Basilika mit all den Menschenknochen gewidmet wurde?

Laut einer mittelalterlichen Legenden stammte die Königstochter Ursula aus der Bretagne und lebte im 4. Jahrhundert († angeblich 383). Schon in jungen Jahren soll sie sich dazu entschieden haben, jungfräulich zu sterben. Doch ihr Vater zwang sie zu der Hochzeit mit Aetherius, dem Sohn des heidnischen Königs von England. Ursula musste einwilligen. Sie stellte allerdings drei Bedingungen, die der Bräutigam auch erfüllt: Innerhalb einer Frist von drei Jahren soll Aetherius zum Christentum übertreten; eine Schar von zehn Gefährtinnen und 11.000 weiteren Jungfrauen soll zusammengestellt und eine gemeinsame Pilgerfahrt nach Rom unternommen werden. Die Pilgerfahrt führt per Schiff nach Rom. In einem Traum wird Ursula das Martyrium verkündigt. Ihr wird also verkündet, aufgrund ihres Glaubens einen gewaltsamen Tod erleiden zu müssen. Sie kommt von ihrer Fahrt zurück nach Köln, wo nach ihrer Ankunft alle Pilger von den Hunnen, die die die Stadt belagern, getötet werden. Der Prinz der Hunnen verliebt sich allerdings in Ursula und bietet ihr an, sie zu verschonen und zu heiraten. Als sie ablehnt, tötet er sie durch einen Pfeilschuss. Es soll zu einem schrecklichen Blutbad gekommen sein. Alle 11.000 Jungfrauen ließen laut der Legende ihr Leben.

Das Martyrium der Ursula, im Rheinischen Bildarchiv in Köln

Das Martyrium der Ursula, im Rheinischen Bildarchiv in Köln

Quellen: