Dürfen wir vorstellen: Gaßner – Exorzist und Wunderheiler

Manchmal wird Johann Joseph Gaßner auch als Teufelsbanner bezeichnet. Er lebte von 1727 bis 1779, wurde in Österreich geboren und starb in Bayern. Er war Pfarrer und erregte mit seinen Wunderkuren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts großes Aufsehen.

Im Jahre 1752 erkrankte er, wobei ihm Ärzte nicht helfen konnten. Schließlich ging er davon aus, dass seine Krankheit unnatürlichen Ursprungs sei und er nur mit kirchlichen Mitteln geheilt werden könne. Wahrscheinlich war seine Krankheit aber psychosomatischen Ursprungs. Er konnte sich selbst heilen und war nun der Überzeugung, dass Krankheiten ein Werk des Teufels seien. Im Jahre 1774 begann er seine Reise als Teufelsbanner und Wunderheiler.

Gaßners Wunderheilungen beruhten auf folgenden Grundsätzen:

Die bösen Geister versuchen den Menschen zu schaden, wo immer sie können. Ihr schädigender Einfluss erstreckt sich nicht bloß auf die Seele sondern auch auf den Leib, indem sie mancherlei Krankheiten hervorrufen. Es ist die Aufgabe des Exorzisten, den verderblichen Einfluss des Teufels zu zerschlagen.

Anfangs räumte Gaßner noch ein, dass es auch „natürliche“, nicht von einem Dämon verursachte Gebrechen gebe, aber im Laufe der Zeit waren in seinen Augen so ziemlich alle Krankheiten „unnatürlich“. Er unterschied drei Gattungen der von Dämonen geplagten Menschen: Circumsessi, d. h. Angefochtene; Obsessi seu Maleficiati, oft auch als „Bezauberte“ bezeichnet; Possessi oder förmlich Besessene. Am meisten, so glaubte Gaßner, handle es sich bei den Kranken um am Leibe „Angefochtene“. Für die Entstehung von Krankheiten gab er verschiedene Ursachen an, beispielsweise Teufelskünste und Aberglauben; mit dem Teufel verbündeten Menschen schrieb er die Macht zu, ihren Mitmenschen Krankheiten und anderes Unheil zu schicken; andere besäßen durch „Schwarzkunst oder Zauberei“ die Fähigkeit, „jedes Übel oder Krankheit dem Menschen und Viehe zu machen“. Gaßner glaubte überdies auch an eine allwöchentliche Zusammenkunft der Zauberer mit dem Teufel. Nicht allen, so meint Gaßner, könne der Satan in gleichem Maße zusetzen. Den schlimmsten Einfluss übt seiner Lehre nach der Satan über große Sünder aus: „Gott lasse den Leib der Bösen peinigen, damit deren Seele gerettet werde. „Aus dieser Ursache lässt Gott bisweilen ganze Gemeinden mit von bösen Menschen durch den Teufel gemachte Hagel, Gefrörnissen, unzeitigem Schnee, Wassergüssen und anderen dergleichen Übeln beschädigen, dieweil öfters durch heimliche oder öffentliche Sünden, Laster und Ärgernisse solche Strafe verdient ist worden und Gott sich des bösen Willens der Unholden und des Satans, die Sünden zu strafen, bedient.“ Ebenfalls stark gefährdet schienen dem Pfarrer die Gemütskranken, „alle Traurigen, Ängstige, Schwermütige, Verzagte, Kummerhafte, Skrupulose und Melancholische“; deren Zustand sei allemal „unnatürlich“. Schließlich behauptete Gaßner in seiner Überzeugung und im Wahn, dass alle Krankheiten vom Teufel kommen und Arzneien nur für die Ungläubige sind. Die Erfolge bei seinen Kuren waren in der Regel nur von kurzer Dauer und sind der ungewöhnlich starken suggestiven Kraft zuzuschreiben. Die Unkenntnis solcher Erscheinungen zur damaligen Zeit verschaffte ihm den Ruf eines Wundermannes.

Mit seinen „Heilkünsten“ erntete Gaßner nicht nur Lob. Bald stand die Kirche nicht mehr hinter ihm und seinen Heilungen. Papst Pius VI. verwarf Gaßners Lehre als falsch und untersagte die Vornahme der aufsehenerregenden Krankenbeschwörungen. So bekam er den Ruf als Schwindler.

johann j gaßner

Die Zeichnung zeigt Gaßner bei seiner Arbeit als Teufelsaustreiber

Quellen: