Die Schlaftänzerin Magdeleine Guipet

1902. Die gebürtige Georgierin Magdeleine Guipet leidet unter starken Kopfschmerzen und unterzieht sich deshalb in Paris bei einem Professor namens Emile Magnin einer Hypnose-Therapie gegen Migräne. Unter Hypnose stellt sich heraus, das Guipet besonders empfänglich für den Klang von Klaviermusik ist und Stimmen hört, die sie dazu bringen, dramatische Bewegungen und Gesten zu machen, obwohl sie beteuerte niemals Tanzunterricht genommen zu haben.

Das enorme kreative Potential des Unterbewusstseins während einer Hypnose im Allgemeinen und im Besonderen das der Magdeleine Guipet erregte die Aufmerksamkeit der europäischen Mediziner zu damaliger Zeit. 1904 reisten Guipet und ihr Arzt nach München, um ihren Schlaftanz dortigen Ärzten, Künstlern, Schriftstellern und Journalisten im Schauspielhaus vorzuführen. Die Begeisterung stieg abermals. Bald folgte für Magdeleine Guipet und Magnin eine sechsmonatige Tour durch Opernhäuser und Theater unter anderem in Wien, Berlin, Paris und London. Dabei kamen sie auch nach Dresden, wo selbst Karl May eine ihrer Vorstellungen besuchte. Nach einer Vorstellung beschrieb Theaterfachmann Freiherr Julius von Werther, früherer Intendant des Stuttgarter Hoftheaters, die Inszenierung und die Hypnose der Guipet folgendermaßen:
„[…] Magdeleine G[uipet], wurde von einem  Magnetiseur, namens Magnin, vorgeführt […] [und] wurde stehend von dem Magnetiseur eingeschläfert und sank in einen Lehnstuhl. Zwei Ärzte bestätigten den eingetretenen somnambulen  [= schlafwandlerischen] Zustand. Da ertönt Musik hinter einem Vorhang […]. Alsbald erhebt sich Magdeleine aus ihrem Lehnstuhle und begleitet mit Armen und Beinen wie mit lebhaften Gesichtsausdrücken diese Töne. […] Augenblicklich erfasst der Körper Magdeleines die gewaltige Tragik der großen Akkorde […]. Mehr und mehr steigert sich die Pantomime des Schmerzes, laute unartikulierte Klagetöne, die indes die Noten Chopins völlig treffen, stößt die Somnambule [= Schlafwandlerin] aus. Sie wirft sich voll unsäglichen Leides, das sich auf  ihren Gesichtszügen malt, auf den Boden und erstarrt plötzlich, als die Musik auf dem Piano abbricht, in ihrer letzen Pantomime wie leblos. […] die Somnambule wird durch den Magnetiseur wieder in ihren wachen Zustand versetzt und abgeführt.“

Viele Künstler waren von der Magdeleine Guipet ergriffen und malten, wie auch fotografierten sie. Auf den Fotos tanzt Magdeleine Guipet unter Hypnose. Manchmal findet man die Tänzerin auch unter dem leicht veränderten Namen Madeleine Guipet. Magdeleine mag01