Der Wunderheiler von Schutterwald

Im Jahr 1974 begeben sich viele kranke Menschen ins baden-württenbergische Schutterwald auf der Suche nach Heilung. Es wird gesagt, der damals 28-jährige Josef Weber soll heilende Kräfte haben. Doch wer verbirgt sich hinter diesem Mann? Josef Weber absolvierte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und zum Pflasterer. Er zog Anfang der 70er Jahre nach Schutterwald, wo er sich erst als selbstständiger Bauunternehmer versuchte. Angeblich soll er in dieser Zeit wegen „Verletzung der Aufsichtspflicht“ vier Monate im Gefängnis verbracht haben. Zusätzlich bekam er noch zwei Jahre auf Bewährung, da sein Baugeschäft Konkurs ging. Er war somit hoch verschuldet und fürchtete Gläubiger. Seine Tätigkeit als Wunderheiler begann damit, dass Weber mit seiner Frau per Anzeige Anfang Dezember 1973 Kartenlegen, Pendeln und Kontaktaufnahme mit Medien anbot. Im Schutterwälder Blättle wird die Anzeige betitelt mit: „Schiwa sagt Ihnen Ihre Zukunft in Liebe, Ehe und Erfolg voraus“. Dann soll Weber nach eigenem Bericht in der Nacht des 6. Dezember 1973 ein helles Dreifaltigkeitszeichen erschienen sein und eine Stimme sagte zu ihm: „Du bist ausersehen, den Menschen zu helfen. Du hast die Kraft in dir.“ Weber behauptete seitdem Menschen nur durch Handauflegen heilen zu können. So schaffte es Weber auch in die BILD-Zeitung vom 12. Januar 1974 und die Kunde verbreitete sich, dass ein Wunderheiler im Schutterwald lebt. Während er anfänglich nur seine Frau und Stammtisch-Bekanntschaften heilte, kam es wohl auch bald zu der Heilung eines gelähmten und fast todkranken Mädchens. Ihre Mutter hatte als letzten Ausweg die Hilfe von Weber in Anspruch genommen: „Der Mann […] legte S. die linke Hand auf – und das Mädchen begann Arme und Beine zu bewegen, während es zuvor absolut regungslos war.“ So wurden tausende von Menschen auf Weber aufmerksam und suchten Schutterwald auf. Weber sagte, er nehme kein Geld von den Kranken für die Heilungen an, ließ sich aber dennoch reich beschenken. Bald schon reiste Weber ins Krankenhaus Hamburg, um vor Ort zu heilen. Die Presse war stets dabei. Webers Haus, welches zwangsversteigert werden sollte, konnte er zu diesem Zeitpunkt auslösen. Er schaffte sich auch eine Praxis mit drei Außenstellen in Baden-Württenberg, Saarland und Niedersachsen an, wobei er nun für seine Heilungen Geld verlangte. Weber selbst bezifferte seine Einnahmen einmal auf 20.000 DM pro Monat. Webers Behandlungsmethoden wurden auch von Wissenschaftlern untersucht – ohne eindeutiges Ergebnis. Im März 1977 bekam Josef Weber vom Landgericht Offenburg neun Monate auf Bewährung wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz. Weber klagte dagegen bis zum Bundesgerichtshof, verlor aber. Somit ging er ins Elsass an die französisch-schweizerischen Grenze. Ende 1981 verurteilte ihn die Strafkammer in Mulhouse zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung wegen Betrugs. Danach wurde es ruhig um den angeblichen Wunderheiler vom Schutterwald.

Archivfoto: Hugelmann – Langhurst im Schutterwald, 1974: Vorm unverputzten Haus des Bauarbeiters Josef Weber warten die Kranken und Hilfesuchenden. Kurz zuvor wurde Weber in der BILD-Zeitung als Wunderheiler betitelt.

ARCHIV / 1974 - 1977 Warteschlange vor dem Haus des Wunderheilers Josef Weber, Wunderheiler aus Schutterwald

Quellen (Text und Bild):

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