Der Schlächter von Berlin

Carl Großmann soll fast 100 Mädchen und Frauen auf dem Gewissen haben. Er hat sie vergewaltigt, zerstückelt und die Leichenteile anschließend verbrannt oder in den Fluss geworfen. Wer war dieser schreckliche Schlächter von Berlin?

Carl Großmann war eines von acht Kindern und wuchs in ärmlichen Verhältnissen unter einem brutalen Vater, der die Mutter stets misshandelte, in Neuruppin auf. Er war ab 1876 Lehrling in der Fleischerei Ferdinand Kliefoth. Seine blutrünstigen Gedanken und Äußerungen erschreckten sogar seinen Bruder Franz. 1879 wurde er wegen einer sexuellen Annäherung an Frau Kliefoth entlassen.

Von 1880 bis 1895 lebte er in Berlin. Seine erste Arbeitsstelle war die Fleischerei Naujocks nahe dem Alexanderplatz. Später zog er als Bettler, Hausierer und Kleinkrimineller durch Süddeutschland. Er machte sich mehrfach strafbar, u. a. wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Sexualdelikten, und verbüßte mehrere Gefängnisstrafen. Zuletzt wurde er am 4. Oktober 1899 in Bayreuth wegen Sittlichkeitsverbrechen zu 15 Jahre Zuchthaus verurteilt. Er hatte an einem Tag ein zehn- sowie ein vierjähriges Mädchen sexuell missbraucht. Die Vierjährige starb später an den Folgen der Tat. 1913 wurde Großmann aus der Haft entlassen und kehrte nach Berlin zurück, wo er schließlich eine Wohnküche im Haus Lange Straße 88/89 bezog.

Großmann sprach seine Opfer, die meist Prostituierte oder alleinreisende Frauen waren, häufig in der Gegend um den Andreasplatz an und lud sie zu sich nach Hause ein. In der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges herrschte hohe Arbeitslosigkeit. Er bot den obdachlosen Frauen an, in seinem Haushalt als „Wirtschafterin“ tätig zu werden.

Das Stadtviertel Berlin-Friedrichshain war damals eine der ärmsten und verruchtesten Gegenden. In den Jahren 1918 bis 1921 wurden im Engelbecken und im Luisenstädtischen Kanal in der Gegend um den Schlesischen Bahnhof (heute Ostbahnhof) 23 zerstückelte Frauenleichen gefunden.

Carl Großmann wurde am 21. August 1921 in seinem Haus neben seinem letzten Opfer Marie Nitsche auf frischer Tat gefasst. Nachbarn hörten Schreie und riefen die Polizei. Polizeibeamte klopften und brachen schließlich die Tür auf. Sie hinderten Großmann daran, Selbstmord zu begehen. In seinem Küchenofen wurden die verkohlten Überreste menschlicher Hände gefunden. Lediglich drei Morde gestand Großmann in den späteren Vernehmungen. Es wird vermutet, er könnte für das Verschwinden von etwa 100 Mädchen verantwortlich gewesen sein. In jenem Sommer war die Berliner Kriminalpolizei aufs äußerste beunruhigt durch die Leichenfunde im Luisenstädtischen Kanal. In der Nähe von Großmanns Wohnung, waren seit Mai im Kanal beinahe täglich Teile weiblicher Körper gefunden worden.

Es gibt Vermutungen, nach welchen Großmann seine Opfer zu Wurst- und Dosenfleisch verarbeitet habe, da er am Schlesischen Bahnhof einen Wurststand besaß. Ebenso wird spekuliert, er habe Teile seiner Opfer selbst verspeist. Diese Vermutungen konnten jedoch nie nachgewiesen werden.

Bei den Verhehmungen stellte sich heraus, dass Großmanns meiste Hingabe seinem Zeisig Hänseken galt. Er war ein tierlieber Serienmörder.

Der 58-jährige Großmann tötete sich am 5. Juli 1922 vor dem Ende der Hauptverhandlung in seiner Zelle selbst. Er hatte sich aus seinem Bettzeug einen Strick gedreht und sich an einem Nagel seiner Zellentür erhängt.

Ein schrecklicher Mann…

Carl Großmann, der Schlächter von Berlin

Quellen: