Der Schinderhannes – ein deutscher Räuber

Der Schinderhannes hieß mit richtigem Namen Johannes Bückler. Er wurde vermutlich im Herbst 1777 im Taunus geboren. Gestorben ist er am 21. November 1803 in Mainz. Er war ein deutscher Räuber, dem heute mindestens 211 Straftaten, zumeist Diebstähle, Erpressungen und Raubüberfälle, nachgewiesen werden können. Die Gesamtzahl seiner Mittäter betrug 94.

Johannes Bückler, Gemälde von Karl Matthias Ernst (1803)

Warum wurde er Schinderhannes genannt?

Als Schinder wurden die Männer bezeichnet, die bei einem Abdecker arbeiten. Ein Abdecker war jahrhundertelang eine Berufsbezeichnung für Personen, die für die Beseitigung von Tierkadavern zuständig waren. Die Kadavern wurden teilweise noch verwertet, um Produkte wie Seifen oder Leim herzustellen. Oftmals waren die Henker einer Gemeinde gleichzeitig auch die Abdecker.

In einem Ermittlungsverfahren 1802/1803 hat Johannes Bückler genau dies als Grund für seinen Rufnamen angegeben. Auch seine Vorfahren väterlicherseits waren seit Generationen Schinder gewesen. Jedoch soll er seinen Beinamen „Schinderhannes“ gehasst haben.

Seine Räuberkarriere beginnt

Schon mit 14 Jahren beginnt der Schinderhannes mit seiner kriminellen Karriere. Angeblich soll er damals seinem Meister sechs Kalbfelle und eine Kuhhaut gestohlen haben, weshalb er eine öffentliche Prügelstrafe von 25 Hieben erhielt. Danach beginnt er systematisch Vieh zu stehlen und es an einen Fleischer zu verkaufen. Bald schon kam er ins Gefängnis, entwischte aber sofort wieder. Mehrmals wird er festgenommen, kann aber mithilfe von Kumpanen und fehlender Aufsicht immer wieder entfliehen. Sein Ruf als Räuberhäuptling ist geboren. Er konnte Lesen und Schreiben und wird auch als äußerst klug beschrieben. Er bestahl nur reichere Personen und beschenkte Arme und Bauern. Schließlich gab es bei den Armen nichts zu holen, aber er konnte sie durch Geschenke als Verbündete gewinnen, die ihn in brenzligen Situationen warnten. Seine Liste krimineller Handlungen wird immer länger: Diebstahl, Einbruch, Raub und Schutzgelderpressung sind viel ergiebiger als Viehdiebstahl. In der Nähe des Schinderhannes gibt es immer wieder Mordopfer. Jedoch wurde ihm nie ein Mord nachgewiesen.

Schinderhannes und Julchen

Ostern 1800 kommen Johannes Bückler und Julia Blasius zusammen. Sie ist die 19-jährige Tochter eines Musikanten und wird auch als Julchen bezeichnet. In Männerkleidung nimmt sie an den Raubzügen der Bande teil. In manchen Quellen wird berichtet, dass Julchen zu der Zeit ein Kind gebar.

Schinderhannes mit Julchen und Kind, Kupferstich von Karl Matthias Ernst (1803)

Der Räuberball

Um 1800 verlegte Johannes Bückler seine „Residenz“ auf die halb verfallene Schmidtburg im Hahnenbachtal und auf Schloss Kallenfels, als Ausweichquartier und Beobachtungsposten. In der ganzen Gegend kannte man den Aufenthalt der Räuber, verriet jedoch nichts den Behörden.  im August 1800 feierte er sogar öffentlich einen sogenannten Räuberball, bei dem sich die Räuber mit den Frauen des Ortes vergnügten. Prostituierte, Bettler und Kriminelle feierten an dem Abend zusammen. Sogar die Bürgermeister und Amtspersonen der umliegenden Ortschaften nahmen an den Festlichkeiten teil. Das war der Höhepunkt im Leben des Schinderhannes. Vielleicht durch diesen Übermut wurde die längst im Fokus polizeilicher Interessen befindliche Bande dann auch lokalisierbar.

Das Ende vor fast 30.000 Zuschauern

Schließlich wird der Schinderhannes am 31. Mai 1802 mit Julchen und mehreren Kumpanen verhaftet. Der Prozess beginnt und am 20. November wird er mit 19 seiner Mitstreiter zum Tode verurteilt. Julchen Blasius ist zu dem Zeitpunkt definitiv von Johannes Bückler schwanger. Sie muss deshalb „nur“ zwei Jahre ins Zuchthaus. Die Verkündigung der Hinrichtung vom Schinderhannes und seinen Begleitern lockt 30.000 Schaulustige an. Am 21. November 1803 fuhr man die Verurteilten in fünf offenen Wagen zum öffentlichen Richtplatz. Bückler wurde als erster auf das Schafott geführt. Sekunden später war die Hinrichtung vollzogen. 24 Minuten nach der ersten Hinrichtung war alles zu Ende.

An den Leichen der Hingerichteten führte die medizinische Gesellschaft Versuche mit Elektrizität durch, um zu testen, ob die geköpften Personen nicht doch noch Empfindungen zeigten. Aufgrund dieser Untersuchungen ist der wahre Aufbewahrungsort von Bücklers Leichnam nicht mehr zu klären.

Hinrichtung des Johannes Bückler in Mainz 1803

Legenden um den Schinderhannes

Der Schinderhannes wird als Räuberhauptling und schillernde Figur beschrieben, um die sich in Mainz und Umgebung diverse Sagen und Geschichten ranken. Noch heute wird er als Robin Hood Rheinhessens und der Pfalz dargestellt. Inwieweit Johannes Bückler, alias Schinderhannes, aber tatsächlich als Verteidiger der Armen fungierte, ist unsicher.

Quellen: